Die besten Schweiz-Fonds

22. Februar 2005, 20:11
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Der Anstieg des ATX seit 2002 relativiert sich im langfristigen Bild: Seit 1993 stieg der Schweizer SPI-Index um das Doppelte - Welche Fonds konnten davon profitieren - Eine Analyse von e-fundresearch.com

Unbeachtet von der breiten Öffentlichkeit stiegen die Aktien Schweizer Unternehmen seit März 2003 gemessen am marktbreiten Swiss Performance Index (SPI) um beachtliche 51 Prozent. Sogar die in letzter Zeit boomende Wiener Börse kann da mit +57 Prozent nur mit Mühe mithalten.

Worauf ist diese Entwicklung zurückzuführen?

Die langfristig gute Performance - seit 1993 konnte der SPI durchschnittlich 13 Prozent pro Jahr erzielen und schlug damit nicht nur den S&P 500, die NASDAQ, den MSCI Europe oder den DAX - ist auf den defensiven Charakter der Schweizer Indexschwergewichte wie Novartis, Nestle, UBS oder Roche zurückzuführen, analysiert Werner Hohl, seit 1996 Fondsmanager des Capital Invest Swiss Stock. „75 Prozent des Marktes bestehen aus Titel in defensiven Sektoren wie Pharma, Finanz, Versicherungen und Nachrungsmittel“, ergänzt Orun Palit, Manager des AIG Equity Fund Switzerland.

Trotzdem führte dieser defensive Charakter aber nicht dazu, dass Schweizer Aktien im Aufschwung underperformten: „Ein Sachverhalt, der auf den ersten Blick komisch erscheint und erst beim näheren Hinsehen klar wird da viele Titel aus der zweiten Reihe erfolgreiche Zykliker, etwa Technologieunternehmen, sind“, erklärt Hohl weiter.

Top-Fonds auf 5-Jahres-Sicht

Welche Fonds konnten nun aber sowohl lang- als auch kurzfristig am besten von diesen Entwicklungen profitieren? Gemessen an der risikoadjustierten Rendite (Sharpe Ratio) der letzten fünf Jahre liegt der Schroder ISF Swiss Equity vorn. Dann folgt der Fidelity Funds - Switzerland vor dem Capital Invest Swiss Stock, dem DWS Zürich Invest Aktien Schweiz und dem AIG Equity Fund Switzerland.

Stefan Frischknecht, seit 1999 Manager des Schroder ISF Swiss Equity, konnte vor allem durch sein relativ hohes Gewicht von Small- und Mid-Caps - die den zyklischen Gegenpol zu den defensiven Big Caps darstellen - Outperformance generieren. Besonders seine Übergewichtung im Technologie- und Healthcarebereich sowie Einzeltitelentscheidungen bei Temenos (Bankensoftware) oder beim Modehaus Charles Vögele verhalfen ihm im jüngsten Aufschwung zu guten Erträgen. Auch 2004 bleibt er bei seiner Strategie: „Der Fonds ist im Moment eher zyklisch positioniert und wir denken, dass vor allem Small Caps relativ attraktiv bewertet sind da sie ein tieferes prospektives KGV jedoch höheres erwartetes Wachstum aufweisen“, so Frischknecht.

Auch der vom Finnen Jorma Korhonen in London verwaltete Fidelity Funds - Switzerland setzt stark auf kleinere Titel: Der Anteil von Blue Chips über 10 Mrd. CHF etwa betrug per Jahresende nur 52 Prozent. „Wir verfolgen einen sehr aktiven Investmentstil“, so Korhonen. Einen konjunkturellen Ausblick will er nicht wagen: „Ich konzentriere mich lieber auf das was ich am Besten kann: Aktien auswählen“. Besonders seit Jahresanfang scheint ihm das auch sehr gut gelungen zu sein: Mit +7,5 Prozent liegt er an der Spitze der Schweiz-Aktienfonds. „Dafür war vor allem das Übergewicht bei ausgewählten Halbleiter-Titeln und das Untergewicht von Novartis verantwortlich“, erklärt Korhonen.

