Amaryllis: Ritterstern oder Belladonnalilie

30. März 2007, 13:21
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Kaum eine andere Pflanze erfreut uns im Winter mit dermaßen prächtigen Blüten wie die Amaryllis

Kaum eine andere Pflanze erfreut uns im Winter mit dermaßen prächtigen Blüten wie die Amaryllis: Bis zu sechs trichterförmige Blütenkelche mit jeweils bis zu 15 Zentimetern Länge entwickeln sich - gleichzeitig oder hintereinander - an der Spitze der langen, hohlen Stängel. Aufgrund dieser Pracht, die es überdies in vielen verschiedenen Farbschattierungen von reinem Weiß über zweifarbig gestreift und gesprenkelt bis zu dunklem Purpurrot gibt, zählt die Amaryllis zu den beliebtesten Zimmerpflanzen in der kalten Jahreszeit.

Der gebräuchliche Name "Amaryllis" ist allerdings falsch. Er geht auf einen Fehler des schwedischen Botanikers Linné zurück, der das Zwiebelgewächs in die Gattung Amaryllis eingliederte, die in Südafrika heimisch ist und zu der die echte Amaryllis (Amaryllis belladonna vulgo Belladonnalilie) gehört. Der Ritterstern (vulgo Amaryllis) hingegen gehört in die Gattung Hippeastrum und ist mit 80 Arten in Mittel-und Südamerika verbreitet.

Für den botanischen Namen Hippeastrum gibt es gleich zwei Erklärungen: Die einen leiten ihn ohne Begründung von den griechischen Wörtern "hippeos" (Ritter) und "astron" (Stern) ab, womit die buchstäbliche Übersetzung Rittersporn korrekt ist. Die anderen halten eine Ableitung vom griechischen "hippos" (Pferd) für logischer, weil die geschlossenen Blüten ein bisschen an einen Pferdekopf erinnern. Romantische Zeitgenossen wiederum mögen auf die Verbindung zwischen der "Amaryllis"-Zwiebel und der gleichnamigen römischen Quellnymphe verweisen. Beide präsentier(t)en sich der Öffentlichkeit weitgehend unbedeckt - die eine sozusagen berufsbedingt, die andere aus biologischer Notwendigkeit: Ein Drittel der faustgroßen Knolle, die unter günstigen Bedingen sogar ohne Erde austreibt, sollte aus der Erde herausragen.

Der Duft des Ritterstern ist leicht süßlich und am stärksten bei den weißen Sorten. Doch Vorsicht: Lycorin, ein Alkaloid der Amaryllis, führt bei allzu gefräßigen Haustieren schon in geringen Dosen zu Erbrechen und Durchfall, in höhern zu Kreislaufversagen. (DER STANDARD, ALBUM, Printausgabe vom 7./8.2.2004)

Von
Marie-Therese Gudenus
  • Artikelbild
    foto: derstandard.at
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