Werben um Frauen in MBA-Lehrgängen

21. März 2007, 16:36
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Was haben INSEAD in Frankreich, das Schweizer IMD oder die London School of Business gemeinsam? - Der Anteil weiblicher Teilnehmer in den MBA-Lehrgängen liegt unter 30 Prozent - Nun streuen die renommierten Eliteschmieden Frauen Rosen in Stipendien-, Mentoring- und Networking-Form

Das neueste MBA-Ranking der Financial Times vom Januar zeigt es erneut deutlich: Der Anteil der Frauen unter den MBA-Studenten an den europäischen Topschulen ist noch immer gering. Am französischen INSEAD sind es 24 Prozent. Die London Business School kommt auf 23 Prozent, und am Schweizer IMD sind gerade einmal 16 Prozent der Studenten weiblich.

Spitzenreiter unter den europäischen Top Ten ist das Instituto de Empresa in Madrid mit einem Frauenanteil von 38 Prozent. Auch in den USA sind die MBA-Studentinnen nach wie vor in der Minderheit. Stanford und Harvard kommen auf 35 Prozent. An der Wharton School sind es derzeit 33 Prozent.

Weniger als 30 Prozent

Bei den meisten Schulen sind allerdings weniger als 30 Prozent der MBA-Studenten Frauen. Und daran hat sich seit mehr als 20 Jahren kaum etwas verändert. So ist der Anteil der weiblichen MBA-Studenten laut Berechnungen des amerikanischen Wirtschaftsmagazin Business Week seit 1992 nur um drei Prozentpunkte gestiegen.

Bereits 2000 brachte eine US-Studie zutage, warum Frauen sich seltener für ein MBA-Studium entscheiden: Ihnen fehlen weibliche Rollenvorbilder, sie vermissen die Unterstützung ihrer Arbeitgeber und befürchten, dass sich die Karriere nicht mit dem Privatleben vereinbaren lässt. Um das zu ändern, gründeten sieben Unternehmen und dreizehn Business-Schools - darunter die London Business School als einzige europäische Schule - 2001 die Forté Foundation.

"Frauen glauben, dass ein MBA einfach nicht zu dem Lebensstil passt, den sie bevorzugen", sagt die Präsidentin der Forté Foundation, Jeanne Wilt. Die Stiftung bemüht sich daher darum, bei zahlreichen Veranstaltungen Frauen den Vorteil einer MBA-Ausbildung schmackhaft zu machen, und vergibt über ihre Mitgliedsschulen jährlich Stipendien für Frauen.

Frauenförderung

Auch die Schulen selbst sind in Sachen Frauenförderung aktiv. So bietet die Tuck School of Business ihren Studentinnen ein Mentoring an und hat einen "Women in Business Club" ins Leben gerufen, um den Erfahrungsaustausch zu fördern. Auch an der London Business School werden Anfängerinnen von Studentinnen aus dem zweiten Studienjahr betreut, und seit 2001 gibt es jährlich zwei MBA-Stipendien für Frauen. Die beiden Auserwählten erhalten jeweils 14.600 Euro im ersten Jahr ihres Studiums, das allerdings zwei Jahre dauert und insgesamt 61.500 Euro kostet.

Unterstützung bieten meist auch die Alumni der Schulen, die es bereits an die Spitze geschafft haben. "Durch Kontakte zu den Alumni ist es gerade für Frauen leichter, ein gutes Netzwerk mit erfolgreichen Managerinnen aufzubauen", betont Just Schürmann, Recruiting Director bei der Boston Consulting Group (BCG) in München. Schließlich seien die Rollenmodelle für Frauen noch immer rar, und um das Beste aus seinem Talent machen zu können, brauche es nun mal auch Vorbilder.

Karrieresprung

Die hat auch die irische Smurfit Business School aufzuweisen. Laut einer Umfrage der Dubliner Schule können Absolventinnen dort häufig mit einem Karrieresprung rechnen. So schafften 60 Prozent innerhalb eines Jahres einen beruflichen Aufstieg, und ein Fünftel besetzt heute bereits einen Posten als Geschäftsführerin oder Topmanagerin.

"Der MBA ist ein deutliches Zeichen für einen Arbeitgeber, dass eine Kandidatin sich ernsthaft für ihre Karriere interessiert", erklärt Nunzio Quacquarelli, Managing Director der World MBA Tour. Zudem erhöhe die Managementqualifikation die Einsatzmöglichkeiten und mache es daher auch leichter, nach einer Babypause wieder in eine anspruchsvolle Position einzusteigen.

Auch für den Start eines eigenes Unternehmens biete der MBA eine gute Voraussetzung, und inzwischen würden in einigen europäischen Ländern bereits mehr kleine Unternehmen von Frauen als von Männern geführt. (Bärbel Schwertfeger, DER STANDARD, Printausgabe, 14./15.2.2004)

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    Das Fehlen von weiblichen Vorbildern, die geringe Unterstützung vom Arbeitgeber sowie die Unvereinbar­keit von Karriere und Privatleben hält Frauen von MBA-Programmen fern - Die Forté Foundation arbeitet an der Erhöhung der Quote

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