"Anleger sind heute viel selbstbewusster"

7. April 2004, 14:50
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Europäische Anlegerschützer in Wien

Wien - Vertreter aller europäischer Anleger-Schutzverbände (Euroshareholders) konferieren Ende dieser Woche in Wien. Gastgeber Wilhelm Rasinger, Galionsfigur der heimischen Anlegerschützer IVA, streut Aktionären in Österreich - und damit auch dem eigenen Wirken - Rosen: Sie würden sich ihrer Rechte immer mehr bewusst und dadurch selbstbewusster.

Vor allem eine "billige Abspeisung" der Kleinaktionäre bei Übernahmen und Börsenrückzügen ist längst Geschichte. Aktuell wehren sich die "Kleinen" gegen die Abfindung bei

  • Steirerobst im Zuge der Übernahme durch Agrana. Sie wollen weiter an der Ostfantasie der Steirerobst partizipieren und nicht hinausgedrängt werden.
  • Constantia Iso - dort wollen sie den Preis von 8,42 Euro nicht akzeptieren
  • Baumax - vor allem die Altaktionäre, die um 32 € gekauft haben, wollen sich jetzt nicht um 16,58 € abfinden lassen.

Je nach Ausgangslage konnten die Kleinaktionäre die Pläne der Großaktionäre schon deutlich "stören": Um zehn bis 50 Prozent bessere Netto-abfindungspreise haben sie gemeinsam mit dem IVA bei SCA Laakirchen , der Steyr , bei Universale , Leykam bis zur Austria Haustechnik und Jenbacher schon erreicht.

Dass Kleinanleger bei Hauptversammlungen reine Buffet-Tiger seien, hat sich zur Wirklichkeit oft unangenehmer Fragen für die Führungscrews gewandelt.

Mittels Anlegerschutzverbänden, so Rasinger, hätten Kleinanleger aber auch eine Lobby, was Marktverhältnisse und gesetzliche Rahmenbedingungen betrifft. Aktuell hat der IVA dem Justizministerium einen ganzen Katalog von "Nachholbedarf" für den Anlegerschutz übermittelt. Zentrale Anliegen: die Streichung des 15-prozentigen Abschlages für den Streubesitz und eine Absenkung des erforderlichen "zu hohen" Nominales von 70.000 Aktien bei der beschlussfassenden Hauptversammlung, das Kleinanlegern erst die gerichtliche Überprüfung eines Abfindungspreises erlaubt. (Karin Bauer, DER STANDARD, Printausgabe, 16.2.2004)

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