Saddam hatte sich verkalkuliert

17. Oktober 2008, 17:00
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Es hat einen alliierten Krieg unter US-Führung zur Entwaffnung des Irak gegeben - aber er fand nicht 2003 statt, sondern im Jänner und Februar 1991. Der Anlassfall war allerdings die Invasion der Truppen von Saddam Hussein in der Nacht zum 2. August 1990 in Kuwait. Die internationalen Ängste, dass der irakische Staatschef, der nach dem Ende des Iran-Irak-Kriegs 1988 ungebrochen weiter aufgerüstet hatte, nach Saudi-Arabien weitermarschieren - und die Ölquellen des Königreichs kontrollieren - könnte, waren groß.

Damals bot ein aus dem Afghanistankrieg gegen die Sowjets heimgekehrter saudi-arabischer "Gotteskrieger" dem saudischen König Fahd Hilfe an: Dass dieser vorzog, amerikanische Truppen in das Land der heiligen islamischen Stätten zu lassen, um es vor Saddam zu verteidigen, hatte Folgen für die ganze Welt. Osama Bin Laden wandte sich von Saudi-Arabien ab und begann seinen internationalen Kampf gegen die USA.

Für die Standard-Redaktion war es der erste ganz große Konflikt, den es zu covern galt, mit einer Vielfalt von Meinungen auch im eigenen Haus. Im August 1990 blieben die Verschwörungstheorien nicht aus, dass die US-Botschafterin in Bagdad Saddam Hussein vor der Invasion grünes Licht gegeben hatte: Die USA würden sich nicht einmischen. Jedenfalls eine eklatante Fehleinschätzung. Saddam hatte offenbar auch nicht verstanden, dass das Ende des Ost-West-Konflikts eine US-Intervention eines solchen Ausmaßes, wie sie der Golfkrieg 1991 werden sollte, in der Region möglich machte. Die Einigkeit im UNO-Sicherheitsrat, der den USA ein Mandat dafür erteilte, bröckelte danach schnell wieder ab.

Die Agonie nach dem Todesstoß, den sich das irakische Regime mit dem Kuwait-Überfall versetzt hatte, sollte bis 2003 dauern. Neben territorialen Fragen hatte Bagdad ja wirtschaftliche Gründe - Kuwaits Ölpreisdumping, das dem durch den Krieg gegen Iran verarmten Irak schwer schadete - angeführt. Noch am 2. August 1990 verhängte der UNO-Sicherheitsrat die schwersten Wirtschaftssanktionen der Geschichte gegen den Irak, der in den Jahren darauf verelendete. Dass Saddam Hussein seine nach 1991 entdeckten geheimen Massenvernichtungswaffenprogramme nur zögernd aufgab, war ein probates Mittel, den Irak in Isolation zu halten. Die Rechnung zahlte die Bevölkerung. (Gudrun Harrer, DER STANDARD; Printausgabe, 18./19.10.2008)

  • STANDARD-Ausgabe vom 3. August 1990
    foto: standard

    STANDARD-Ausgabe vom 3. August 1990

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