Nur das Beste für das Volk

19. September 2008, 17:00
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Das Restaurant Esterházy im Eisenstädter Schloss wird nun von der Privatstiftung der Familie selbst betrieben - was unerhört soziale Auswirkungen auf die Weinkarte hat

Er hat Flair, der Platz unter den Säulenkolonnaden der Prunkstallungen, wo seit einigen Jahren ein Restaurant untergebracht ist: Man sitzt angenehm, hat die imperiale Kulisse des riesenhaften Schlosses gut im Blick und darf sich von einer aberwitzig zahlreichen Servicebrigade umsorgt fühlen - speziell seit der Neuübernahme vor einigen Wochen. "Richtig kleckern, statt bloß klotzen" scheint das Motto der Fürstenfamilie gewesen zu sein, als sie einst die Eisenstädter Dependance errichtete: Das Schloss hat derart imposante Ausmaße, dass der Rest der nunmehrigen Landeshauptstadt sich in der Relation wie ein verschreckt hingeducktes Dorf ausmacht. Fürsten halt.

Seit ein paar Wochen ist das zuvor verpachtete Restaurant unter den Fittichen der fürstlichen Privatstiftung, und auch hier hat die Familie ziemlich Großes vor: Die im Burgenland kolportierten "drei Hauben mindestens" werden zwar entrüstet dementiert. Mit Michal Rabina wurde jedoch nicht zufällig ein Mann zum Geschäftsführer gemacht, der als Koch bereits einmal (bei Mooslechner in Rust) für zwei Hauben gut war. Die soll er, wenn es nach den Betreibern geht, tunlichst auch im Esterházy holen.

Esterházy-Rostbraten - comme il faut

Bis dahin ist es freilich noch ein längerer Marsch - auch wenn sich das Essen phasenweise schon sehr ordentlich präsentiert. Die Terrine von Kohlrabi und roten Rüben etwa vereint die kräftigen Wurzeln auf elegante Weise. Warum der dazu versprochene Forellenkaviar separat auf ein pickelhartes Joghurtparfait gelöffelt wird - auf dass ihm alles Aroma abfriere - bleibt freilich rätselhaft. Zander aus Wildfang ist eine an der Haut gebratene Tranche mit hausgemachten, wenn auch eher zaghaft gewürzten Krautfleckerln und Paprika-Schalottencoulis. Dafür ist der von der ganzen (und schön medium rare gebratenen) Beiried geschnittene Esterházy-Rostbraten mit knusprigen Erdäpfeln und klassischem Wurzelrahm ganz comme il faut - eine gelungene Referenz an das gastronomische Erbe der Familie. Warum der Chef als Dessert den Ziegenfrischkäse mit Marillenchutney empfiehlt, bleibt freilich ein Rätsel - wenn Ersterer, statt wie versprochen mit Eisenkraut, mit Schnittlauch satt abgeschmeckt wird: als Jausenaufstrich okay, aber als Dessert von unzumutbarer Schlamperei.

Angesichts der Weinpreise sind das freilich vernachlässigbare Kinkerlitzchen: Nicht nur, dass die Weinkarte schon jetzt ("Die großen Bordeaux wie Pétrus kommen aber erst", so Rabina) ein prächtiges Kompendium der besten Burgenländer und sonstigen Österreicher sowie vieler internationaler Größen ist - sie ist auch derart zuvorkommend kalkuliert, dass man nur eine versteckte Sozialleistung der Fürstenfamilie an ihre Gäste vermuten kann. Der Unterschied zum Einkaufspreis spielt sich nämlich im vernachlässigbaren Bereich ab. Beispiele gefällig? Aber gern: Champagne Pol Roger Brut EURO 35, Riesling Heiligenstein Bründelmayer 2007 EURO 24, Pannobile Nittnaus 2006 EURO 26 - und so weiter und so fort. Oder, wenn es ein großer Burgunder ohne Aufpreis sein soll: Puligny Montrachet 1er Cru, Domaine Jadot 2006 EURO 43. Wenn sie's nur aushält, die Fürstin!(Severin Corti/Der Standard/rondo/19/09/2008)

Restaurant Esterházy
Esterházyplatz 5
7000 Eisenstadt
Tel.: 02682 / 62 819
Küche tägl. 11.30-22 Uhr
VS EURO 3-13 HS EURO 10-20 Menü (5 Gänge) EURO 50

 

Fotos: Gerhard Wasserbauer

  • Das Restaurant im Vorhof von Schloss Eisenstadt soll 2009 umgebaut und richtig aufwändig bekocht werden.
    foto: gerhard wasserbauer

    Das Restaurant im Vorhof von Schloss Eisenstadt soll 2009 umgebaut und richtig aufwändig bekocht werden.

  • Jetzt schon fantastisch: die Weinpreise!
    foto: gerhard wasserbauer

    Jetzt schon fantastisch: die Weinpreise!

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