TV mit Blütenblatt

9. April 2004, 16:29
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Man begibt sich leicht auf Irrwege, wenn Auszüge aus literarischen Werken mit Filmbildern illustriert werden ...

In der von uns sonst hoch geschätzten wochentäglichen 3Sat-kulturzeit wurde neulich ein Beitrag präsentiert, der eindrücklich vorführte, dass sich leicht auf Irrwege begibt, wer meint, Auszüge aus literarischen Werken mit eigens angefertigten Filmbildern illustrieren zu müssen.

Es ging um den Roman einer in Großbritannien lebenden chinesischen Autorin, welcher in der Volksrepublik China für Aufsehen, einen Prozess und eine öffentliche Entschuldigung sorgte. Ying Hong erzählt in "Die chinesische Geliebte" von der Beziehung zwischen einer verheirateten Chinesin und einem britischen Junggesellen. Die expliziten Beschreibungen dieser leidenschaftlichen Affäre - und der aktiven Rolle des weiblichen Parts - stießen nicht zuletzt deshalb auf erbitterten Einspruch, weil es für die fiktiven Helden reale Vorbilder gibt, deren Erben so viele intime Einblicke eher nicht so lustig fanden.

Umgekehrt lieferten diese nun - im generell zeigefreudigen Fernsehvorabend - auch noch den Anstoß zu in Weichzeichnermanier gehaltenen, vorsichtigen Illustrationsversuchen (wir sagen nur: David Hamilton, oder auch: The Joy of Sex). Vor metaphorischen Wundergebilden wie "ihre Schamlippen umschlossen sein Glied wie Lagen von Blütenblättern" mussten die innovativen Bildermacher aber zum Glück klein beigeben. (irr/DER STANDARD; Printausgabe, 21:722.2.2004)

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    Foto des Buchcovers ""Die chinesische Geliebte"

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