Ein Gerichtsprotokoll spielt Rolle im Kampf um die "Krone"

20. April 2004, 20:53
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Chefredakteur Christoph Dichand erklärt, er verantwortet nicht alle Seiten in der "Krone" - Mit Auszügen aus Protokoll und WAZ-Brief an Dichand

Ein Gerichtsprotokoll spielt eine Rolle im Kampf um die "Krone". Christoph Dichand erklärt, er verantwortet, obwohl Chefredakteur, nicht alle Seiten in der "Krone". Auszüge des Protokolls und aus einem WAZ-Brief an Dichand senior.

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Christoph Dichand sieht seine Ehre gefährdet durch einen STANDARD-Bericht: Unter Dichands Verantwortung habe ein Krone-Bericht für das Onlineauktionshaus OneTwoSold geworben, an dem Dichand beteiligt ist. Dichand klagte den STANDARD und sagte so vor Gericht aus:

Dichands Anwalt: Zu diesem Artikel in der Printausgabe, wie ist das mit diesem "Online"-Teil, haben Sie da Einfluss auf diese Beiträge der Onlineredaktion?

Dichand: Nein, die Onlineredaktion kann diese Seiten komplett selbstständig gestalten.

Dichands Anwalt: In der Printausgabe?

Dichand: Ja, in der Printausgabe.

Dichands Anwalt: Wird Ihnen das vorgelegt?

Dichand: Nein.

Dichands Anwalt: Dieser Artikel in der Druckausgabe, wurde das bezahlt, oder war das ein echter redaktioneller Beitrag?

Dichand: Nein, da ist nichts bezahlt worden, also es war ein redaktioneller Beitrag.

Dichands Anwalt: Haben Sie den konkreten Artikel vorher gekannt oder in irgendeiner Form freigegeben?

Dichand: Nein.

Richterin: Diese Chefredaktion von der "Online", von dem Onlineteil, ist die Ihnen hierarchisch untergeordnet, in der Firmenstruktur?

Dichand: Nein, das ist eine Tochtergesellschaft der "Krone Multimedia", aber bitte mich nicht festzunageln, was das Firmenkonglomerat betrifft. Und die ist eine andere Gesellschaft als die Redaktionsgesellschaft, bei der ich angestellt bin als Chefredakteur der Krone.

Richterin: Das heißt, wenn Sie jetzt aber nicht wollen, beispielsweise, dass in diesem "Online"-Teil ein Artikel erscheint, der irgendeinen Inhalt hat, der Ihnen unangenehm ist, beispielsweise, weil darin geworben wird für eine Firma, an der Sie beteiligt sind, haben Sie die Möglichkeit, das abzustellen, oder nicht?

Dichand: Ich könnte Kontakt aufnehmen mit der Onlineabteilung und nachfragen, aber weisungsmäßig sind sie mir nicht unterstellt.

Richterin: Das heißt, das beruht auf dem Wohlwollen der Onlineabteilung, ob die das dann rausnehmen oder nicht?

Dichand: Ja.

Die Aussagen Christoph Dichands dürften auch im Schiedsverfahren eine Rolle spielen, das die Essener WAZ-Gruppe gegen Christophs Vater, Hans Dichand, angestrengt hat. WAZ und Dichand gehören je 50 Prozent an der Krone. Der Essener Medienkonzern will durchsetzen, dass Hans Dichand als Hauptgeschäftsführer und Christoph Dichand als Chefredakteur vom Schiedsgericht ab^berufen werden. Das Verfahren läuft wie berichtet bereits.

An Dichand senior schrieb WAZ-Anwalt Daniel Charim auf Basis des Protokolls einen wenig freundlichen Brief: "Ich gehe davon aus, dass Christoph Dichand, der Chefredakteur der größten Tageszeitung Österreichs, nicht allen Ernstes der Auffassung ist, in Veröffentlichungen auf der "Online"-Seite der Druckausgabe nur bei ,Wohlwollen der Online-Abteilung‘ eingreifen zu können und zu Weisungen in diesem Zusammenhang nicht berechtigt zu sein." Ist dem so, habe Dichand jun. "wider besseres Wissen unrichtige Erklärungen abgegeben". Glaube er das aber nach neun Monaten als Chefredakteur tatsächlich, sei Dichand jun. für die Funktion "nicht geeignet".

Dichand senior hat noch nicht geantwortet. Sein Sohn Christoph war Freitag für den STANDARD nicht erreichbar. (Harald Fidler/DER STANDARD; Printausgabe, 14./15.2.2004)

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