Hände schmutzig machen

15. Oktober 2008, 10:21
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Eames Demetrios hat einen berühmten Opa - Darum war der Enkel von Charles Eames in Wien, um die Schau "Eames by Vitra" im Wagner- Werk Postsparkasse zu eröffnen

DER STANDARD: Für viele Menschen sind Charles und Ray Eames noch immer die absoluten Champions der Designwelt. Wie sehen Sie die beiden?

Eames Demetrios: Ich denke, die beiden repräsentieren für viele Designer den Geist, der sie den Beruf des Gestalters wählen ließ. Wenn Sie jemand Champions oder so nennt, ist das toll. Mir persönlich klingt das zu sehr nach Wettbewerb.

DER STANDARD: Man bekommt den Eindruck, dass Ray neben ihrem Mann Charles manchmal etwas untergeht. Welchen Part spielte sie wirklich?

Demetrios: Sie waren einfach Partner und ergänzten einander großartig. Man könnte auch sagen: Charles war ein guter Fotograf, was nicht heißt, dass Ray keine gute Fotografin war. Ray hatte ein tolles Gespür für Farben, was nicht heißt, dass Charles kein gutes Gespür für Farben hatte. Aber es stimmt, da liegt so ein eigenartiger Schatten darüber. Die New York Times schrieb vor zwei Jahren noch von den 'Gebrüdern Eames'. Das ist natürlich schockierend.

DER STANDARD: Charles und Ray Eames waren als Designer Pioniere in Sachen Materialforschung. Was glauben Sie, würden Sie heute tun, da es so unglaublich viele neue Materialien und Technologien gibt?

Demetrios: Ich denke, sie würden genauso forschen wie damals, nur halt auf anderen Gebieten. Sie würden versuchen, die Materialien zu verstehen, sie würden sich die Hände an ihnen schmutzig machen, und sie würden mit ihnen spielen, genauso wie damals. Und sie hätten natürlich eine Website. Und die wäre bestimmt keine normale Website. Vielleicht würden sie auf dem Gebiet der Biotechnologie tätig sein.

DER STANDARD: Gibt es ein Eames-Objekt, das Sie nicht mögen?

Demetrios: Natürlich gibt es ein paar Prototypen, die nicht so richtig funktionieren, aber die Gedanken dahinter sind trotzdem oder gerade deswegen interessant. Ein Stück, das ich nicht mag? Da werd ich wohl einmal länger darüber nachdenken müssen.

DER STANDARD: Neben Ihrer Tätigkeit als Filmemacher sind Sie Direktor des Eames Office. Was genau tut dieses Office?

Demetrios: Wir kommunizieren die Arbeit von Charles und Ray. Wir forschen, archivieren, sammeln, gehen an Schulen, publizieren, arbeiten eng mit Vitra zusammen, dann gibt's da noch die Eames Foundation, die sich um das Eames-Haus kümmert. Es gibt viel zu tun.

DER STANDARD: Welches Erlebnis mit Ihrem Großvater ist Ihnen am stärksten in Erinnerung?

Demetrios: Ich habe eine ganze Menge Erinnerungen an ihn. Doch diese eine Geschichte liegt mir besonders am Herzen. Ich war ungefähr zwölf Jahre alt. Charles kam auf Besuch und schenkte mir eine Fotokamera. Das war in den 70er-Jahren, und ich hatte wirklich eine Mordsangst, dass ich sie verlieren oder kaputtmachen könnte. Charles meinte, es sei lediglich eine billige Kamera, und man könne sie ersetzen. Es ging ihm nicht um die Kamera, es ging ihm einfach darum, dass ich rausgehe und Bilder mache. Und das tat ich dann. (Michael Hausenblas/Der Standard/rondo/10/10/2008)

Das Ehepaar Charles (1907 bis 1978) und Ray Eames (1912 bis 1988) zählt zu den bedeutendsten Gestaltern des 20. Jahrhunderts. Die Entwürfe der beiden sind bis heute äußerst erfolgreich am Markt. Neben Möbeln beschäftigten sich die US-Amerikaner u. a. mit Architektur, Filmen, Textilentwürfen, Spielsachen und Fotografien.


www.eamesoffice.com

Ausstellung "Eames by Vitra". Wagner:Werk. Museum Postsparkasse. Georg-Coch-Platz 2, 1018 Wien, bis 25. Oktober 2008

Mo und Do von 8.30-17.30 Uhr

Di, Mi, Fr 8.30-15.00 Uhr

Samstag 10.00-17.00 Uhr

  • Eames Demetrios, Jahrgang 1962, ist Filmemacher und Direktor des Eames Office in Santa Monica.
    foto: heribert corn

    Eames Demetrios, Jahrgang 1962, ist Filmemacher und Direktor des Eames Office in Santa Monica.

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