Husch, Pfusch, Tusch

28. September 2008, 13:00
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Frischer Most in Glasflaschen explodiert super, wenn man so blöd ist, die zuzustoppeln, weiß Ute Woltron

Zumindest in Ostösterreich kann man heuer von einem Apfeljahr sprechen. Die Birnen haben ein wenig ausgelassen, aber die Apfelmassen sind kaum zu deressen, weshalb man aus den überschüssigen Früchten zum Beispiel Most pressen kann.

Das ist sehr einfach, wenn man das richtige Werkzeug hat, weil auf das kommt es an: Ein gutes Werkzeug ist das halbe Leben, pflegten schon diejenigen zu murmeln, die Letzteres mit ihrer Hände Arbeit zu bewerkstelligen pflegten.

Neben ein bis zwei - oder auch mehr - möglichst kräftigen Kerlen und Kerlinnen braucht man also eine "Obstmühle", landläufig Obstreib'n genannt, sowie eine Obstpresse. Mit Ersterer werden die Früchte zu einer Maische zerhäckselt und erst dann in Letztere zum Zwecke des Pressens gefüllt, auf dass süßer Obstsaft in breitem Schwall in die Kübel schäume. Schmeckt genial. Besonders die Cuvée aus Apfel-Birne.

Volumsmäßigen Ausdehnung

Mit dem Most hat es aber folgende Bewandtnis: In ihm wüten Hefen und andere klitzekleine Organismen, und die produzieren nicht nur Alkohol, sondern gleichzeitig auch noch alle möglichen Gase, was - ohne kräftigen Gegendruck - zu einer unvermeidlichen volumsmäßigen Ausdehnung der gesamten Angelegenheit führt. Leute, die den Genuss von Bohnen nicht vertragen, kennen diesen Effekt unter Umständen aus einer anderen Perspektive, aber bleiben wir doch lieber beim Most per se.

Der gärt also, wenn man ihn lässt, und zwar ab der Sekunde seiner Entstehung. Weil aber wirklich nicht unbedingt in allem, was man in sich hineinkippt, Alkohol sein muss, gibt es verschiedene Methoden, den Gärungsprozess zu unterbinden, um den Süßmost zu konservieren. Außerdem: Stoppelt man eine Süßmostflasche wirklich dicht zu, hat man eine Bombe produziert, die lebensgefährlich sein kann. Eine explodierende Flasche katapultiert die Glasscherben zentimetertief ins Mauerwerk - also keine Experimente bitte!

Die beste Konservierungsmethode besteht darin, den Most zu pasteurisieren, sprich kurz zu erhitzen und dadurch die Keime möglichst gründlich ums Eck zu bringen. Die Mostbauern machen das zum Beispiel mit gewaltigen Tauchsiedern samt Thermostaten, die sie in kostspieligen Edelstahlfässern versenken, bei deren professionellem Anblick unsereiner feuchte Äuglein vor Begehren bekommt.

Ohne Gesabbere

Man kann sich auch mit sogenannten Druckfässern (ca. 50 Liter) begnügen, in denen der durch die Gärung aufgebaute Druck ebendiese stark verzögert - aber doch nicht ganz verhindert.

Die ideale Lösung für Schrebergarten- und Hobbymostpresser sind die großen 25- bis 30-Liter-Töpfe, die elektrisch betrieben werden, den Inhalt thermostatgeregelt auf die perfekte Temperatur erhitzen und noch dazu über Auslasshähne verfügen, mittels derer der Most einfach und ohne großes Gesabbere in Flaschen abgefüllt werden kann.

Man erspart sich mit diesen Gerätschaften übrigens auch im Frühling das Hollersaft-mit-Schöpfern-durch-Trichter-Abfüllen. Wie gesagt: Ein gutes Werkzeug ist das halbe Leben. Und als Stoppel unbedingt die roten Gummikappen verwenden, wie schon die Omi. Sicher ist sicher. (Ute Woltron/Der Standard/rondo/26/09/2008)

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    foto: der standard
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