Mehr Torso als Korso

12. September 2008, 17:00
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Nun ist das Korso also in neuen Händen - Das Essen aber wirkt altmodischer denn je: Schwerfälliger Luxus statt frischer Ideen und der angekündigten leichten Linie - Kommt da noch was?

Kurz vor Dienstantritt erklärte Gerald Angelmahr, dass er das mächtige Erbe von Vorgänger und Korso-Urgestein Reinhard Gerer mittels einer neuen, leichten Linie antreten wolle. Davon ist zwei Wochen nach dem Start nicht viel übriggeblieben - oder kommt da noch etwas?

Einstweilen wirkt die Speisekarte nämlich wie eine behäbige Auflistung traditioneller Luxusprodukte. Zwar darf sich das eine oder andere Gemüse in Form eines "Elixiers" oder einer "Fondue" auf die Teller schwindeln, im Wesentlichen aber wird auch im Korso "neu" dem tierischen Protein in möglichst großer Portion gehuldigt. Ganz so, als ob sich Luxus immer noch über viel Filet, Hummer oder Wolfsbarsch am Teller definierte. Dabei muss man längst nicht mehr über die Grenzen blicken, um zu bemerken, dass Fantasie und spielerische Freude am Umgang mit Gemüse und jenen Teilen des Tiers, die gemeinhin als die weniger Edlen gelten, inzwischen viel eher für außergewöhnliche Küchenfreuden stehen. Speziell was Letztere betrifft, hätte man sich wünschen wollen, dass gewisse Kontinuität zu Gerers legendären Beuscheln, Bruckfleischen und Gulaschs geübt wird.

Sparsama Fragmente

Stattdessen gibt es dicke, getauchte Jakobsmuscheln in fast schon beängstigender Portionsgröße, die üblichen Edelfischfilets von Huchen über Steinbutt bis zu Branzino (allerdings aus kapitalen Wildfang-exemplaren geschnitten) und Kalbsfilet - das neben Putenbrust wohl konturärmste Fleisch überhaupt. Da hilft auch nicht, es in diversen Präsentationsformen und überaus reichlich auf ein und demselben Teller zu präsentieren - speziell, wenn die dazu angekündigten Zucchiniblüten und Eierschwammerln nur als lächerlich sparsame Fragmente auszumachen sind.

Ähnlich die Erbsen, die zu einer Kombination aus Kalbsbries und Flusskrebsen (eh gut) angekündigt werden: Gezählte sechs Halbkugerln sind purer Hohn, speziell, wenn sie von so außerordentlicher Qualität sind wie die hier zerlegten. Warum nur, so die ratlose Frage, dürfen es zwar vier Krebse und fünf Bissen Bries, aber nur drei Erbsen sein?

Esprit und Könnerschaft

Dabei hatte die Entscheidung des Managements, Gerer einen gerade erst 27-Jährigen, weithin unbekannten Sous-Chef nachfolgen zu lassen, bemerkenswert mutig geschienen. Mittlerweile wirkt es eher so, als ob nach den fürs Management mühseligen Gerer-Jahren einfach ein pflegeleichter Jungspund kommen sollte, der das Korso wieder zu dem macht, was es in grauer Vorzeit schon einmal war: ein teures, ansonsten aber recht beliebiges Hotelrestaurant in Gehweite zur Staatsoper nämlich.

Dabei blitzt in einigen Gerichten durchaus Esprit und Könnerschaft auf. Bei einer dichten, samtig schwarzen Linsencreme etwa, die nur mit roher Gansleber und etwas Estragon akzentuiert wird. Oder beim Hummergratin mit Ofentomaten und Pasta aus der Mittagskarte, bei dem das Wort "altmodisch" plötzlich sehr verlockend klingen kann. Vielleicht muss man dem Mann nur mehr Freiraum wünschen - oder den Mut, ihn einzufordern! (Severin Corti/Der Standard/rondo/12/09/2008)

Korso
Mahlerstr. 2
1010 Wien
Tel.: 01/515 16-546
So-Fr 12-14 Mo-So 19-23 Uhr
VS EURO 12-29
HS EURO 35-39
Mittagsmenü (3 Gänge) EURO 43, Abendmenü (5 Gänge) EURO 82

Fotos:
Gerhard Wasserbauer

  • Luxus in Großportionen, Gemüse nur als Verzierung.
    foto: gerhard wasserbauer

    Luxus in Großportionen, Gemüse nur als Verzierung.

  • Soll das die neue Korso-Linie sein?
    foto: gerhard wasserbauer

    Soll das die neue Korso-Linie sein?

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