Wo Arbeitgeber MBAs finanzieren

19. Juni 2006, 14:44
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Wer damit liebäugelt, an einer renommierten Schule einen Master of Business Administration (MBA) zu absolvieren, sollte überlegen, wie er seinen Chef zum Investor macht

Ein MBA-Programm an ei- ner US-Elite-Business-School kostet durchschnittlich um die 60.000 US-Dollar (47.088 €), und nach oben hin gibt es viele Beispiele. So verlangt die Harvard Business School für ihr zweijähriges Programm Studiengebühren von rund 122.000 Dollar (95.550 €), Lebenshaltungskosten und Reisespesen exklusive.

Ein absolviertes MBA-Programm an einer renommierten Schule kann den Karriereverlauf gehörig vorantreiben, doch wie finanziert man es am besten? Stipendien sind meist ein Tropfen auf den heißen Stein. Und private Ersparnisse reichen oft nicht aus. Bleibt also nur: sich vom Arbeitgeber sponsern lassen, der die Kosten übrigens steuermindernd geltend machen kann.

Bei der OMV etwa sucht man mittels Potenzialanalyse die vielversprechendsten Kandidaten aus, "wobei verstärkt Frauen gefördert werden", betont Dorothea Sulzbacher, Personalleiterin im Mineralölkonzern und selbst Teilnehmerin des "Gene- ral Management Executive MBA"-Programms der Limak.

Berater mit Abschluss

Fast die Hälfte der weltweit 6000 Berater von McKinsey & Company kann einen MBA-Abschluss vorweisen. "Wir bieten Neueinsteigern mit einem Studienabschluss ein Fellowship-Programm an. Sie arbeiten zwei Jahre als Berater und werden dann bei voller Bezahlung für ein Jahr freigestellt, um eine internationale Ausbildung zu absolvieren. Zusätzlich übernehmen wir bis zu 50 Prozent der Studiengebühren - egal an welcher Schule der Abschluss gemacht wird", erläutert Susanne Theisen, McKinsey-Director of Recruiting in Köln.

Beim Mitbewerber The Boston Consulting Group (BCG) ist die erbrachte Leistung eines Mitarbeiters ausschlaggebend für ein Sponsoring, wobei Mitarbeiter ohne wirtschaftliches Studium den Vortritt haben: "Im deutschsprachigen Raum haben wir zurzeit über 20 MBA-Teilnehmer - davon ein Drittel Frauen - wo wir bis zur Gänze die Studiengebühren finanzieren und für die Lebenshaltungskosten zinsenfreie Darlehen anbieten", erklärt Hannes Pichler, Wiener Projektleiter und Recruiting-Director.

Besucht werden ausschließlich internationale Top-Schulen, wie Harvard, IMD oder Insead. Die Kosten für das einjährige Insead-Programm: rund 80.000 € inklusive Lebenshaltungskosten.

Hier Geld, da Treue

Anders als bei McKinsey & Company müssen sich die MBA-Absolventen von BCG verpflichten, für ein Jahr beim Consultingunternehmen zu bleiben. "Eine Vereinbarung über drei bis fünf Jahre Treue ist üblich. Falls der Mitarbeiter früher ausscheidet, zahlt er meist die Kosten aliquot zurück", weiß Daniela Resch, Programmleiterin des "General Management Executive MBA"-Programms der Limak. Die Mehrheit der daran Teilnehmenden wird von ihren Arbeitgebern unterstützt.

Die Startgehälter von Abgängern, etwa der Columbia University, rangieren zwischen umgerechnet 78.400 und 117.600 €. Sie kommen meist in großen Consulting-Unternehmen oder im Investment-Banking-Bereich unter. Zwar sind derartige Gagen in unseren Breiten undenkbar, aber als Karrierekatapult wirkt der MBA allemal: Laut einer Studie des deutschen Bundesministeriums für Bildung und Forschung arbeiteten nur 18 Prozent der Kandidaten vor ihrer Ausbildung in der Betriebsleitung. Nach dem Abschluss kletterten fast 30 Prozent auf einen Chefsessel. (Silvia Stefan, DER STANDARD, Printausgabe, 14./15.2.2004)

  • Das einjährige MBA-Programm an der Kaderschmiede Insead in Singapur kostet samt Lebens­haltungs­kosten rund 80.000 Euro
    foto: epa

    Das einjährige MBA-Programm an der Kaderschmiede Insead in Singapur kostet samt Lebens­haltungs­kosten rund 80.000 Euro

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