UN-Beobachter: Palästinenser werden aus Hebron verdrängt

17. Februar 2004, 16:15
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Norwegischer TIPH-Chef erhebt schwere Anschuldigungen gegen Armee und Siedler

Tel Aviv - Der Chef der internationalen Beobachtertruppe in Hebron ("Temporary International Presence in Hebron"/TIPH), Jan Kristensen, hat Israel die "Säuberung" israelisch kontrollierter Stadtviertel von Palästinensern vorgeworfen. Kristensen sagte der israelischen Tageszeitung "Haaretz" (Montag-Ausgabe), die Aktivitäten der israelischen Siedler und der Armee würden eine "nicht wieder rückgängig zu machende Situation" schaffen. Der 58-jährige Norweger sagte: "In gewisser Weise wird dort eine 'Säuberung' ausgeführt." Wenn die Situation noch einige Jahre andauere, "werden dort keine Palästinenser bleiben".

Der TIPH-Leiter bezog sich dabei auf das so genannte "H-2"-Gebiet der geteilten Stadt, in dem alle jüdischen Siedler leben. Zu Beginn der zweiten Intifada vor knapp dreieinhalb Jahren lebten dort auch 35.000 Palästinenser. Ihm lägen zwar keine genauen Angaben vor, aber mehr und mehr Palästinenser verließen diesen Teil. Als Grund nannte er Schikanen der jüdischen Siedler und Maßnahmen der israelischen Besatzungsarmee.

Die internationale Beobachtertruppe in der Stadt war nach dem Massaker an 29 moslemischen Gläubigen durch den jüdischen Fanatiker Baruch Goldstein in einer Moschee in Hebron vor zehn Jahren eingerichtet worden. Sie besteht aus 71 unbewaffneten Mitarbeitern aus sechs Ländern - Norwegen, Italien, Dänemark, Türkei, Schweden und der Schweiz.

Im März 1994 unterzeichneten Israel und die Palästinensische Befreiungsorganisation (PLO) ein Abkommen über die Aufgaben der TIPH. Die ausländischen Beobachter sollen der palästinensischen Bevölkerung ein Gefühl der Sicherheit vermitteln. Die TIPH darf nur im palästinensisch kontrollierten Teil der Stadt patrouillieren und hat nur wenig Handlungsspielraum. Dennoch sind die Beobachter bei den israelischen Siedlern unbeliebt, weil sie immer wieder Übergriffe auf die arabische Bevölkerung melden. (APA/dpa)

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