Millionenschäden durch warmes Wasser

21. März 2005, 14:03
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Die pazifischen Inseln produzieren weniger als ein Prozent aller weltweiten Treibhausgase, aber sie zahlen die höchste Rechnung dafür

Suva/Fiji - Die pazifischen Inseln produzieren weniger als ein Prozent aller weltweiten Treibhausgase, aber sie zahlen die höchste Rechnung dafür. Zu diesem Schluss kommt ein Bericht des South Pacific Regional Environmental Programme SPREP, der in der jüngsten Ausgabe des Pacific Islands Magazine vorgestellt wurde.

Nach Berechnungen des UN-International Panel on Climate Change IPCC wird die Temperatur von 1990 bis 2100 zwischen 1,4 Grad bis 5,8 Grad ansteigen. Die Auswirkungen auf die fragilen Inselgemeinschaften werden verheerend sein, meint SPREP-Direktor Asterio Takesy anlässlich des Pacific Islands Regional Oceans Forum, das vor kurzem in Suva zu Ende ging. Alle Fischarten werden von diesem Temperaturanstieg betroffen sein - und Fische stellen eine wesentliche Lebensgrundlage für die Völker Ozeaniens dar. Hinzu kommt die Zerstörung der schützenden Korallenriffe, da die empfindlichen Korallenpolypen auf die Erwärmung reagieren.

Schäden durch warmes Wasser

Takesy beziffert die Schäden auf den mikronesischen Palau-Inseln während der El-Nino-Periode 1998 - 1999 auf mindestens 91 Millionen Dollar. Damals erwärmte sich das Wasser in Palau in den Monaten Juni bis November auf über 30 Grad Celsius und führte zu einer Korallenbleiche, die ein Drittel der Riffe des vom Tauch-Tourismus lebenden Staates vernichtete. Die Folge waren massive Verluste der lokalen Fischpopulation und ein neunprozentiger Rückgang im Tourismus.

Nicht nur für die Inseln selbst, sondern auch für die internationale Fischerei in der pazifischen Region hat die Erwärmung dramatische Auswirkungen. 70 Prozent aller weltweit gefangenen Tunfische kommen aus dem Pazifik. Derzeit werden mit den Großfischen jährlich etwa zwei Milliarden Dollar erwirtschaftet. Während der letzten El-Nino-Periode verschwanden die Fische mit der Veränderung der Warmwasser-Strömungen und sorgten in manchen Regionen für den Beinahe-Kollaps von lokalen Fischerei-Industrien. Angst herrscht auch vor einer Zerstörung von empfindlichen Mangroven, die viele Inseln vor der Erosion schützen. Temperaturerhöhungen sorgen auch für die Veränderung des Salzgehalts im Meerwasser, verbunden damit sind Zerstörungen der Mangroven selbst und vermehrte Sedimentablagerungen nach Stürmen und Überflutungen.

Mehr Aufmerksamkeit gefordert

Erst Anfang Jänner hat ein Wirbelsturm die Insel Niue vollständig verwüstet. Die lokale Regierung fürchtet, dass wegen der zerstörten Infrastruktur auch die Touristen ausbleiben werden. Die Vertreter der pazifischen Inselstaaten fordern mehr Aufmerksamkeit der Weltöffentlichkeit für ihre Probleme, denn die Verursacher der Katastrophe sitzen in anderen Weltregionen. "Ozeanien ist eine der empfindlichsten Regionen was die Auswirkungen der globalen Erwärmung betrifft", meint SPREP-Klimaexperte Taito Nakalevu. (pte)

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    derstandard.at
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