Alles aufs Spielen gesetzt

8. Oktober 2008, 17:00
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Die Playarena in Vorderlanersbach bietet einen Indoor-Spielplatz und Kinderprogramme in der Natur. Wenige Betriebe im Tuxertal machen mit

Für erwachsene Urlauber ist ein Regentag kein Malheur. Schließlich ist es auch reizvoll, stundenlang im Gasthaus oder Kaffeehaus zu sitzen. Für Kinder sind solche Tage oft eine Qual. Daher verwundert es, wie wenig dem typischen österreichischen Fremdenverkehrsort zum Thema Schlechtwetterprogramm für Kinder einfällt.

Umso mehr sticht die Playarena im Tiroler Tuxertal hervor. Vor zwei Jahren wurde dort eine kaum noch verwendete Tennishalle in Vorderlanersbach in einen riesigen Indoor-Spielplatz verwandelt. Auf 1000 Quadratmetern weichem Teppichboden können Kids klettern, springen, rutschen, wuzeln, Gokart fahren, in einem Hochseilgarten Schwindelfreiheit üben, eine der vielen Playstations benutzen oder - wenn der Regen überhaupt nicht aufhören will - jugendfreie Filme anschauen. Ein Shuttleservice bringt die Kinder aus dem weiter entfernten Lanersbach und aus Hintertux in die Playarena.

Solche wetterfesten Angebote könnten eigentlich Standard in familienfreundlichen Urlaubsorten sein. Stattdessen steht Tux in Österreich recht einzigartig dar - und macht gleichzeitig deutlich, wie schwierig es ist, unter eigensinnigen Bergbewohnern solche Investitionen durchzusetzen.

Der Bau der Playarena in Vorderlanersbach wurde von deutlich weniger Hotels und Gasthöfen unterstützt als erhofft. Statt den angepeilten 2000 Gästebetten kamen letztlich nur 18 Betriebe mit 926 Betten an Bord, auf die dann proportional die Anlaufinvestitionen von 400.000 Euro aufgeteilt wurden, berichtet der Geschäftsführer der Playarena, der Hotelier Werner Stock. Dazu kommen noch Betriebskosten von 130.000 Euro im Jahr oder rund 140 Euro pro Bett.

Im Gegenzug können Mitglieder ihren Gästen den Besuch der Play- arena kostenlos anbieten und dies aktiv bewerben - auch online. Interessenten stoßen bei der Suche nach kinderfreundlichen Destinationen auf die Playarena-Webseite und buchen gleich ein Quartier bei einem Mitgliedsbetrieb. "Mehr Mitglieder werden es nicht werden, aber für die, die dabei sind, zahlt es sich aus", sagt Stock.

Viele der übrigen Betriebe - Tux hat insgesamt 4800 Gästebetten - stehen dem Kinderparadies hingegen skeptisch gegenüber. Vor allem Viersternehotels, die eher auf ältere Gäste und Wellness setzen, fürchten, dass sie mit tobenden Kids und plärrenden Babys assoziiert werden könnten. Wohl auch deshalb findet sich auf www.tux.at, der Webseite des Tourismusverbandes Tux-Finkenberg, kaum ein Hinweis auf die Playarena.

Das Angebot der Playarena wird freilich auch von einem Outdoor-Programm abgerundet, das die Halle bei gutem Wetter zum Treffpunkt für kleine und große Kinder macht: Der Hintertuxer Gletscher ist dabei ein gefragter Spielplatz im Freien - Mountainbiken, Höhlenwandern, Rafting und Canyoning (mit Zusatzkosten) und eine Riesenschaukel über die 45 Meter tiefe Zemmschlucht ergänzen die Palette. Im Winter wird vor allem der Babysitterservice genutzt: Für 50 Euro am Tag können Eltern ihre Kleinsten von 9.30 bis 15.30 Uhr in die Playarena bringen und auf die Skipiste entfliehen.

Am späteren Nachmittag hilft die Halle zumeist älteren Kindern, die Zeit zwischen Skischule und Abendessen zu überbrücken. Die Zeit in der Playarena ist dann unabhängig vom Wetter schweißtreibend, vor allem wenn Sitzkissen im Kino für Polsterschlachten herhalten müssen. Und wenn die erschöpften Kids früh in die Federn fallen, dann bleibt den Eltern sogar noch ein ruhiger Abend. (Eric Frey/DER STANDARD/Printausgabe/4./5.10.2008)

Informationen:
www.playarena.at

  • Ebenso rar wie das Konzept der Playarena ist der Umstand, dass ein Tourismusverband einen Gletscher als Spielplatz im Freien anbieten kann.
    foto: tvb tux-finkenberg

    Ebenso rar wie das Konzept der Playarena ist der Umstand, dass ein Tourismusverband einen Gletscher als Spielplatz im Freien anbieten kann.

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