Espresso, was sonst?

6. September 2008, 17:00
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    Die klassische Kanne von Bialetti bezeichnet Giuseppe Lavazza als perfekte Ikone. Ginge es nach ihm, sollte seine neue Maschine "A Modo Mio" eines Tages ihr Nachfolger werden.

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    Nach Italien ist Österreich das zweite Land, in dem "A Modo Mio" auf den Markt kommt. Die Maschine mit geschlossenem System gibt es in zwei Modellen, entweder manuell (EURO 159) zu bedienen, oder mit elektronisch programmierbarer Füllmenge (EURO 199). Es gibt insgesamt nur drei Knöpfe, einen für einen größeren, einen für einen kleineren Kaffee, und einen für die Dampfdüse.

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    Lavazza wurde 1895 in Turin gegründet und ist heute in mehr als 80 Ländern vertreten. Giuseppe Lavazza wurde 1965 in Turin geboren und ist seit 2005 Marketing-Chef des Familienunternehmens.

Lavazza bringt dieser Tage sein Kapselmaschinen-System "A Modo Mio" auf den Markt und will damit in erster Linie Nespresso an den Karren fahren

Giuseppe Lavazza erzählte über Design, Kaffeehäuser und natürlich seine Maschine.

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DER STANDARD: Wie viel Kaffee haben Sie heute schon getrunken?

Giuseppe Lavazza: Nicht so viel, ich saß eigentlich die ganze Zeit im Flugzeug und den Kaffee, den sie dort anbieten, den trinke ich nicht. Da bevorzuge ich Tee. Aber in der Regel trinke ich acht bis zehn Espressi am Tag.


DER STANDARD: Wien gilt als die Stadt der Kaffeehäuser und doch muss man fast schon Glück haben, wenn man einen wirklich anständigen Kaffee will.

Lavazza: Machen Sie sich nichts daraus. Das ist in Italien dasselbe.


DER STANDARD: Aber so schlimm wird's doch nicht sein.

Lavazza: Doch, denn Espresso ist ein schwieriges Produkt. Man muss genau wissen, wo man einen wirklich guten bekommt. Also überrascht mich das nicht, dass es auch hier, in einer Gegend mit großer Kaffee-Tradition, so ist.


DER STANDARD: Und warum schlucken das die Gäste?

Lavazza: Es ist bestimmt eine Art Gewöhnungseffekt dabei. Viele wollen vielleicht auch nur die Atmosphäre eines Kaffeehauses genießen und der Rest ist ihnen egal. Für manche steht nur das Plaudern im Vordergrund. Das gilt auch für Italien.

DER STANDARD: Lassen Sie uns über Ihre neue Kapsel-Espresso-Maschine sprechen. Wie wollen Sie sich ein Stück des Kuchens holen, der bisher in erster Linie Nespresso gehört?

Lavazza: Wir wollen dem Kunden mit unserer Maschine authentische italienische Kaffeekultur bieten. Ich könnte jetzt viele Beispiele nennen und technische Aspekte des neuen Systems erklären. Wie lange es brauchen darf, bis das Wasser durch die Kapsel gedrückt wird, wie hoch der Schaum im Vergleich zum Kaffee sein darf etc. Es ist aber viel leichter, sich hinzusetzen und zu probieren. Wenn man den Unterschied nicht schmeckt, verschwenden wir alle unsere Zeit.

DER STANDARD: Und was haben Sie anstatt George Clooney zu bieten?

Lavazza: A Modo Mio bedeutet "mein Stil", nicht dein Stil, nicht sein Stil, nicht ihr Stil, nicht Hollywood - es geht uns um italienischen Espresso auf individuelle Art.


DER STANDARD: Kaffeemaschinen schauen heute oft aus wie kleine, klobige Plastikroboter mit unzähligen Knöpfen, Rädchen und einem Display. Fehlt nur noch die Computer-Maus zur Bedienung. Welche Rolle spielt das Design von Kaffeemaschinen?

Lavazza: Bei unserer Maschine ging es darum, in der Formensprache sehr italienisch zu sein.

DER STANDARD: Aber die Maschine kommt doch sehr im Retro-Look daher, erinnert ein wenig an ein Kofferradio aus den 60er-Jahren.

Lavazza: Das Design ist ganz bewusst so gewählt. Die 60er-Jahre waren für das italienische Design sehr wichtig. Auch der neue Fiat 500 hat uns diesbezüglich bestärkt. Der alte 500er ist eine italienische Legende. Das alles wollten wir einfangen. Wichtig beim Design ist mir vor allem aber auch die Einfachheit in der Bedienung.


DER STANDARD: Und was ist mit neuem italienischen Design. Gibt's denn da nichts? Wo ist der neue Castiglioni, der neue Sottsass?