Der von Werner Hohl in Wien verwaltet Capital Invest Swiss Stock, setzt auch zu etwa 40 Prozent auf Titel der zweiten und dritten Reihe. "Der Schweizer Aktienmarkt kann aufgrund der hohen Gewichtung einzelner Indexschwergewichte nicht nachgebildet werden", schildert er die Problematik, welche Österreich-Fondsmanagern nicht unbekannt sein dürfte. "Anstatt mit Derivaten den Index künstlich nachzubilden, habe ich mich dazu entschieden selektiv kleinere Titel beizumischen", so der Growth-Fondsmanager. Für den weiteren Kursverlauf gibt er sich verhalten optimistisch: "Die Schweizer selbst geben sich sehr zurückhaltend, weil der Markt schon stark gestiegen ist. Meiner Meinung nach ist der Markt aber noch nicht teuer und es besteht noch einiges an Potential", prognostiziert Hohl, der ansonst weniger den Markt sondern eher Einzeltitel betrachtet.

Optimistischer gibt sich da schon Orun Palit vom AIG Equity Fund Switzerland: "Wenn 2004 die Zinsen angehoben werden, profitiert der Schweizer Markt aufgrund seines defensiven Charakters. Zudem gibt es verschiedene Anzeichen, dass sich die institutionellen Investoren vermehrt im Markt engagieren. Außerdem verfügt die Schweizer Börse über Nachholpotential: Im Jahre 2003 ist sie hinter der Entwicklung der meisten größeren europäischen Börsenplätzen zurückgeblieben." Er rechnet daher mit einem positiven Aktienjahr, das rund 10-15 Prozent an Ertrag bringen sollte. Die leichte Outperformance des letzten Jahres, der Fonds legte seit März 2003 um 56 Prozent zu, der SPI nur um 51, führt er auf den relativ hohen Anteil von 25-30 Prozent an kleinkapitalisierten, meist zyklischen Aktien zurück. Im SPI sind diese nur mit 14 Prozent enthalten. Derzeit hat Palit, der bei AIG auch Analyst für europäische Pharmawerte ist, Industriewerte und Technologie übergewichtet. Auf die Erholung der asiatischen Länder setzt er weiters durch Investments in Schweizer Luxusgüterhersteller wie Swatch.

Fondsmanager: Standortnachteil Schweiz?

Auf den ersten Blick auffallend: Viele Fonds werden von ausländischen Fondsgesellschaften und Fondsmanagern mit Sitz außerhalb der Schweiz verwaltet. „Der Standortvorteil als Fondsmanager fällt aufgrund der Internationalität der Schweizer Firmen eigentlich weg, ganz im Gegenteil etwa zu Wien. Darüber hinaus ist die emotionale Bindung ausländischer Manager an einzelne Titel, Stichwort Swissair, geringer als bei lokalen Managern“, schildert Hohl.

Fazit

Unter der Vielzahl von Schweiz-Aktienfonds stechen fünf Produkte, je nach Marktrichtung, positiv hervor: Den Abwärtstrend der Jahre 2000 bis 2003 überstand der DWS Zürich Invest Aktien Schweiz und der AIG Equity Find Switzerland mit rund -50 Prozent noch relativ glimpflich. In der aktuellen Aufwärtsbewegung seit März 2003 stachen dagegen der Fidelity Switzerland (+71 Prozent), Schroder Swiss Equity (+63 Prozent) und Capital Invest Swiss Stock (+64 Prozent) positiv hervor. Gerade diese Fonds aber verloren, aufgrund ihrer höheren Mid- und Small-Cap Gewichtung, viel stärker in der vorherigen Baisse. Weiteres Merkmal von Schweiz-Fonds: Große Fonds, mit einem Volumen von über 500 Mio. Euro, büßen an Performance ein, da hier ein effizientes Investment in Nebenwerte kaum mehr möglich ist. Beispiele sind etwa der UBS Switzerland (2,6 Mrd. Euro an Fondsvolumen) oder der Credit Suisse Equity Swiss Blue Chips (1,4 Mrd. Euro).

Performancedaten per 13.2.2004 in Euro / Datenquelle: Lipper

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