Espresso, was sonst?

6. September 2008, 17:00
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Lavazza bringt dieser Tage sein Kapselmaschinen-System "A Modo Mio" auf den Markt und will damit in erster Linie Nespresso an den Karren fahren

Giuseppe Lavazza erzählte über Design, Kaffeehäuser und natürlich seine Maschine.

DER STANDARD: Wie viel Kaffee haben Sie heute schon getrunken?

Giuseppe Lavazza: Nicht so viel, ich saß eigentlich die ganze Zeit im Flugzeug und den Kaffee, den sie dort anbieten, den trinke ich nicht. Da bevorzuge ich Tee. Aber in der Regel trinke ich acht bis zehn Espressi am Tag.


DER STANDARD: Wien gilt als die Stadt der Kaffeehäuser und doch muss man fast schon Glück haben, wenn man einen wirklich anständigen Kaffee will.

Lavazza: Machen Sie sich nichts daraus. Das ist in Italien dasselbe.


DER STANDARD: Aber so schlimm wird's doch nicht sein.

Lavazza: Doch, denn Espresso ist ein schwieriges Produkt. Man muss genau wissen, wo man einen wirklich guten bekommt. Also überrascht mich das nicht, dass es auch hier, in einer Gegend mit großer Kaffee-Tradition, so ist.


DER STANDARD: Und warum schlucken das die Gäste?

Lavazza: Es ist bestimmt eine Art Gewöhnungseffekt dabei. Viele wollen vielleicht auch nur die Atmosphäre eines Kaffeehauses genießen und der Rest ist ihnen egal. Für manche steht nur das Plaudern im Vordergrund. Das gilt auch für Italien.

DER STANDARD: Lassen Sie uns über Ihre neue Kapsel-Espresso-Maschine sprechen. Wie wollen Sie sich ein Stück des Kuchens holen, der bisher in erster Linie Nespresso gehört?

Lavazza: Wir wollen dem Kunden mit unserer Maschine authentische italienische Kaffeekultur bieten. Ich könnte jetzt viele Beispiele nennen und technische Aspekte des neuen Systems erklären. Wie lange es brauchen darf, bis das Wasser durch die Kapsel gedrückt wird, wie hoch der Schaum im Vergleich zum Kaffee sein darf etc. Es ist aber viel leichter, sich hinzusetzen und zu probieren. Wenn man den Unterschied nicht schmeckt, verschwenden wir alle unsere Zeit.

DER STANDARD: Und was haben Sie anstatt George Clooney zu bieten?

Lavazza: A Modo Mio bedeutet "mein Stil", nicht dein Stil, nicht sein Stil, nicht ihr Stil, nicht Hollywood – es geht uns um italienischen Espresso auf individuelle Art.


DER STANDARD: Kaffeemaschinen schauen heute oft aus wie kleine, klobige Plastikroboter mit unzähligen Knöpfen, Rädchen und einem Display. Fehlt nur noch die Computer-Maus zur Bedienung. Welche Rolle spielt das Design von Kaffeemaschinen?

Lavazza: Bei unserer Maschine ging es darum, in der Formensprache sehr italienisch zu sein.

DER STANDARD: Aber die Maschine kommt doch sehr im Retro-Look daher, erinnert ein wenig an ein Kofferradio aus den 60er-Jahren.

Lavazza: Das Design ist ganz bewusst so gewählt. Die 60er-Jahre waren für das italienische Design sehr wichtig. Auch der neue Fiat 500 hat uns diesbezüglich bestärkt. Der alte 500er ist eine italienische Legende. Das alles wollten wir einfangen. Wichtig beim Design ist mir vor allem aber auch die Einfachheit in der Bedienung.


DER STANDARD: Und was ist mit neuem italienischen Design. Gibt's denn da nichts? Wo ist der neue Castiglioni, der neue Sottsass?

Lavazza: Ich bitte Sie, wir haben Fabio Novembre und eine ganze Menge junger Talente. Italien ist doch bekannt für sein Design.


DER STANDARD: Ja, aber hauptsächlich für Design vergangener Tage.

