Letzter Brief bei Begräbnis verlesen

5. Mai 2005, 20:06
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"Habe Fehler gemacht, doch mein sportliches und privates Leben ist verletzt worden" - Ermittlungen laufen derzeit auf Hochtouren

Rom - Zu ergreifenden Momenten ist es am Mittwoch bei der Trauerzeremonie des italienischen Radstars Marco Pantani in seiner Heimatstadt Cesenatico gekommen. Die Managerin des Radstars, Manuela Ronchi, verlas einen Brief, den Pantani seiner Familie hinterlassen hatte. "Vier Jahre lang war ich in allen Gerichtssälen. Ich habe die Lust verloren, wie die anderen Sportler zu sein. Der Radsport hat einen hohen Preis bezahlt, doch viele Jugendliche haben ihr Vertrauen in die Justiz verloren", hieß es im Brief, den Ronchi mit gebrochener Stimme vorlas.

Im Brief betonte Pantani, dass er Fehler begangen habe, sein sportliches und privates Leben sei jedoch durch die Justizermittlungen wegen Dopings schwer angegriffen worden. Dabei habe er sein Leben für den Radsport geopfert. Nach schweren Unfällen und Verletzungen habe er im Namen des Radsports immer die Kraft gehabt, weiterzufahren. "Meine Geschichte soll als Beispiel für die anderen Sportler dienen. Regeln sind in Ordnung, sie müssen aber für alle gelten", betonte Pantani in dem Schreiben.

"Ich fühle mich verletzt"

"Ich bin kein falscher Mensch, ich fühle mich verletzt und alle Kollegen, die an mich glaubten, sollten sprechen", hieß es weiter. Im Brief schrieb Pantani auch über seine Erfahrung mit Drogen. "Ihr solltet alle sehen, was ein Radfahrer ist und wie viele Menschen durch die Einsamkeit wandern, um Träume wiederzufinden, die mit Drogen zusammenbrechen", schrieb der 34-Jährige.

Ein Kilometer langer Strom von Menschen begleitete den Sarg und die Familienangehörigen des Radstars bis zum Friedhof, wo Pantani neben seinem Großvater beerdigt wurde. Pantanis Mutter Tonina stützte sich auf einige Freunde ihres Sohnes, um den Friedhof zu erreichen. Verteilt wurden gelbe Kopftücher, wie sie der Radprofi, der deshalb den Beinamen "Pirat" erhalten hatte, immer trug. "Pirat, du wirst in unseren Herzen weiterleben", hieß es auf dem Spruchband eines Tränen überströmten Pantani-Fans.

Staatsanwälte untersuchen

Die Staatsanwälte von Rimini haben unterdessen Ermittlungen gegen Unbekannte aufgenommen, um nachzugehen, wer in der lokalen Drogenszene dem am Samstag tot aufgefundenen Radstar Marco Pantani Kokain verkauft haben könnte. Die Ermittler schließen nicht aus, dass Pantani kurz vor seinem Tod in einem Hotelzimmer von Rimini Kokain und daraufhin Anti-Depressiva und andere Medikamente eingenommen haben könnte. Die Mischung könnte die Ursache des Hirn- und Lungenödems sein, an dem der Italiener gestorben sei, hieß es aus Ermittlerkreisen in Rimini.

In Pantanis Appartement im Hotel "Le Rose" in Rimini hatten die Ermittler auf einem Tisch weißes Pulver gefunden. Sie wollten jedoch nicht bekannt geben, ob die Substanz Kokain sei. Sie warten auf die Ergebnisse der chemischen Analysen, die feststellen sollen, ob Pantani vor seinem Tod Drogen eingenommen hatte.

Sucht war kein Geheimnnis

Die Kokain-Abhängigkeit des Giro- und Tour-de-France-Siegers war für seine Freunde kein Geheimnis. Einige Freunde hatten sogar Kontakte mit den Drogendealern aufgenommen, die Pantani belieferten. "Wir hatten Geld gesammelt und es den Dealern gegeben, in der Hoffnung, sie würden Marco in Ruhe lassen", berichtete ein Ex-Schulkollege des Kletterspezialisten, Mario Pugliese. Vergebens hatten sich Pantanis Familienangehörige und Freunde bemüht, ihn von der Drogenszene fern zu halten. (APA)

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    Marco Pantani in der Aufbahrungshalle.

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    Das gelbe Kopftuch, Pantanis Markenzeichen.

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