Vom Fleck weg

5. September 2008, 17:00
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Die Sommerbräune schwindet, Pigmentflecken an Dekolleté, Handrücken und Beinen bleiben - Die gute Nachricht: Man kann sie erblassen lassen

Und wieder einmal konnten sich die meisten in den Sommerferien einfach nicht zurückhalten. Das Meer war blau, der Liegestuhl verführerisch, und Sonnenbaden gehört zum Urlaub wie Souvlaki zu Griechenland. Die gebetsmühlenartigen Warnungen der Dermatologen ("Südliche Sonne ist gefährlich, macht die Haut alt") wurden genauso wie ihre Mahnung ("Einschmieren, einschmieren, einschmieren!") in den Wind geschlagen.

Denn: Der Impuls, knackebraun und erholt nach Hause zurückzukehren, war einfach wieder einmal stärker, und selbst einen Sonnenbrand nahm man dafür in Kauf.

"Wow, bist du braun"

Vielleicht liegt es daran, dass Sonnenanbeter die wärmenden Sonnenstrahlen in Form gebräunter Haut mit nach Hause bringen wollen, vielleicht liegt es aber auch schlicht an der Lust am Kompliment. "Wow, bist du braun" ist der Satz, den jeder nach seinen Ferien wahrscheinlich am liebsten hört. Die Gegenprobe: "Dass du im Urlaub warst, sieht man dir aber nicht an. War schlechtes Wetter?" Auch das ganze Wissen darüber, dass die Sonne ganz maßgeblich für die Hautalterung verantwortlich ist, ist wie weggeblasen. Braune Haut ist für alle immer noch ein Schönheitsideal und tief im ästhetischen Gedächtnis eingebrannt.

Pigmentflecken sind ein Zeichen für zu viel Sonne, die UVA-Strahlen - also jene, die keinen Sonnenbrand verursachen - zerstören über die Jahre Melanozyten. Diese in der Basalschicht der Haut sitzenden Zellen sind für die Bildung von Melanin in der Haut zuständig. Sind sie intakt, verteilen sie den Hautfarbstoff gleichmäßig, sind sie geschädigt, produzieren sie unverhältnismäßig viel Melanin, das sich dann an die Hautoberfläche drängt. "Gegen schwere Altersflecken richtet man eigentlich nur wirklich etwas mit dem Rubin-Laser aus", sagt Markus Dawid, Vorstand der Dermatologie im SMZ Süd in Wien. Denn nur gebündeltes Licht kann in die tiefen Hautschichten vordringen und das Melanin dort "verdampfen". Der Fleck kehrt dann erst nach vier oder fünf Jahren wieder.

Vornehme Blässe als Schönheitsideal

Auch Fruchtsäure wirkt gegen Pigmentstörungen. In hohen Dosen darf sie zwar nur der Hautarzt anwenden, in geringeren Dosen tut sie aber auch in Kosmetikprodukten ihre Wirkung. Eine eigene Schiene haben sich die Hersteller in Form von Whitening-Cremen eröffnet, die besonders in den asiatischen Ländern stark nachgefragt werden. Weil sich dort die vornehme Blässe seit Jahrtausenden als Schönheitsideal gehalten hat, wird mit speziellen Wirkstoffen versucht, die Melaninproduktion zu drosseln. Und noch ein Mittel gibt es gegen Pigmentflecken: Hydrochinon, ein Bleichmittel, das wiederum nur von Dermatologen angewendet werden darf. Es verhindert, dass das in den Melanozyten gebildete Melanin in die Keratozyten, also die obersten Hautschichten weitergeleitet wird. Brandneu ist eine kosmetische Behandlung namens Hydra-Facial (bei Pure Day Spa in Wien, Tuchlauben 11), eine kristallfreie Diamant-Dermabrasion, die in Verbindung mit einem chemischen Peeling auch gegen Pigmentflecken erfolgreich eingesetzt wird.

Was Dermatologe Dawid ganz grundsätzlich ans Herz legt, ist UVA- und UVB-Sonnenschutz auch in der kühlen Jahreszeit. "UVA-Strahlen dringen auch durch Glasscheiben und greifen Hautzellen an", sagt er und empfiehlt Sonnencreme auch bei Autofahrten, denn Handrücken sind dort ganz besonders exponiert. Und wenn dort Altersflecken auftauchen, freut sich niemand. Denn: Wer will sich denn schon seine Handrücken schminken müssen. (Karin Pollack/Der Standard/rondo/05/09/2008)

 

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    Am Dalmatinerfell sind Pigmentflecken gewollt, auf der menschlichen Haut sind sie Zeichen des Alterungsprozesses. Schuld sind die UVA-Strahlen, mäßiges Sonnenbaden und Lichtschutz sind die beste Prophylaxe.

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