Kommentar: Ein Scheck für Hausfrauen

19. April 2004, 11:31
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Gorbach und Haubner sehen im geplanten Dienstleistungsscheck eine Maßnahme zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf

Der Dienstleistungsscheck soll nun tatsächlich kommen. Wie Vizekanzler Hubert Gorbach (F) Dienstagmittag nach dem Ministerrat informierte, wurden Wirtschaftsminister Martin Bartenstein (V), Sozialminister Herbert Haupt (F) und Gesundheitsministerin Maria Rauch-Kallat (V) beauftragt, ein entsprechendes Modell zu entwickeln.

Der Scheck im Wert von 12,50 Euro, welcher von den DienstgeberInnen "Beschäftigten in haushaltsnahen Tätigkeiten" übergeben werden soll, verfolge zum einen die Bekämpfung der Schwarzarbeit und sei zum anderen ein Instrumentarium "zu einer besseren Vereinbarkeit von Familie und Beruf", wie sowohl Gorbach als auch Familienstaatssekretärin Ursula Haubner in einer Aussendung wissen ließen.

Und hier ist der - beinahe unsichtbare - Haken. Denn obwohl, so Haubner der Dienstleistungsscheck für alle gleichermaßen zugänglich sein soll, betont sie, dass es damit "vor allem Frauen" ermöglicht werde, "ihren Beruf auszuüben". Die Staatssekretärin wird noch deutlicher, wenn sie sagt, "dass jene Arbeit, die so viel zur Lebensqualität im engsten Lebensumfeld beiträgt, endlich als qualifizierte Arbeit im Unternehmen Haushalt aufgewertet wird".

Wie soll das verstanden werden? Geht es um eine weitere Festschreibung der Verantwortlichkeit für Familie und Haushalt? Seit mittlerweile vier Jahren ist es absolut kein Geheimnis mehr, worauf die Familien- und "Frauen"politik der Regierung abzielt. Frauen sollen endlich wieder dorthin zurück, wo sie seit Bestehen des Patriarchats von Konservativen am liebsten gesehen werden. Wo sie "ihren Beruf", biologistisch determiniert, brav und emsig, bei Kochtopf und Kindern - ohne auf zu begehren - ausführen sollen. Natürlich wird diese Absicht schön und geheimnisumwoben verpackt.

Denn der einzige Vorteil, den dieser Dienstleistungsscheck für Frauen bereithält, ist die sozialrechtliche Absicherung beispielsweise von Haushaltshilfen. Doch darauf gehen weder Gorbach noch Haubner ein und sprechen stattdessen von der "Aufwertung der Familien- und Haushaltsarbeit". Eigenartig? Nicht wirklich! (dabu)

17.02.2004
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