"School of Rock": Ein Recht auf Rock und Reste von Rebellion

15. Juli 2004, 10:55
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Richard Linklaters Komödie "School of Rock"

Wien - Ein Mann macht mobil: Jack Black, der sicher den sympathischsten Schmerbauch Hollywoods vor sich her trägt beziehungsweise sympathisch ist, weil er einen solchen im Land der unbegrenzten Optimierung des äußeren Erscheinungsbildes sichtbar kultiviert, hat sich nach vielen Nebenrollen mit seiner furiosen Performance in Shallow Hal als Leading Man, Spezialfach: Komödie, etabliert.

In School of Rock, Richard Linklaters aktuellem Film - sein nächster, Before Sunset, hat demnächst auf der Berlinale Premiere - spielt Black nun einen Rocker namens Dewey Finn, der recht unsanft aus seinem Traum vom spektakulären Sieg bei "Battle of the Bands" gerissen wird:

Seine Musikerkollegen, allesamt blasse Hardrock-Poseure, setzen ihn nämlich vor die Türe. Und sein Mitbewohner droht ebenfalls mit Rauswurf, wenn nicht endlich die fällige Miete überwiesen wird. Dewey eignet sich in der Folge und aus Geldnot kurzentschlossen die Identität des Letzteren an und beginnt als Aushilfslehrer Ned Schneebly nach eher unorthodoxen Methoden an einer Privatschule zu unterrichten.

Körpereinsatz total

Ironischerweise kann der falsche Mister Schneebly das, was ihn für seine Bandkollegen so untragbar macht - sein ausgeprägter Hang zur Soloperformance -, im weiteren Verlauf des Films so richtig ausleben: Was eine echte Rampensau ist, das läuft mit kaum mehr als ein paar Kinderdarstellern zur Seite erst recht zur Hochform auf (die großartige Komödiantin Joan Cusack wird dagegen einmal mehr zum schlappen Sidekick degradiert). Black darf sich also gerieren, wie er das auch in den Videos seines Mock-Metal-Duos Tenacious D praktiziert: stechender Blick, kehlige Stimme, große Gesten, ganzer Körpereinsatz.

Und welch Wunder: Die braven Zöglinge finden nach Deweys Crashkurs ("Rock History, Appreciation and Theory" samt Referenz auf Pete Frames akribische Rock Family Trees) schnell Gefallen am neuen Klassenziel.

Schließlich geht es um musikalische Persönlichkeitsentfaltung und sanften, von ein wenig Haargel gestützten Widerstand gegen verbohrte Eltern. Eine eher schaumgebremste Form von Teenage-Rebellion also, die sich weit gehend auf die freie Wahl der zu Hause zu hörenden CDs beschränkt.

Familienkino

Regisseur Richard Linklater, mit Dazed & Confused bereits schulerfahren, scheint mit School of Rock demnach jenen Weg zu nehmen, den auch schon Penelope Spheeris mit Little Rascals beschreiten musste: Arrivierter Indie-Regisseur goes Hollywood-Familienkino. Auch vom bösen Humor seines Drehbuchautors Mike White (Chuck and Buck), der passenderweise als Blacks Mitbewohner agiert, ist hier nicht mehr viel zu merken.

Die eigentliche Botschaft des Films, die die transgressive, antiautoritäre Kraft von Rockmusik beschwören will, bleibt folgerichtig auf einen inzwischen massenkompatiblen, garantiert satanismusfreien Ausschnitt der Musikgeschichte beschränkt.

Am Ende müssen die bedauernswerten Schulkinder kostümiert wie für die Mini-Playback-Show eine öde Stadionrock-Performance abliefern. "I serve society by rocking" - selbst dieses herzhafte Bekenntnis lässt sich ja so leicht in sein allgemein verträgliches Gegenteil verkehren. (DER STANDARD, Printausgabe, 10.2.2004)

Von
Isabella Reicher

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  • Selbst wenn dieser Mann tobt, muss man ihn gern haben: Jack Black in "School of Rock".
    foto: verleih

    Selbst wenn dieser Mann tobt, muss man ihn gern haben: Jack Black in "School of Rock".

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