Gezeigt, getan!

16. Oktober 2008, 15:36
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Mit dem neuen Bildwörterbuch von Langenscheidt ist der Weltenbummler sprachlos auf der sicheren Seite

Es gibt Wörterbücher, und es gibt Bücher ohne Wörter. Bücher ohne Wörter können sehr nützlich sein, wenn sich Reisende in exotischen Ländern aufhalten, wo weder Englisch noch Französisch noch Spanisch gesprochen wird, sondern stattdessen vielleicht nur der abchasische Dialekt Bzyb oder Zentral-Alaska-Yupik. Dann ist es günstig, wenn man ein Buch wie das "OhneWörterBuch"zur Hand hat (die etwas alberne Schreibung mit den Versalien im Wortinnern stammt vom Langenscheidt-Verlag, in dem dieses Buch erschienen ist). Wo man sich nicht mehr durchsprechen oder durchgestikulieren kann, da soll man sich wenigstens noch durchzeigen können.

Das "OhneWörterBuch"präsentiert auf 32 Seiten eine Reihe von Gegenständen aus unterschiedlichen Lebensbereichen und Lebenssituationen: "Unterwegs", "Übernachten", "Essen und Trinken", "Shopping", "Kommunikation und Multimedia", "Unterhaltung", "Ernstfälle" sowie "Zeit und Zahlen". Gedruckt ist das Ganze auf speziell behandeltem Papier, das so wirkt, als hielte es auch Schneestürmen oder Tropengewittern stand. Gut so. Ein Weltenbummler, der seinem Namen Ehre macht, hält sich nicht nur in der Hotelbar auf, er geht auch ins Freie.

Kuvert und Klopapier

Im "OhneWörterBuch" sieht man, im Ganzen betrachtet, ein surreal wirkendes Nebeneinander kleiner Zeigebilder: Eisenbahnwaggon und Seilbahn, Rikscha und Cabriolet, Kleiderbügel und Glühbirne, Barhocker und Feuerlöscher, Kakerlake und Propangaskocher, Essstäbchen und Zahnstocher, Bierglas und Morgenmantel, Spiegeleier und Reisetasche, Strohhüte und Zahnbürsten, Babywindeln und Champignons, Klopapier und Briefkuverts, Schwimmreifen und Billardtische. Wohl dem Reisenden, der nicht auf die Zeigebilder der Seiten 29 bis 31 ("Ernstfälle") angewiesen ist: Dort dräuen Schlangen und Skorpione, Heftpflaster, maskierte Straßenräuber, ineinander verkeilte Autos, Moskitos und Verbandsmull. Der Verlag verspricht, er werde den Käufern "eindeutig erkennbare Zeichnungen" bieten, und dieses Versprechen hält er.

Ein "OhneWörterBuch" ist eine überaus nützliche Sache, aber es versteht sich, dass mit ihm nur eine sehr rudimentäre Kommunikation möglich ist. Wer andere Kulturen in ihrer ganzen Tiefe ermessen will, muss sich weiterhin bemühen, ihre Sprachen zu erlernen. Dazu benötigt man dann kein "OhneWörterBuch", sondern, wenn man so sagen will, sein Gegenteil. (Christoph Winder/Der Standard/rondo/10/10/2008)

Langenscheidt: OhneWörterBuch.
ISBN 978-3-468-29841-7, EURO 6,20

  • Ein Bild sagt mehr als tausend Worte: Zwei Seiten aus Langenscheidts "OhneWörterBuch", das "550 Zeigebilder für Weltenbummler" enthält.
    foto: hersteller

    Ein Bild sagt mehr als tausend Worte: Zwei Seiten aus Langenscheidts "OhneWörterBuch", das "550 Zeigebilder für Weltenbummler" enthält.

  • Wohl dem Reisenden, der die Bilder oben nicht benötigt.
    foto: hersteller

    Wohl dem Reisenden, der die Bilder oben nicht benötigt.

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