Lavazza: Ich bitte Sie, wir haben Fabio Novembre und eine ganze Menge junger Talente. Italien ist doch bekannt für sein Design.


DER STANDARD: Ja, aber hauptsächlich für Design vergangener Tage.

Lavazza: Wir waren die Pioniere. Heute ist Design ein global village. Designer kommen heute aus Indien, aus Japan und Brasilien. Italien steht noch immer für viele Meister. Denken Sie an Michelangelo in der Malerei. Irgendwann gab es dann halt auch einen Warhol.


DER STANDARD: Aber Retro ist kein besonders mutiger Weg. Das Risiko, eine breite Schicht zu vergraulen ist halt geringer.

Lavazza: Das stimmt.


DER STANDARD: Apropos Vergangenheit: Für Freunde der guten Formgebung wird wohl die kleine Bialetti die schönste Kaffemaschine aller Zeiten bleiben. Was sagen Sie dazu?

Lavazza: Sie ist eine Ikone. Sie ist einfach unglaublich. Sie ist perfekt und das seit so vielen Jahrzehnten. Sie zeigt, dass im Kaffee eine Seele wohnt. Auch die Pavoni ist so eine Zeitmaschine, ein Monument, wie ein Rolls Royce.

DER STANDARD: Man sollte die Pavoni also am Regal stehen haben, und in der Küche Ihre Maschine verwenden?

Lavazza: Die A Modo Mio ist viel billiger als die Pavoni.

DER STANDARD: Aber die Bialetti ist viel billiger als die A Modo Mio.

Lavazza: Ja. Und da kommen wir zu einem sehr wichtigen Punkt. Die Bialetti in all ihrer Einfachheit unterstreicht, dass in Italien Kaffee ein Vergnügen für jeden ist. In Italien würde niemals jemand Kaffee als Luxus begreifen.

DER STANDARD: Das heißt, das Schönste, das Ihnen passieren könnte, wäre, wenn Ihre Maschine eines Tages den Platz der Bialetti einnehmen würde.

Lavazza: So ist es.

DER STANDARD: Der kleine klassische Kaffepot macht aber der Umwelt weniger Probleme. Wie denken Sie über den ganzen Mist, den die Kapseln verursachen?

Lavazza: Wir arbeiten sehr intensiv an Lösungen. Die Kosten für Recycling sind enorm, machen dieses eigentlich unmöglich. Alle big players suchen nach neuen Lösungen, die die Umwelt nicht belasten. Der richtige Weg liegt in einem Material für die Kapseln, das sich nach einer gewissen Zeit von selbst auflöst. (Michael Hausenblas/Der Standard/rondo/05/09/2008)

Kommentar posten
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Ludovico Settembrini
12
gratulation

diese interview unterscheidet sich erfrischend von vielen anderen. hier wurden wirklich gute, kritische fragen gestellt. sehr gut!

Ali Quis
01
corretto

Diese Kapsel- und Pads-"Espressi" sind nicht einmal durch Grappa korrigierbar!
Auch Ron y "Carlos" helfen da nichts.

Christoph Karl Steininger
02
Bioregradable Mahlkaffeebehältnisse gibt es schon!

Und zwar in Form von Pads. Leider hat sich dieser Standard aber nicht durchgesetzt. Noch nicht mal auf ein einheitliches Format für die Pads konnte man sich einigen.
In Italien hat man Pads mit einem Durchmesser von 4,5cm wohingegen in Deutschland einer von 7,1cm üblich ist.
Die Pads bestehen, wie Teebeutel, aus Hanffasern.

Thomas Höbelt
 
02
Schönes bla bla

im Endeffekt geht es halt nun auch bei Lavazza darum den Kaffee zum x-fachen Preis in homöopathischen dosen (Tabs) verkaufen zu können.

ubu roi
05

bialetti, so heißt das also. bitte, sicher kein espresso, aber ein sehr brauchbarer kaffee kommt da schon raus, und genau null verpackungsmüll. bevor ich mir meine halbe küche mit so einem vollautomaten, ders auch nicht besser kann, zuklotze, lieber das.

jumpingjack flash
00

die machen übrigens auch druckkochtöpfe die bialettis.
eine alternative ist eine billige espressomaschine (unsere z.b. 120€) mit metallfilterträger (bajonettverschluss) - da können sie dann erstens aus einer riesigen anzahl aus kaffeesorten auswählen - und auch kosten sparen.
mühle ist nicht nötig, weil den kaffee mahlt ihnen eh jedes gute geschäft, bzw. steht in jedem besseren supermarkt eine mühle herum.

ubu roi
00

seh ich auch so. bin sehr für alles mögliche gschistigschasti, aber nicht gleich nach dem aufstehen.

