Light-Version als Kompromiss zur Harmonisierung

1. April 2004, 17:02
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Sonderregel für Sandwich-Jahre zwischen 35 und 55 möglich

Die "reine Lehre" zur Pensionsharmonisierung unterscheidet zwei Modelle, von denen offenbar keines kompromisstauglich ist. Daher dürfte bei der Vereinheitlichung der Pensionssysteme ein Mischmodell entstehen.

Basis für die Rechenmodelle ist die Formel 65-45-80: Bei Pensionsantritt mit 65 beträgt die Pension nach 45 Beitragsjahren 80 Prozent des Lebensdurchschnittseinkommens:

  • Stichtagsregelung: Alle Versicherten, egal ob Angestellte, Arbeiter, Beamte, Bauern oder Selbstständige, würden mit einem Schlag ins neue, einheitliche Pensionssystem übergeführt. Befürworter: FPÖ, Opposition, ÖGB, Arbeiterkammer.

  • Jahrgangsregelung: Dabei würden sich alle heute unter 35-Jährigen bei ihrem Pensionsantritt in einem einheitlichen System wiederfinden – also in 30 Jahren. Die ÖVP und vor allem die Beamten treten für den im Altersgrenzenmodell implizierten zeitlichen Aufschub der Harmonisierung ein.

  • Sandwich-Modell: Als möglicher Kompromiss, der einen Ausweg aus den verfahrenen Verhandlungen weisen könnte, wurde zuletzt ein Modell – quasi eine "Harmonisierung light" – kolportiert, das die Altersgruppe 55+ im alten System lassen, die unter 35-Jährigen per Stichtag harmonisieren und die Jahrgänge dazwischen mit Übergangsregelungen sanft in das einheitliche System überführen soll.

    Die Präferenzen der Experten differieren: Der Chef des Instituts für Höhere Studien (IHS), Bernhard Felderer, äußert im STANDARD-Gespräch Sympathie für das Mischmodell: "Das halte ich für nicht unvernünftig." Ältere – Felderer spricht von 50- oder 55-Jährigen – müssten anders behandelt werden, da ihre "Vorsorgemöglichkeiten" eingeschränkt seien. Sie würde er im alten System lassen, die Jahrgänge darunter mit Übergangsregelungen ins neue überführen – nach einer "gewissen Übergangsfrist per Stichtag". Anderenfalls befürchte er "große Probleme", sagt Felderer.

    Anders sein Kollege vom Wirtschaftsforschungsinstitut (Wifo), Pensionsexperte Alois Guger, der für den Stichtag eintritt: "Möglichst rasch, Anfang 2005, sollen alle Versicherten unter Erhalt ihrer bisher erworbenen Anwartschaften ins neue System wechseln." Das hätte zwei große Vorteile: "Man müsste nicht jahrzehntelang Parallelsysteme rechnen und Junge hätten eine klare Pensionsperspektive." (Lisa Nimmervoll/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 19.2.2004)

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