Knittelfeld und die Folgen

17. Oktober 2008, 17:00
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Das eigentliche Bild hatte der STANDARD damals nicht auf der Titelseite. Hinter den drei FPÖlern Westenthaler, Riess-Passer und Grasser, die hier in schwerer Stunde ihren Bruch mit der Partei verkündeten ("Wir nehmen unseren Hut und sagen Adieu"- Westenthaler) war eine Plakatwand mit irgendwelchen Bildern und Slogans ("FPÖ super!" oder so), und die stürzte um und touchierte leicht die Hinterköpfe der drei, die sich ängstlich wegduckten. Symbolischer geht es kaum.

Was war passiert? Am Anfang war die "Wende". Schüssel schloss im Februar 2000 eine Koalition mit Haider. Das erregte nicht nur Europa, sondern mit der Zeit auch die alten, die harten, die "echten" FPÖ-Funktionäre. Nicht nur, dass die FPÖ mit ihrem grottenschlechten Personal in der Regierung in den Umfragen schlecht abschnitt - einem echten Vertreter des "Dritten Lagers" ist Mitregieren eigentlich wider die Natur. Wenn schon an die Macht, dann aber ganz und kompromisslos. Nach dem Führerprinzip.

Aber dieses mühsame Konsensgetue, noch dazu Entschädigungen für Zwangsarbeiter und so mitbeschließen - nein. Da bleibt ein echter Anhänger des "Dritten Lagers" lieber sauber, der Gesinnung treu. Und zwar draußen. Dieses Sentiment brach sich Bahn in einer denkwürdigen Rebellionsveranstaltung in Knittelfeld. Drahtzieher war Ewald Stadler, der mit Haider ein Hühnchen zu rupfen hatte. Die alte, "ungezähmte" FPÖ zeigte ihre Kraft. Daraufhin konnten die Vertreter der Linie "Wir sind regierungsfähig" nicht mehr mit. Pro-forma-Parteichefin Riess-Passer, Klubchef Westenthaler und Finanzminister Grasser stiegen aus. Die FPÖ war de facto gespalten. Schüssel war im Dilemma, aber nicht lange. Er rief Neuwahlen aus, die er glänzend gewann - mit dem Überläufer Grasser, damals noch ein Aktivposten. Riess-Passer floh zu Wüstenrot. Westenthaler wurde zwischendurch Rennstallverwalter bei Stronach. Die FPÖ war dezimiert.

Schüssel machte aber noch einmal eine Koalition mit Haider, was ihm langfristig nicht guttat. Haiders interner Rivale H.-C. Strache fühlte sich zu einem Putschversuch gegen Haider ermuntert. Der flüchtete nun in die echte Spaltung und gründete das BZÖ. Inzwischen ist Haider gestorben, Schüssel, Grasser, Westenthaler und mit ihnen das Modell Schwarz-Blau sind obsolet. Strache ist nun der alleinige Rechts-Vertreter.(Hans Rauscher, DER STANDARD; Printausgabe, 18./19.10.2008)

  • STANDARD-Ausgabe vom 9. Septemer 2002.
    foto: standard

    STANDARD-Ausgabe vom 9. Septemer 2002.

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