Goldene Geschäfte mit Singles

28. April 2004, 14:01
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Hätte der Kanadier Bruce Croxon seine Ehefrau übers Internet kennen gelernt, besäße er ein unschlagbares Marketingargument für seine Lavalife Inc., die zu den größten und erfolgreichsten Internet-Partnerbörsen in Nordamerika zählt

"Diese Art des Kennenlernens hat ihr Stigma völlig verloren", sagt Croxon, Mitgründer, Mitbesitzer und CEO von Lavalife. "Es geht hier um eine Annehmlichkeit, nicht um eine Notlage." Heute, so betont der 42-Jährige, sei es in Nordamerika sogar cool zu sagen, man habe jemanden übers Internet getroffen.

Lavalife ist nicht, wie etwa der US-Branchenführer Match.com Inc., vor allem auf die Eheschließung ausgerichtet. Die Internetseite www. lavalife.com bedient auch Kunden, die lockere Verbindungen wollen, und bietet einen Kontaktservice für Schwule und Lesben an. "Wir sind keine Moralisten", sagt Croxon, ein studierter Ökonom, der als junger Mann in der Wiederaufforstung der kanadischen Wälder arbeitete und zwei Jahre in Thailand lebte. Der Markt für die Internet-Partnervermittlung ist riesig: Nach Schätzungen sind rund 95 Mio. Nordamerikaner allein stehend, und die Hälfte davon soll aktiv nach Beziehungen Ausschau halten.

Guter Ausblick

Von allen Internetaktivitäten, mit Ausnahme von Pornografie und Glücksspiel, erzeugt heute die technologisch unterstützte Beziehungsstiftung am meisten Umsatz. Nach Angaben der Online Publishers Association (Vereinigung der Internet-Medienhäuser) in New York stieg der Umsatz im Geschäft der Kontaktvermittlung übers Internet in den USA um 320 Prozent von rund 64 Millionen Euro im Jahr 2001 auf rund 274 Millionen Euro im Jahr 2002. Das ist ein doppelt so starker Anstieg als beim allgemeinen Umsatz von Internetinhalten an Konsumenten in den USA, der im Jahr 2002 auf rund 1,2 Milliarden Euro zunahm. Im ersten Halbjahr 2003 stieg der Umsatz im Bereich persönliche Anzeigen/Kontaktvermittlung im Internet in den USA im Vergleich zur Vorjahresperiode nochmals um 76 Prozent.

Dass hier eine mögliche Goldader ruht, realisierte Croxon, als er vor 16 Jahren einen Telefonservice verkaufte, auf dem Benützer beispielsweise Listen von Restaurants und andere Informationen abhören konnten. Doch die meisten Kunden wählten eine zusätzliche Option des Dienstes, auf der sie live mit anderen Anrufern sprechen konnten.

Cyberspace-Romantik

Kontakte mit ihrer Spezies waren es also, die die Menschen wollten. So konzentrierte sich Croxons 1987 gegründete Firma auf die Vermittlung von Begegnungen übers Telefon. 1995 folgte das Internetgeschäft. Obwohl die meisten Lavalife-Mitglieder zwischen 25 und 35 Jahre alt sind, holen die Jüngeren im Romantikgeschäft des Cyberspace schnell auf. Denn für sie ist das Leben mit dem Internet eine Selbstverständlichkeit. Daher sind die 19- bis 25-Jährigen die am stärksten wachsende Gruppe von Lavalife, was Bruce Croxon nicht verwundert: "Wir verkuppeln nicht einfach Leute", sagt er, "wir bilden soziale Gemeinschaften für Singles."

Das ist ein großes Wort, aber der Erfolg gibt ihm Recht. Lav- alife erwirtschaftet heute 70 Prozent des Umsatzes von insgesamt mehr als 66 Millionen Euro in den USA. Laut Croxon betrug der jährliche Umsatzzuwachs in den vergangenen vier Jahren rund 100 Prozent. "Seit 16 Jahren machen wir Gewinn", versichert er.

1997 konnte sich der Kanadier vorübergehend aus dem Geschäft zurückziehen und seine freien Tage mit Skifahren und als Investor verbringen. Zwei Jahre später zog es Croxon jedoch wieder in die Firma zurück, die auch in Australien, Singapur und Thailand aktiv ist und 325 Leute beschäftigt. Jetzt steht die Expansion in 20 europäische Länder, darunter auch Österreich, bevor.

Die Unterschiede

"Wir verhandeln gerade mit einer internationalen Internetgruppe und werden bald eine Partnerschaft bilden", verrät Croxon. Das Bedürfnis nach Liebe und Partnerschaft mag zwar "universell" sein, aber Croxon berichtet von Unterschieden zwischen den Geschlechtern: "Frauen suchen Qualität und Männer Quantität. Bilder sind für Männer wichtig, für Frauen ist es mehr die Stimme."

Deshalb kann man bei Lav- alife auch akustisch mit aufgezeichneten Botschaften auf Tuchfühlung gehen. Der Chef von Lavalife hat - wie gesagt - seine Ehefrau ohne Hightech-Hilfe getroffen. Seine freien Stunden verbringt er auch nicht am PC, sondern mit seinem kleinen Sohn.

Aber der gut aussehende Croxon weiß um die Ironie, die im Liebesmarkt der neuen Technologien steckt: "Die Wahl eines Partners ist immer schwierig", sagt er, "aber mit der großen Auswahl an potenziellen Kandidaten im Internet wird die Entscheidung noch härter." Es könnte ja immer noch etwas Besseres daherkommen. (Bernadette Calonego, DER STANDARD, Printausgabe, 14./15.2.2004)

  • Croxons höchst erfolgreiche Lavalife ist auf terrestrischem Expansionstrip und wird demnächst auch österreichischen Singles per Mausklick zu Partnern verhelfen
    foto: lavalife

    Croxons höchst erfolgreiche Lavalife ist auf terrestrischem Expansionstrip und wird demnächst auch österreichischen Singles per Mausklick zu Partnern verhelfen

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