Jeder Jobwechsel ist ein Risiko

28. April 2004, 14:07
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Der IT- und Telekom-Arbeitsmarkt präsentiert sich nach zwei Jahren Restrukturierung und Personalabbau arbeitgeber­freundlich: Mitarbeiter üben sich in Bescheidenheit

"Marktbereinigung, gesunder Schrumpfungs- oder Normalisierungsprozess heißen die Schlagworte, die die ökonomische Situation der IT- und Telekommunikationsbranche kennzeichnen", weiß Peter Radlingmayr, Autor einer auf inhaltsanalytisch ausgewerteten Experteninterviews mit Personalverantwortlichen aus 25 repräsentativen Unternehmen der IT- und Telekom-branche basierenden Studie zum Thema "Arbeitsmarkt & Personalmanagement in der IT- und Telekombranche".

Andere Skills entscheidend

Auch die Anforderungen an die Mitarbeiter haben sich geändert: "Im Vertrieb sind heute andere Skills entscheidend, wie zum Beispiel die Kaltakquise und eine gute Ausbildung sind nicht mehr Garant für eine Karriere. Leute sind arbeitslos, unabhängig von ihrer Qualifikation", sehr viele wirklich gute Leute sind am Markt, und der Faktor Glück spielt eine zunehmende Rolle", resümiert Radlingmayr.

Parallel zu den geänderten Anforderungen gibt es geänderte Attraktivitätsfaktoren: Jobsicherheit und die Stabilität von Unternehmen stünden für Arbeitnehmer an oberster Stelle.

Zunahme der Bewerberquantität

Eine deutliche Zunahme der Bewerberquantität hat sich dabei besonders auf die Prozesse im Recruiting ausgewirkt. Dort, wo noch Mitarbeiter aufgenommen werden, hat man mehr Zeit für die Suche und die entsprechenden Entscheidungsprozesse. Der interne Arbeitsmarkt hat "oberste Priorität" und ist einem externen Recruiting vielfach vorgelagert, das Online-Inserat gewinnt an Bedeutung.

Bestehende Kontakte erfolgen zudem in reduziertem Maße und überlegter. Durch die erhöhte Bewerberanzahl wird die Vorauswahl entscheidend. Eine Mehrheit der befragten Personen sieht generell auch eine verbesserte Bewerberqualität. Entsprechende arbeitsmarktbedingte Veränderungen bei den Auswahlkriterien ergeben sich daraus für rund drei Viertel der befragten Personen.

Vor allem strengere Anforderungen an die Persönlichkeit werden genannt: Passung und Integration ins Team, soziale Skills und Flexibilität - ausgedrückt in Einsetzbarkeit, Lernfähigkeit und Entwicklungspotenzial - stehen dabei im Mittelpunkt. Strenger wird auch auf die Kontinuität des bisherigen Karriereverlaufs (kein Job-Hopping) geachtet.

Sicherheitsdenken

Generell findet auch eine Prioritätenverschiebung in Richtung Personalentwicklung statt. Die gegenwärtige Situation ist insgesamt eher arbeitgeberfreundlich: Weniger Eigenkündigungen ("Jeder Jobwechsel ist ein Risiko, das im aktuellen Job besser zu kalkulieren ist"), quantitativ mehr und zugleich besser qualifizierte Bewerber zu niedrigeren Kosten, die Bereitschaft der Mitarbeiter, hierarchisch und im Gehalt nach unten zu gehen, das Akzeptieren von weniger spannenden Aufgabenfeldern und eine allgemein verstärkte Bescheidenheit bzw. realitätsbezogenere Erwartungshaltung bei den Arbeitnehmern. Für 2004 sehen die befragten Personen folgende Trends im Personalmanagement:

  • Fokus auf die Kosten
  • Veränderungen im Recruiting - die Anforderungen an die Bewerber nehmen zu.
  • Personalentwicklung - weg von der teuren externen Weiterbildung hin zum intensivierten Inhouse-Training beziehungsweise Training-on-the-Job.

(DER STANDARD, Printausgabe, 7./8.2.2004, red)

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    Zwei Trends, die sich in der IT- und Telekom­branche abzeichnen: Der interne Arbeitsmarkt hat "oberste Priorität" und ist einem externen Recruiting vielfach vorgelagert - Weiters gewinnt Personal­entwicklung an Bedeutung

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