Als die Flammen des Terrors loderten

17. Oktober 2008, 17:00
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Am 11. September 2001 verhieß die Nachrichtenlage einen Routinetag. Aus Innsbruck traf die Meldung ein, dass ein junger, noch wenig bekannter Landesrat namens Günther Platter in einer Kampfabstimmung um die Tiroler ÖVP-Spitze gegen Herwig van Staa antreten wolle. Im Burgenland wurden vom Bundesheer illegale Grenzgänger aus Mazedonien aufgegriffen, in Wien vom ORF Schwarzseher gesucht. International gab es Gefechte im Westjordanland und eine Wahlniederlage der Sozialdemokraten in Norwegen.

Kurz vor 15 Uhr blitzten auf dem TV-Schirm im Konferenzzimmer die Bilder auf, die sich sofort und für immer ins Gedächtnis einbrannten: CNN zeigte das in Flammen stehende World Trade Center in New York. Um 8.46 Uhr Ortszeit war ein Flugzeug in einen der Zwillingstürme gekracht. Während der Kommentator noch von einem "schrecklichen Unfall" sprach, konnten alle sehen, wie ein Boeing-Jet in einer weiten Kurve auf den zweiten Tower zuflog und als Feuerball hineinstürzte. Terror! Ein Monsterattentat.

In den nächsten Stunden schauten alle Mitarbeiter des Hauses immer wieder auf die TV-Schirme, wo zu den Horrorbildern von den Überlebenden im Qualm von Manhattan ständig neue Katastrophenmeldungen kamen. Zwischendurch gab Susi Schneider, die Standard-Korrespondentin in New York, Artikel mit Augenzeugenberichten durch. In Wien kamen die Redakteure mit dem Aktualisieren der Zeitung nicht nach: In Washington stand das Pentagon nach dem Crash eines Jets in Flammen, in Pennsylvania stürzte eine vierte entführte Boeing ab. Präsident George Bush sprach von einer "nationalen Tragödie".

Die Konsequenzen der Anschlagserie, bei der 3000 Menschen getötet wurden, waren noch unabsehbar. Vom ständigen Ärger für Flugreisende bis zu zwei Kriegen und zum Zusammenbruch zivilisatorischer Normen wie dem Folterverbot reichten sie. An diesem Tag drückte für uns das Bild der amputierten Skyline Manhattans mit der gewaltigen Rauchwolke das Geschehen am besten aus. Weiter unten auf der Seite stand der Name des Mannes, der sofort als Drahtzieher vermutet wurde und trotzdem sieben Jahre lang verschwunden blieb: Osama Bin Laden. (Erhard Stackl, DER STANDARD; Printausgabe, 18./19.10.2008)

 

  • STANDARD-Ausgabe, vom 12. September 2008.
    foto: standard

    STANDARD-Ausgabe, vom 12. September 2008.

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