"Man hat nur mich bestrafen wollen"

5. Mai 2005, 20:06
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Marco Pantanis letzte Worte schocken Italien: "Niemals hat mich jemand begriffen, nicht der Radsport und nicht einmal meine Familie"

Rom - Die letzten Worte, die Radstar Marco Pantani vor seinem Tod am Samstag auf einen Zettel in einem Hotelzimmer in Rimini geschrieben hat, schocken Italien. Der 34-jährige Italiener, der sich am 9. Februar in einem Appartement des Hotels "Le Rose" in der Badeort an der Adria einquartiert hatte, brachte dabei seine Frustration für den Zusammenbruch seiner Karriere unter dem Druck gravierender Dopingvorwürfe auf Papier. "Man hat nur mich bestrafen wollen", war auf einem Zettel zu lesen, den die Ermittler in Pantanis Zimmer gefunden haben.

"Niemals hat mich jemand begriffen, nicht der Radsport und nicht einmal meine Familie", war auf einem anderen Zettel zu lesen, berichteten italienische Medien am Montag. In der Woche vor seinem Tod, dessen Ursachen durch eine Obduktion am Montag geklärt werden sollen, hatte Pantani kaum jemanden gesehen. Er hatte jeglichen Kontakt mit der Außenwelt vermieden. Am Freitagabend hatte ein Kellner Pantani das Abendessen ins Zimmer gebracht. "Sein Gesicht war entstellt, er schaute mich komisch an. Er hat die Teller genommen und sofort die Türe geschlossen", berichtete Laghi.

"Er war geistesabwesend"

"Er wollte nicht einmal, dass man sein Zimmer aufräumte, er war geistesabwesend", berichtete eine Zimmerfrau im Hotel "Le Rose". Pantanis Leiche war am Samstagabend gefunden worden, nachdem das Personal des Hotels Verdacht geschöpft hatte, weil der Radstar nicht wie üblich um das Abendessen gebeten hatte. "Das Zimmer war vollkommen durcheinander, halb verwüstet, als wäre Pantani im Bann einer unglaublichen Wut gewesen", wurde ein Ermittler von der römischen Tageszeitung "La Repubblica" (Montagausgabe) zitiert.

Der Arzt, der den Giro- und Tour-de-France-Sieger behandelte, bestätigte, dass Pantani in eine tiefe Depression geschlittert war. "Er befand sich in einem kritischen Zustand. Man hätte ihm näher sein sollen. Er schien mir sehr einsam", berichtete der Arzt, Alessandro Zennaro.

"Telefonisch nirgendwo zu erreichen"

Freunde und Familienangehörige erwiderten jedoch, dass sich der Radprofi in den letzten Wochen vollkommen isoliert hatte. "Er war telefonisch nirgendwo zu erreichen, er wollte sich von niemandem helfen lassen, nicht einmal von den Menschen, die ihn wirklich liebten", betonte der Präsident des Pantani-Fan-Clubs Vittorio Savini, der den "Piraten" seit Jahren kannte. (APA)

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    Der Schock um Pantanis Tod sitzt in Italien tief.

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