Herbert Haupts Humor

9. April 2004, 16:25
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Dafür muss man "News" einfach lieben: Nur diesem Magazin kann es einfallen, eine Routinemeldung ...

... die sich noch dazu auch in den anderen Blättern findet, in der Rubrik top secret abzuarbeiten. Es handelte sich um den vorläufig letzten Crash mit Totalschaden, wie ihn Sozialminister Herbert Haupt in gewissen Abständen hinzulegen pflegt, um sich einen Ehrenplatz im Buch viktimologischer Rekorde zu sichern. Für dieses hohe Ziel ist er sogar Obmann der FPÖ geworden. Die Meldung bezog sich indes nicht auf den jüngsten Crash mit Totalschaden bei der Pensionsreform, und doch stand der Autounfall im Zusammenhang damit.

Wie über Haupts Verdienste als Sozialminister gehen auch die Meinungen über seine Qualitäten als Extrem-Stuntman leider etwas auseinander. Sozialminister Herbert Haupt hat am Montag seinen zwölften Autounfall relativ unbeschadet überstanden, weiß "NEWS". Das war für eine Meldung top secret eher schwach, berichtete doch die "Kronen Zeitung" ohne jede Heimlichtuerei: Minister Haupt: sein 14. Autounfall. Dafür wusste "NEWS" mit anderen Informationen aufzutrumpfen: Er hatte bisher elf Autounfälle, einen Flugzeugabsturz und war zweimal klinisch tot.

Da konnte wiederum die "Krone" nicht ganz mit: Nach einem ähnlichen Unfall vor 23 Jahren wurde der Mandatar ins Leben zurückgeholt. Nur eine Rückholaktion! Aber anders als das Magazin verschwieg die "Krone" nicht, warum: Er war damals bereits klinisch tot! Über die Unfallfolgen war das Magazin, wenn schon nicht top secret, so doch besser als die Konkurrenz informiert. Haupt überstand den Total-Crash mit einer leichten Gehirnerschütterung und einem Peitschenschlagsyndrom, also relativ unbeschadet. Noch unbeschadeter ließ ihn die "Krone" seinen 14. Autounfall überstehen und gewährte ihren Lesern überdies einen Blick in die Seele des Ministers. Haupt erlitt ein leichtes Peitschenschlagsyndrom. Der Minister nimmt 's mit Humor.

Die "Kleine Zeitung" ließ ihrem Lokalpatriotismus freien Lauf, sie machte den Vorfall top publik, nämlich zum Aufmacher, und lag in der Substanz dennoch näher bei "NEWS": Beim 12. Autounfall Haupt leicht verletzt. Klingt da eine leichte Unzufriedenheit über mangelnden Einsatz heraus? Nein, gewiss nicht, bot das Blatt doch die umfangreichste Leistungsbilanz des Ministers als Selbstbeschädiger, wobei es zwar nicht näher auf sein politisches Wirken einging, aber die Vielfalt seiner Begabungen hervorhob. Die Unfallbilanz von Herbert Haupt erhöht sich damit auf zwölf Autounfälle, einen Flugzeugabsturz und einen Tauchunfall. Offenbar hält die "Kronen Zeitung" den Unterschied zwischen Fliegen, beziehungsweise Tauchen und Autofahren für nicht groß genug, um ihn extra zu erwähnen.

Auch der "Kleinen Zeitung" schien die durch nichts zu trübende gute Laune des Sozialministers sozial auffällig. Bislang kommentierte Haupt seine Unfälle mit Humor, was ihn zu einer interessanten Erscheinung in der FPÖ macht. Ein Peitschenschlag aus Kärnten kostet den Mann, der schon so viele Schicksalsschläge einfahren musste, höchstens einen Lacher: "Die Mehrheit meiner Autos, die ich gekauft habe, konnte ich nicht wiederverkaufen", meinte er einmal lächelnd.

Das bleibt ihm auch diesmal erspart, war er doch mit dem Dienstwagen unterwegs, als er, um einem schleudernden Auto auszuweichen, in die Leitplanken krachte. Die Steuerzahler werden das ebenso mit Humor kommentieren wie er. Sie hätten womöglich ziemlich humorlos reagiert, wenn er sich so geschont hätte wie der Vizekanzler und längere Strecken mit dem Taxi gefahren wäre.

Der hat eben keine Begabung für Opferrollen. Viertausend Euro fürs Taxi, um im Ausland - dienstlich, versteht sich - bei einem Eishockey-Match zuschauen zu können - das muss den Bürgerinnen und Bürgern die körperliche Integrität eines sportbegeisterten Vizekanzlers schon wert sein.

Und das ist billig. Die Pensionsanpassung, zu deren Reparatur im Hudelverfahren der Sozialminister Montag früh nach Wien rasen musste, ist ein viel größerer Schaden, aber der trifft ja nicht ihn. Umso leichter kann er auch diesen mit Humor kommentieren.

Dass Haupt nicht vierzehn, sondern erst zwölf Autounfälle hatte, ist indes kein Grund, an der Seriosität der "Kronen Zeitung" zu zweifeln. Zum Foto eines Bibers schrieb sie am Samstag: Hunderte Nager bevölkern allein den Donau-Nationalpark, und der Bibervormarsch ist noch lange nicht beendet. Und wieder einmal hatte sie recht! Schon gestern, nur fünf Tage später, berichtete sie neben dem Foto barthaargenau desselben Bibers: Die fleißigen Nager haben es sich im Wienfluss gemütlich gemacht. Unglaublich, wie schnell die Biber vormarschieren. Aber das muss top secret bleiben.
(DER STANDARD, Printausgabe, 13.2.2004)

Von Günter Traxler
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    foto: standard/cremer
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