Nach 30 Jahren erste Luftbrücke für Westsahara-Flüchtlinge

Redaktion, 23. Februar 2004, 10:52

Marokkanische Besatzungsmacht stimmte UNHCR-Initiative zu

Genf - Das Flüchtlings-Hochkommisariat der Vereinten Nationen (UNHCR) wird erstmals seit dreißig Jahren Besuche von getrennt lebenden Familien in der von Marokko besetzten Westsahara und in algerischen Flüchtlingslagern ermöglichen. Das kündigte UNHCR-Sprecher Kris Janowski am Freitag in Genf an. In einer Art Luftbrücke sollen jeweils bis zu fünf Familien in die eine oder andere Richtung geflogen werden. Die Luftbrücke geht auf eine Vereinbarung zwischen Marokko, Algerien und der Befreiungsbewegung Polisario zurück, die die Exilregierung der Demokratischen Arabischen Republik Sahara (DARS) stellt.

Mit der vertrauensbildenden Maßnahme soll nach UNHCR-Angaben für die 165.000 Westsahara-Flüchtlinge, die in fünf Lagern um die westalgerische Stadt Tindouf leben, ein weiteres Stück Normalität einziehen. Erst im Jänner wurde eine Telefonverbindung eingerichtet.

Die Polisario ("Frente Popular para la Liberacion de Saguia el Hamra y Rio de Oro") hat dem Plan von UNO-Generalsekretär Kofi Annan zugestimmt, nach dem die vormals spanische Westsahara vorläufig unter marokkanischer Kontrolle bleiben, aber eine autonome Verwaltung erhalten soll. Nach fünf Jahren sollen die Bewohner in einem Selbstbestimmungs-Referendum über die Zukunft des Gebiets entscheiden. Die 1976 ausgerufene DARS wird von über achtzig Staaten anerkannt. Marokko besteht aber darauf, dass die spanische Ex-Kolonie einen "integralen Bestandteil" seines Staatsgebiets bildet.

Die Vereinten Nationen bemühen sich seit über einem Jahrzehnt um die Registrierung der Stimmberechtigten in der von den Marokkanern besetzten spanischen Ex-Kolonie. Mehr als 130.000 Menschen, die meisten von ihnen Siedler aus Marokko, hatten gegen den Ausschluss von der Abstimmungsberechtigung Einspruch eingelegt. Die Polisario hat Marokko vorgeworfen, die Eintragung von illegal angesiedelten Marokkanern in die Wählerlisten erzwingen zu wollen.

In langwierigen Verhandlungen unter Vermittlung des ehemaligen US-Außenministers James Baker hatten sich Marokko und die Polisario ursprünglich auf Richtlinien für ein Selbstbestimmungs-Referendum geeinigt. Der verstorbene marokkanische König Hassan II. hatte jedoch erklärt, er wolle die Westsahara als Teil seines Staatsgebiets behalten, gleichgültig ob das von der UNO geforderte Referendum, das schon 1992 hätte durchgeführt werden sollen, stattfinde oder nicht. In der Sicherheitsrats-Resolution 1429 war das Selbstbestimmungsrechts der Westsahara-Bevölkerung nochmals festgeschrieben worden. (APA/dpa)

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