11. Oktober 2008, 13:00
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Bier im Gerede: Conrad Seidl über faden Massengeschmack und Abhilfe dagegen

Wenn man Biertrinker fragt, was sie am Bier mögen, bekommt man alle möglichen Antworten. Fragt man hingegen, was sie nicht so mögen, so ist die Antwort ziemlich klar: Die meisten Biertrinker wollen nicht, dass Bier zu bitter ist.

Bitter - dieses Wort hat so viele übertragene Bedeutungen, dass es für viele Menschen abschreckend wirkt, weil sie gleich an bittere Kälte, bittere Not und bittere Niederlagen denken.

Dabei ist bitter einfach einer von fünf Geschmackseindrücken - neben süß, salzig, sauer und umami. Und es ist eben Geschmackssache, ob man von diesem oder jenem Geschmack mehr oder weniger haben will. Ganz ohne "Bittere" wäre Bier überhaupt nicht als Bier zu erkennen - aber viele Brauereien haben die Rezepturen der gängigsten Biere so angepasst, dass man die "Bittere" kaum noch erkennt.

"Drinkability"

So erhöhen Brautechniker in Abstimmung mit den Marketing-Abteilungen der Konzerne das, was man dort "Drinkability" nennt. Das ist bei Bieren wie Miller Lite, Bud und Corona kein wirkliches Problem - diese Biere trinkt ohnehin kaum jemand wegen des Genusses. Das sind einfach leicht alkoholische Erfrischungsgetränke für den Massenmarkt.

Problematischer wird es, wenn es um Biere geht, von denen man eigentlich doch Geschmack erwartet. Seit die meisten Münchner Großbrauereien in den Händen großer Konzerne sind, hat man selbst dem kräftigen Oktoberfest-Bier mehr "Drinkability" verpasst - und dabei am teuren (und wegen Missernten in den letzten Jahren knappen) Hopfenbitterstoff Alphasäure gespart. Der Gehalt an dieser wertvollen, nur in Millionstelteilen (also ppm) im Bier enthaltenen Säure gibt die objektive "Bittere" an.

Und wenn einem richtigen Bierkenner das Bier zu fad schmeckt, weil die Brauer allzu sehr an der Alphasäure gespart haben? Da gibt es neuerdings Abhilfe: Das sogenannte "Bitterpulver 100" - reine Hopfenbittere, an Zellulosefasern gebunden, gibt den zu mild geratenen Bieren einen richtigen Kick. Kaufen kann man das Wunderpulver im Internet unter www.einhundert.be.

  • Ganz ohne "Bittere" wäre Bier überhaupt nicht als Bier zu erkenne.
    foto: der standard

    Ganz ohne "Bittere" wäre Bier überhaupt nicht als Bier zu erkenne.

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