jumpingjack flash
01
10.9.2008, 10:38

das verursacht kaffee aber immer (kein vergleich zum tee!)
wie wird in den franz. haushalten eigentlich kaffee zubereitet? bialetti?

ubu roi
00
10.9.2008, 20:19

soweit ich das sehe, wie in ö, also unterschiedlich.
was die franzosen den ösis voraus haben: kenne in f niemanden, der nach dem essen einen verlängerten oder einen latte macchiato bestellen würde.

jumpingjack flash
00
11.9.2008, 08:53

was wär da so schlimm dran - wenns wem schmeckt, warum nicht?

ubu roi
00
11.9.2008, 08:55

unter dem motto geht alles. bitte, jeder auf seine art, ich wundere mich halt manchmal.

jumpingjack flash
01
11.9.2008, 09:09

ich trink fast gar keinen kaffee (bereite aber oft für andere einen zu) - vor bzw. nach dem essen schon gar nicht - aber wenn wer einen "braucht" wieso nicht.
ich brauch auch in der früh keine aufputschmittel - obwohl ich gern starken schwarzen tee trink kann ich den tag auch glücklich mit einer kanne kräutertee beginnen.
ps.: wie schon öfters besprochen - um in der früh aufs wc gehen zu können brauch ich persönlich auch keinen kaffee :-)

smuis
00
10.9.2008, 13:22

Mit der "french-press" (oder Bistro?). Eine Glaskanne mit Filter der nach unten gedrückt wird. Der Satz bleibt unten stehen. Kaffeesatz nachher einfach in den Biomüll.

ein Pixel kommt selten allein
00
12.3.2009, 16:34

Zufällig habe ich mir vor ein paar Tagen genau so ein Ding wieder gekauft: es braucht kaum Platz, ist einfach in der Handhabung, der Kaffee wird wirklich gut und man kommt wirklich sehr, sehr günstig davon :-)

ubu roi
00
10.9.2008, 20:18

percolateur.

jumpingjack flash
00
10.9.2008, 14:19

aja, hab ich schon wieder vergessen - die methode ist auch relativ simpel - sprich einfach und umweltschonend.

T. portentosum
00
10.9.2008, 13:29

Kaffeesud kompostieren oder direkt als z.B. Rosendünger!

Geht_nicht_gibts_nicht
21

mit sicherheit produziert lavazza besseren kaffee als der unnötige nestle konzern!!!
;)

Wieviel Demokratie ist es bitte?
13
Auch diese Erpressomaschine der Kapselmafia

kommt sofort auf meine sich kontinuierlich erweiternde Produktbannliste. Heute in die Rubrik: "die, die den Planeten (und vielleicht noch weitere) verkapseln wollen". Und wer aus meinem Umfeld das kauft, wird in der internen Friendslist, von "intelligent" nach "nur mäßig begabt, Class Pratermatura" zurückgestuft. Wer Kaffeesimulationen in Lauren Bacalls (Vgl. Bogarts Baby) alter Aluhandtasche (Vgl. Abbildung) anschwitzt, steht eh kurz vor dem "Access denied" Status.

jumpingjack flash
00
10.9.2008, 10:45

:-)
allerdings ist in espressoautomaten überall nur eine heizschlange zum wassererhitzen und eine pumpe drin.

Konradin
00

" ... in Lauren Bacalls (Vgl. Bogarts Baby) alter Aluhandtasche ..."


*lachmichtot*

jean-paul rastaman
10
Bialetti Brikka 2er

Nirgendwo ist das Preis Leistung Aufwand Verhältnis besser. Und stylisch ist eine Brikka am Gasherd ganz nebenbei als Draufgabe ;)
Weiterer Vorteil: der Kaffee muss nicht ganz so fein sein wie beim Siebträger und eine billige Mühle tut es auch. (zB vom Eduscho, Kaffee würde ich dort eher nicht kaufen)

jumpingjack flash
01

stimmt - bis auf den tschibo7eduscho - dort bekommen sie durchaus gute kaffees - z.b. milde arabicas (nach den spezialitäten fragen) - wenn sie aber kräftig (gall)bitteren kaffee lieben dann würd ich natürlich zu lavazza raten.

jean-paul rastaman
00

kräftigen kaffee mag ich, bitteren nicht
die brikka lässt aber meiner meinung nach sowieso mehr die säure als die bitterstoffe durchkommen

Florian Holzer
10

ja eh. nur einen mocca mit einem espresso zu vergleichen, ist etwa so sinnvoll wie audio-kasette und dvd. das sind einfach komplett unterschiedliche methoden mit komplett unterschiedlichem ergebnis. der bialetti-mocca liegt irgendwo zwischen französischem filter-kaffee und espresso.

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