Türkisch-Nordzypern

13. Juni 2006, 12:13
3 Postings

Separatstaat ohne völkerrechtliche Existenz - Wirtschaftlich am Boden

Ankara - Die "Türkische Republik Nordzypern" (KKTC), deren Anspruch auf internationale Anerkennung die Wiedervereinigung der geteilten Insel bisher verhindert hat, besitzt keine völkerrechtliche Existenz. Nur die Türkei, deren Truppen im Sommer 1974 auf Zypern landeten und den Norden besetzten, erkennt das Gebilde an, auf dessen 3355 qkm großen Territorium mehr als 100.000 Festland-Türken unter dem Schutz von zeitweise bis zu 40.000 türkischen Soldaten angesiedelt wurden.

Nach den offiziellen Zahlen von 1998 sind 114.000 der knapp 200.000 Einwohner anatolische Neusiedler. 200.000 griechische Zyprioten wurden 1974 aus dem besetzten Norden vertrieben. Mit der Türkei hat der 1983 ausgerufene Separatstaat 1997 ein "Integrationsabkommen" geschlossen.

Die Administration des türkisch-zypriotischen Volksgruppenführer Rauf Denktas, der in den Präsidentenwahlen vom April 2000 im Amt bestätigt wurde, hat ihren Sitz in Lefkosa, dem türkischen Sektor der geteilten Inselhauptstadt Nikosia. 2.000 UNO-Friedenssoldaten überwachen die 180 Kilometer lange Demarkationslinie (die österreichische Beteiligung an der UNFICYP endete 2001).

Industrie und Transportwesen Nordzyperns sind unterentwickelt, die Wirtschaft liegt am Boden. Das Pro-Kopf-Einkommen beträgt weniger als 4500 Dollar im Jahr (im griechisch-zypriotischen Inselteil über 17.000). Im Jahr 2000 erschütterte eine katastrophale Bankenpleite, von der mehr als 30.000 Menschen betroffen waren, den Marionettenstaat, es kam zu blutigen Ausschreitungen. Ein harter Schlag für die Wirtschaft war die Entscheidung des Europäischen Gerichtshofes, nordzypriotische Ausfuhrpapiere in der Europäischen Union nicht anzuerkennen. Der Export landwirtschaftlicher Produkte - vor allem Zitrusfrüchte und Kartoffel - kam vollständig zum Erliegen, im Textilbereich gingen die Ausfuhren um die Hälfte zurück. (APA)

Share if you care.