"Bio-Piraten" Industrieländer

19. Juli 2004, 12:03
posten

Ein Drittel aller Medikamente wird mit Hilfe exotischer Pflanzen und Tiere hergestellt - Entwicklungsländer fordern Gewinnaufteilung

Kuala Lumpur - Die Geschäfte westlicher Unternehmen mit Pflanzen und Tieren aus Entwicklungsländern stoßen in Afrika, Asien und Südamerika auf wachsenden Unmut. 15 Entwicklungsländer forderten die Industriestaaten am Dienstag zu einer gerechteren Verteilung der Gewinne auf, die im Westen zum Beispiel durch den Verkauf von Medikamenten aus exotischen Pflanzen erzielt werden. Anlass der Forderung ist die siebte Weltkonferenz für biologische Vielfalt in Malaysia.

Internationales Regelwerk

Vertreter der 15 Entwicklungsländer sprachen sich am Rande der Konferenz in Kuala Lumpur für ein internationales Regelwerk aus, dass die Aufteilung der mit Hilfe ihrer Tier- und Pflanzenwelt erzielten Gewinne klären soll. Die Industriestaaten, insbesondere die Europäische Union, haben sich bisher stets gegen die Aufstellung rechtlich verbindlicher Regeln hierzu gewehrt. Die Entwicklungsländer warfen ihnen deshalb "Bio-Piraterie" vor.

Nach Angaben der Entwicklungsländer finden ihre biologischen Ressourcen in einem Drittel der weltweit hergestellten Medikamente Verwendung. Allein die Patente für diese Medikamente seien Millionen Dollar wert, erklärten die Regierungsvertreter. "Wir wollen sicherstellen, dass die Entwicklungsländer am Ende nicht als Verlierer da stehen, obwohl wir reich an natürlichen Ressourcen sind", sagte der malaysische Umwelt- und Forschungsminister Law Hieng Ding.

An dem Treffen nahmen neben dem Gastgeberland Malaysia auch Bolivien, Brasilien, China, Costa Rica, Ecuador, Indien, Indonesien, Kenia, Kolumbien, Mexiko, Peru, die Philippinen, Südafrika und Venezuela teil. Die Weltkonferenz für biologische Vielfalt wird von mehr als 2.000 Regierungsvertretern aus 188 Staaten besucht. (APA/AP)

  • Bild nicht mehr verfügbar
Share if you care.