Morgens Bombay, abends Rio

21. März 2007, 16:36
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Um den mit der Globalisierung wachsenden Bedarf an multikulturellen Managern zu decken, kooperieren Business-Schools weltweit und ermöglichen Studien auf mehreren Kontinenten

Der globale Manager unserer Zeit ist in der ganzen Welt unterwegs: Heute Verhandlungen in Bombay, morgen in Boston und in der nächsten Woche in Buenos Aires. - Doch dazu muss er nicht nur die lokalen Märkte, sondern auch die kulturellen Besonderheiten kennen. Und wo könnte man das besser lernen, als in einem MBA-Studium, bei dem man durch die Welt geschickt wird?

Seit einigen Jahren haben sich daher mehrere Business-Schools zusammengetan und bieten verschiedene, berufsbegleitende MBA-Studiengänge auf mehreren Kontinenten an. So gewinnen die Teilnehmer eine globale Perspektive, erleben Dozenten verschiedener Schulen, lernen von ihren Kommilitonen und knüpfen weltweite Netzwerke.

Druck wächst

Zielgruppe sind vor allem Manager internationaler Konzerne. "Der Druck auf die Business-Schools wächst", sagt Mike Page, Dean der Rotterdam School of Management (RSM). "Um den Anforderungen der Globalisierung gerecht zu werden, genügt es heute nicht mehr, seine MBA-Studenten auf einen Studientrip ins Ausland zu schicken."

Die RSM ist eine der fünf Schulen auf vier Kontinenten, die sich zu dem einundzwanzigmonatigen OneMBA zusammengeschlossen haben. Dazu gehören die US-Schule Kenan-Flagler, die Chinese University in Hongkong sowie Business-Schools in Mexiko und Brasilien.

Das 2002 gestartete Programm gliedert sich in drei Teile: Da gibt es einmal die fünf Kernkurse an den beteiligten Schulen, die gemeinsam von Professoren aller Schulen entwickelt wurden. Daneben beschäftigen sich die MBA-Studenten auch mit den regionalen Gegebenheiten. Der dritte Teil des Studiums besteht aus vier einwöchigen Präsenzphasen in Europa, Asien, Lateinamerika und den USA, bei denen alle Teilnehmer zusammenkommen und das Gelernte vor Ort mit Ma- nagern diskutieren. Zudem gibt es internationale Teamprojekte, die einen weltweiten Vergleich der regionalen Besonderheiten ermöglichen.

Zwölf Jahre im Beruf

OneMBA-Studenten sind durchschnittlich 35 Jahre alt und haben zwölf Jahre Berufserfahrung. Knapp zwei Drittel werden von ihrem Unternehmen gesponsert. Dabei ist der OneMBA mit 48.000 Euro Studiengebühren sogar das Schnäppchen unter den Jetset-Programmen.

Denn wer den Global Executive MBA der London Business School und der Columbia Business School absolvieren will, muss 115.000 Dollar hinblättern - natürlich ohne Flugkosten. "Der EMBA-Global ist eine echte und gleichberechtigte Kooperation zweier weltführender Business-Schools", sagt Lyn Hoffman, Director Executive MBA Programme. Die Hälfte des Unterrichts findet in London, die andere in New York statt. Dabei verbringen die Teilnehmer abwechselnd vier Tage pro Monat in den beiden Finanzzentren. Zudem beinhaltet das zwanzigmonatige Studium ein Unternehmensprojekt.

Die 65 Teilnehmer sind durchschnittlich 32 Jahre alt und haben zehn Jahre Berufserfahrung. Die mit 28 Prozent größte Gruppe arbeitet im Finanzbereich. Nicht nur um Zahlen, sondern auch um sozialpolitische Dimensionen geht es bei dem TRIUM Executive MBA-Programm, das seit 2001 von der New York University Stern School of Business, der London School of Economics and Political Science und der HEC School of Management in Paris ins Leben gerufen wurde.

US-Handlungsbedarf

Das 16-monatige und 72.538 € teure Programm verteilt sich auf sechs Lehrmodule an den drei Partner- sowie an zwei weiteren Hochschulen. Dazwischen lernen die im Durchschnitt 37 Jahre alten Teilnehmer - wie bei allen Programmen - per Internet.

Laut Experten nimmt die Zahl der globalen Allianzen weiter zu. Vor allem für die US-Schulen werden Kooperationen immer wichtiger, wenn sie international nicht ins Abseits geraten wollen. Denn dort bewerben sich wegen der rigiden Visabestimmungen immer weniger Ausländer. (Bärbel Schwertfeger, DER STANDARD, Printausgabe, 14./15.2.2004)

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    Teilnehmer des Global Executive MBAs, einem gemeinsamen Bildungsangebot der renommierten Business-Schools in London und New York, pendeln zwischen den internationalen Finanzzentren

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