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21. April 2004, 16:18
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Eric Frey über die wirklichen Probleme der europäischen Wirtschaft

Die gute Nachricht ist, dass die Wirtschaft Europas - und damit auch Österreichs - heuer wieder stärker wächst. Die schlechte ist, dass die Konjunktur in den USA und sogar in dem seit Jahren ökonomisch anämischen Japan deutlich besser läuft.

Grundsätzlich ist dies kein Problem: Die internationale Wirtschaft ist kein Nullsummenspiel, wo der Gewinn des einen auf Kosten des anderen geht, sondern ein Netz gegenseitiger Verflechtungen. Der stärkste Wachstumsimpuls für die EU ist derzeit der Aufschwung in den USA.

Dessen Stärke geht vor allem auf ein explodierendes Budgetdefizit und historisch niedrige Zinsen zurück. Beides hat seinen Preis: Der von George W. Bush hinterlassene Schuldenberg muss eines Tages zurückgezahlt werden, und die lockere Geldpolitik der US-Notenbank nährt die nächste Spekulationsblase - diesmal im Immobilienmarkt - und könnte der Inflation wieder Auftrieb geben.

Die japanische Wirtschaft wiederum hat nach einem Jahrzehnt der Stagnation massiven Aufholbedarf. Die Strukturprobleme des Landes, vor allem im Bankensektor, bleiben allerdings ungelöst.

Europas Probleme liegen nicht in der Wachstumsrate, die für Österreich laut Wifo-Prognose für die kommenden fünf Jahre bei 2,3 Prozent liegt. Für ein Land mit stagnierender Bevölkerung ist dies ein angemessener Wert.

Wenn in einer solchen Konjunkturlage nicht genügend Jobs zur Verringerung der Arbeitslosigkeit geschaffen werden, wie es Experten behaupten, dann liegt das vor allem an steuerlichen Belastungen - Stichwort Lohnnebenkosten - und fehlenden Unternehmensgründungen.

Auch ein höheres Budgetdefizit, eine kleine Zinssenkung der EU-Zentralbank oder ein Rückgang des Eurokurses würden den Wachstumsmotor kaum weiter ankurbeln. (DER STANDARD Printausgabe, 19.02.2004)

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