Dividenden als Kriterium

7. April 2004, 14:50
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Was sind schon drei Prozent Rendite, wenn man Kursgewinne von 30 Prozent erwartet?

Das Verhältnis von Chance zu Risiko wird dabei aber gerne übersehen.

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Die Dividendenrendite ist ein Indikator für die Unbeliebtheit einer Aktie, stellte der Amerikaner Michael O'Higgins 1989 ins Zentrum seines konservativ klingenden Investmentansatzes. Er konzentriert sich bei der Aktienauswahl auf die Dividendenrendite.

Liegt die Rendite über dem Durchschnitt, dann muss der Aktienkurs überdurchschnittlich gefallen sein oder weniger als der Durchschnitt gestiegen sein. Da der Markt in beide Richtungen zur Übertreibung neigt, sollten sich auf längere Sicht diese Unterbewertungen wieder ausgleichen. Um nicht in eine Qualitätsfalle zu tappen, also auf Aktien zu stoßen, deren hohe Rendite hauptsächlich auf der Unsicherheit künftiger Ausschüttungen beruht, testete O'Higgins seine Annahme am Dow Jones Industrial Index.

Test über 18 Jahre

Er suchte sich von den 30 Titeln jeweils die zehn mit der höchsten Dividendenrendite heraus und überprüfte deren Performance über die folgenden zwölf Monate. Tatsächlich zeigte sich in einem Test über 18 Jahre, dass diese Aktien einen durchschnittlichen Jahresertrag von fast 17 Prozent erbrachten, während der Index selbst nur rund zehn Prozent schaffte. Jeweils nach einem Jahr wurde das Portefeuille aktualisiert. O'Higgins ging noch einen Schritt weiter, in dem er von den zehn höchstrentierenden Aktien die fünf mit dem niedrigsten Preis aussuchte.

Damit steigerte er die Performance nochmals von 17 auf 19 Prozent. In den Jahren 1995 bis 1998 konnte die Performance der fünf "Dogs" mit dem Index allerdings nicht ganz Schritt halten.

Kursgewinne steuerfrei

Außerdem fallen Wachstumsaktien, die keine oder nur eine sehr niedrige Dividende zahlen, aus dem Anlagerahmen. Zu beachten ist weiters, dass Dividenden mit 25 Prozent Kapitalertragsteuer belastet sind, während Kursgewinne über die Spekulationsfrist von zwölf Monaten hinaus steuerfrei bleiben. O'Higgins' Investmentansatz, den er in seinem Buch "Beating the Dow" (vergriffen, Anm.) darlegte, fand in den USA ein breites Echo und sollte sich auch auf andere Märkte und Indizes anwenden lassen, sofern man die Grundlagen berücksichtigt.

Der basierende Index muss Qualitätsaktien enthalten und soll nicht zu breit gestreut sein. Das minimiert das Pleitenrisiko. Aus der relativ hohen Dividendenrendite ergibt sich nicht nur ein Kapitalrückfluss, sondern auch eine zusätzliche Absicherung. Für den ATX sind erste Vergleiche zwiespältig. (Nikolaus Dolenz, DER STANDARD, Printausgabe, 16.2.2004)

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