"Alarmierte" Willenserklärung

19. Juli 2004, 12:03
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UN-Konferenz: Das Artensterben soll bis zum Jahr 2010 aufgehalten werden - Kritik von Umweltschützern

Kuala Lumpur - Zum Abschluss der internationalen Artenschutzkonferenz in Malaysia haben Regierungsvertreter aus 100 Ländern am Donnerstag schärfere Maßnahmen zum Erhalt der Ökosysteme zugesichert. Sie zeigten sich in ihrer gemeinsamen Erklärung "alarmiert, dass die biologische Vielfalt auf Grund menschlicher Aktivitäten" rasant schwindet. Nach Schätzungen der UNO sterben jährlich mindestens 60.000 Tier- und Pflanzenarten aus.

Die Delegierten der siebten Weltkonferenz für biologische Vielfalt (CBD) in der malaysischen Hauptstadt Kuala Lumpur versprechen in ihrer Erklärung, das Artensterben bis zum Jahr 2010 aufzuhalten. Sie sichern effektivere Maßnahmen zum Schutz der Ökosysteme zu, die unter anderem von Industrialisierung, Abholzung und Überfischung bedroht werden.

Kritik

Umweltschützer kritisierten die Zusage als zu schwach und zu allgemein. "Nichts in der Erklärung wird der Dringlichkeit der Artenschutzziele gerecht", sagte Greenpeace-Sprecher Shane Rattenbury. Es fehlten unter anderen Zusagen der reichen Länder, Umweltschutzprogramme in Entwicklungsländern finanziell zu unterstützen, erklärte Rattenbury.

"Die Zukunft vieler bedrohter Tiere und Pflanzen steht weiter auf Messers Schneide", erklärte Greenpeace-Waldexperte Martin Kaiser in einer Aussendung am Freitag. "Was hier beschlossen wurde, ist eine gut gefüllte Werkzeugkiste zum Schutz der Arten. Wenn die Länder aber kein Geld auf den Tisch legen, bleibt die Kiste zu, dann sind die Beschlüsse wertlos."

Der deutsche Umweltminister Jürgen Trittin versicherte, den reichen Staaten sei klar, dass in den Entwicklungsländern mehr Geld für den Umweltschutz nötig sei. Die entsprechenden Projekte zu prüfen, brauche aber Zeit.

Weitere Gespräche vereinbart

Nach Kritik aus Afrika, Asien und Südamerika am Handel westlicher Unternehmen mit Pflanzen und Tieren aus armen Ländern verständigten sich die Teilnehmer der Konferenz auf weitere Gespräche. Die Entwicklungsländer haben die Industriestaaten zu einer faireren Verteilung der Gewinne aufgefordert, die im Westen zum Beispiel durch den Verkauf von Medikamenten aus exotischen Pflanzen erzielt werden. Die Industriestaaten, insbesondere die Europäische Union, haben sich bisher stets gegen die Aufstellung rechtlich verbindlicher Regeln hierzu gewehrt.

Zuletzt blockierte Kanada Fortschritte zum Artenschutz. Brasilien hatte seine Zustimmung zu einem verbindlichen Programm von Geldzusagen der Industrieländer abhängig gemacht. Die EU unterstützte zwar aktiv ein verbindliches Programm, bot aber keine Lösung zur Finanzierung.

Netzwerk soll eingerichtet werden

Erstmalig haben sich die CBD-Staaten auf die Einrichtung eines globalen Netzwerks von Schutzgebieten geeinigt: bis 2010 auf dem Land und bis 2012 in den Ozeanen. Dieses geplante Netzwerk könnte nach Ansicht von Greenpeace das Herzstück eines Programms sein, um Artensterben, Zerstörung der Urwälder und Plünderung der Meere zu bremsen. Bisher stehen formal zwölf Prozent der weltweiten Landfläche unter Schutz. Doch zwei Drittel davon werden so schlecht geführt, dass weiter Holz industriell eingeschlagen und seltene Tiere gejagt werden.

Zu den wichtigsten beschlossenen Maßnahmen gehört deshalb auch, den illegalen Holzeinschlag und den Handel mit illegal gefälltem Holz zu unterbinden. Erstmals soll nun auch die Hohe See, die 40 Prozent der Erdoberfläche umfasst, in die CBD-Beschlüsse einbezogen werden.

An der zweiwöchigen Konferenz nahmen mehr als 2.000 Regierungsvertreter, Umweltschützer und Wissenschafter teil. (APA/AP/red)

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    Die Regierungszusagen, den Artenverlust aufhalten zu wollen, wird von Umweltschützern als zu schwach und zu allgemein kritisiert.

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