Lavazza: Wir waren die Pioniere. Heute ist Design ein global village. Designer kommen heute aus Indien, aus Japan und Brasilien. Italien steht noch immer für viele Meister. Denken Sie an Michelangelo in der Malerei. Irgendwann gab es dann halt auch einen Warhol.


DER STANDARD: Aber Retro ist kein besonders mutiger Weg. Das Risiko, eine breite Schicht zu vergraulen ist halt geringer.

Lavazza: Das stimmt.


DER STANDARD: Apropos Vergangenheit: Für Freunde der guten Formgebung wird wohl die kleine Bialetti die schönste Kaffemaschine aller Zeiten bleiben. Was sagen Sie dazu?

Lavazza: Sie ist eine Ikone. Sie ist einfach unglaublich. Sie ist perfekt und das seit so vielen Jahrzehnten. Sie zeigt, dass im Kaffee eine Seele wohnt. Auch die Pavoni ist so eine Zeitmaschine, ein Monument, wie ein Rolls Royce.

DER STANDARD: Man sollte die Pavoni also am Regal stehen haben, und in der Küche Ihre Maschine verwenden?

Lavazza: Die A Modo Mio ist viel billiger als die Pavoni.

DER STANDARD: Aber die Bialetti ist viel billiger als die A Modo Mio.

Lavazza: Ja. Und da kommen wir zu einem sehr wichtigen Punkt. Die Bialetti in all ihrer Einfachheit unterstreicht, dass in Italien Kaffee ein Vergnügen für jeden ist. In Italien würde niemals jemand Kaffee als Luxus begreifen.

DER STANDARD: Das heißt, das Schönste, das Ihnen passieren könnte, wäre, wenn Ihre Maschine eines Tages den Platz der Bialetti einnehmen würde.

Lavazza: So ist es.

DER STANDARD: Der kleine klassische Kaffepot macht aber der Umwelt weniger Probleme. Wie denken Sie über den ganzen Mist, den die Kapseln verursachen?

Lavazza: Wir arbeiten sehr intensiv an Lösungen. Die Kosten für Recycling sind enorm, machen dieses eigentlich unmöglich. Alle big players suchen nach neuen Lösungen, die die Umwelt nicht belasten. Der richtige Weg liegt in einem Material für die Kapseln, das sich nach einer gewissen Zeit von selbst auflöst. (Michael Hausenblas/Der Standard/rondo/05/09/2008)

  • Die klassische Kanne von Bialetti bezeichnet Giuseppe Lavazza als perfekte Ikone. Ginge es nach ihm, sollte seine neue Maschine "A Modo Mio" eines Tages ihr Nachfolger werden.
    foto: hersteller

    Die klassische Kanne von Bialetti bezeichnet Giuseppe Lavazza als perfekte Ikone. Ginge es nach ihm, sollte seine neue Maschine "A Modo Mio" eines Tages ihr Nachfolger werden.

  • Nach Italien ist Österreich das zweite Land, in dem "A Modo Mio" auf den Markt kommt. Die Maschine mit geschlossenem System gibt es in zwei Modellen, entweder manuell (EURO 159) zu bedienen, oder mit elektronisch programmierbarer Füllmenge (EURO 199). Es gibt insgesamt nur drei Knöpfe, einen für einen größeren, einen für einen kleineren Kaffee, und einen für die Dampfdüse.
    foto: hersteller

    Nach Italien ist Österreich das zweite Land, in dem "A Modo Mio" auf den Markt kommt. Die Maschine mit geschlossenem System gibt es in zwei Modellen, entweder manuell (EURO 159) zu bedienen, oder mit elektronisch programmierbarer Füllmenge (EURO 199). Es gibt insgesamt nur drei Knöpfe, einen für einen größeren, einen für einen kleineren Kaffee, und einen für die Dampfdüse.

  • Lavazza wurde 1895 in Turin gegründet und ist heute in mehr als 80 Ländern vertreten. Giuseppe Lavazza wurde 1965 in Turin geboren und ist seit 2005 Marketing-Chef des Familienunternehmens.
    foto: hersteller

    Lavazza wurde 1895 in Turin gegründet und ist heute in mehr als 80 Ländern vertreten. Giuseppe Lavazza wurde 1965 in Turin geboren und ist seit 2005 Marketing-Chef des Familienunternehmens.

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