Wertsteigerung

21. April 2004, 16:18
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Was für die Voestalpine Recht war, ist für deren ehemalige Verstaatlichtenschwester VA Technologie nicht billig - Kommentar: Luise Ungerboeck

Was für die Voestalpine Recht war, ist für deren ehemalige Verstaatlichtenschwester VA Technologie nicht billig. Auf diese einfache Formel kann oder muss man das angekündigte Verhalten des größten VA-Tech-Aktionärs ÖIAG bringen. Das ist, nicht nur industriepolitisch betrachtet, mehr als bedauerlich. Denn nichts bräuchte der auf Sanierungskurs befindliche Anlagenbaukonzern derzeit so dringend wie einen stabilen Kernaktionär.

Schließlich ist die VA Tech nicht irgendeine "Quetsch’n", die nicht einmal mehr die Hälfte ihrer knapp 18.000 Mitarbeiter in Österreich beschäftigt, sondern eines der Flaggschiffe der ehemaligen Verstaatlichten und noch dazu einer der internationalsten Konzerne, die Österreich vorweisen kann.

Anders als bei der Voest, wo die Verstaatlichtenholding - übrigens ohne jede strategische Notwendigkeit, dafür aber gegen alle Empfehlungen - vor zwei Jahren bei der Kapitalerhöhung zur Hälfte mitgezogen hat, lehnt die ÖIAG dies bei der vor einigen Jahren ins Trudeln gekommenen VA Tech kategorisch ab.

Wo man sonst den Eindruck erweckt, den Investmentbankern geradezu hörig zu sein, hört man diesmal partout nicht auf sie. Dabei ist bei der VA Tech Gefahr im Verzug: Gibt die ganz auf Privatisierung abgestellte ÖIAG ihre Führungsrolle ab, läuft der Anlagenbaukonzern Gefahr, dem Großaktionär Mirko Kovats ausgeliefert zu sein, dessen Verhalten "erratische Schwankungen" aufweist, aus denen selbst die ÖIAG nicht schlau wird.

Über die Hintergründe für dieses Vorgehen lässt sich nur mutmaßen, vielleicht soll der Konzern verscherbelt werden. An der im ÖIAG-Gesetz vorgeschriebenen Wertsteigerung und der Sorgfaltspflicht, der sonst bei jeder (un)möglichen Gelegenheit das Wort geredet wird, kann es jedenfalls nicht liegen. (DER STANDARD Printausgabe, 18.2.2004)

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