"Man sollte das nicht noch einmal aufrollen"

Claus Philipp, 18. Februar 2004, 09:28

Bund gibt vorerst 385.000 Euro Unkosten für die abgesagte "Morakonale" zu

Wien - Neuigkeiten in Sachen Diagonale lieferte gestern, Dienstag, Kunststaatssekretär Franz Morak. Zum einen mit der Jubelmeldung, die "originale" Diagonale erhalte - nach ausführlichen Gesprächen mit den heimischen Filmschaffenden - ab April dieses Jahres Förderung durch den Bund: zur "Weiterführung der Struktur und Vorbereitung des Festivals 2005".

Morak begrüße, dass die Diagonale-Intendanz vom Trägerverein Forum österreichischer Film ausgeschrieben und von dem von der Filmbranche besetzten, unabhängigen Diagonale-Beirat für drei Jahre bestellt wird. Für die heurige Ausgabe des Festivals bleibt der Kunststaatssekretär indes bei seiner Subventionsabsage: Dadurch wird die Diagonale heuer mit etwa 500.000 Euro ihr Auslangen finden müssen.

Meldung Nummer zwei, die - ohne Absprache mit den Filmschaffenden - etwas später die Medien erreichte: Auf rund 385.000 Euro dürften sich nach Angaben von Franz Moraks Sprecherin Katharina Stourzh die Anlaufkosten für die abgesagte und somit nie stattgefunden habende "Morakonale" unter der Leitung von Tillmann Fuchs und Miroljub Vuckovic belaufen. 260.000 Euro seien noch für die Liquidation des Vereins erforderlich, 125.000 Euro seien im Herbst überwiesen worden. Die definitive Abrechnung liege Anfang März vor.

Wofür die bisher noch nicht verbrauchten, für das diesjährige Festival vorgesehen gewesenen Subventionen verwendet werden, konnte Stourzh nicht sagen: "Es wird in Projekte fließen." Derzeit führt das Diagonale-Team Gespräche über eine weitere Nutzung der Büroräume von Fuchs und Vuckovic (was übrigens helfen dürfte, den zuerst kolportierten Schaden von 500.000 Euro zu begrenzen), wie der Produzent Alexander Dumreicher-Ivanceanu als Mitinitiator bestätigte. Dem STANDARD gegenüber gab er sich über das Ausmaß der verschwendeten Gelder höchst irritiert.

Kurt Mayer vom Dachverband der Filmschaffenden meinte wiederum lapidar: "Es wäre eine faire Geste, wenn die übrig gebliebenen Gelder ihrer eigentlichen Bestimmung - einem Festival des heimischen Films - zufließen würden." Dies schließt Morak-Sprecherin Stourzh strikt aus. "Alle Beteiligten haben aber am Montag bei den Gesprächen von einem ,guten Neustart' gesprochen", meinte sie optimistisch.

Im Übrigen ist man im Morak-Büro der Meinung, dass man das, "was vergangen ist, nicht noch einmal aufrollen sollte". (cp, APA/DER STANDARD, Printausgabe, 18.2.2004)

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