Offenbarung an der Himmelpforte

von Samo Kobenter  |  10. Februar 2004, 18:35

New Economy-Verein legt offen: 10.000 Euro an Grasser-Sozialfonds - 240.000 Euro für Homepage von "außerordentlicher Qualität"

Wien - Matthias Winkler, Kabinettschef des Finanzministers, lud zur Offenlegung ins Ressort in der Himmelpfortgasse. Hätte er geahnt, wie sich die Dinge zuspitzen würden, er hätte die Geldflüsse in den und aus dem "Verein zur Förderung der New Economy" früher öffentlich gemacht, streute sich Vereinschef Winkler Asche aufs Haupt.

Aber nicht zu viel. Denn, so Winkler, nun habe mit Ernst & Young ein Wirtschaftsprüfer den Verein unter die Lupe genommen, und damit sei klar: Von einer missbräuchlichen Verwendung der Gelder, exakt 283.424,05 Euro seitens der Industriellenvereinigung (IV), könne keine Rede sein, schon gar nicht von persönlicher Bereicherung.

Rund 240.000 Euro der Summe sind in Gestaltung und den Betrieb der Website Grassers geflossen, gab Winkler an. 10.000 Euro erhielt der Sozialfonds Grassers, der Rest ging für Kleinigkeiten wie Videos, Grafiken, Bewirtung und Bürobedarf auf. Dass die für die Homepage aufgewendete Summe doch recht üppig ausgefallen sei, gab Winkler zwar zu, begründete dies aber mit der außerordentlichen Qualität, die sich auch in "fernsehtauglichen Videos" niederschlage.

Außerdem sei die erste mit der Erstellung beauftragte Firma, FirstInEx in Konkurs gegangen, und man "habe wieder von vorn beginnen" müssen. Die YLine-Tochter, deren Chef Dieter Jandl, Sohn des gleichnamigen Klagenfurter VP-Stadtrates, war, hatte immerhin bereits 114.163 Euro kassiert. Dass sein Verein die Summe nicht eingeklagt hat, begründete Winkler damit, dass man sich nicht auf jahrelange Streitereien vor Gericht einlassen wollte. Warum vor der erbrachten Leistung gezahlt wurde, konnte Winkler nicht beantworten.

Dass die Überweisung der 10.000 Euro in Grassers Sozialfonds wenig mit dem Vereinszweck, also der Förderung der New Economy zu tun hat, sieht Winkler anders: "Bedürftige Kinder, die keinen Computer haben, können sich an den Sozialfonds wenden." Außerdem sei die Überweisung einstimmig vom Vorstand des Vereins beschlossen worden. Im Vorstand sitzen neben Winkler mit Fritz Simhandl, René Oberleitner, Wolfgang Nolz und Christa Jessenitschnigg vier weitere Mitarbeiter des Finanzministeriums.

Winkler geht außerdem davon aus, dass die Zuwendungen der IV steuerfrei sind. Zwei entsprechende Antworten von zwei befragten Finanzämter lägen ihm vor.

Offen gelegt hat auch Finanzminister Grasser, und zwar jene Spenden, die vor Gründung seines Fonds von Firmen, bei denen er Vorträge gehalten hat, an Bedürftige geleistet wurden. Genannt werden die Generali Versicherung Kärnten, die Kärntner Raiffeisenbank und die Oberbank Linz. Die Beträge liegen zwischen 1500 und 3750 Euro.

Während für die ÖVP damit alles geklärt ist, spricht die SPÖ von einem "Geständnis". Die 10.000 Euro für den Sozialfonds seien in Grassers Privatvermögen geflossen, meint Budgetsprecher Christoph Matznetter und fordert den Rücktritt des Ministers. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 78./8.2.2004)

Außer der Industriellenvereinigung habe niemand für den Verein zur Förderung der New Economy gespendet, stellt dessen Obmann Matthias Winkler klar. Das Geld sei ordnungs- gemäß verwendet worden, niemand habe sich bereichert: Resümee einer Offenlegung. Von Samo Kobenter

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keppel pepi
09.02.2004 23:03

scheint als wäre die erste firma gar nicht in konkurs.
die lügen was das zeug hält.
kann da nicht auch ein einfacher staatsbürger klagen? oder gelten bei ministern andere regeln?

Zorn der Tiefe
08.02.2004 11:17
Glückliches Italien

So etwas wie eine Mailänder Staatsanwaltschaft wäre ein Segen für unser Land.

der schönste mann von wien  
07.02.2004 19:05
um 240.000-euro-etats reissen sich weltklasseagenturen...

...und der newEconomy-verein lässt sich sich dafür so eine bochene seiten andrehen? das ist ein skandal der folgen haben MUSS - diese hompädsch ist 10.000 wert...ok, 20.000 mit ministerzuschlag...ein witz das ganze!

Roter Baron Infos zum Powerposten
10.02.2004 09:37

bestenfalls
und der gutachter der den preis bestätigt hat
ghört glei mit in häfn.


roter baron

Nichterwartet Unerwartet
07.02.2004 16:19
Schon interessant, die HP von KHG

Alle Firmen sind mit Ministeriumsaufträgen betraut gewesen und die zehnvierzig mediengmbH findet man nicht. Sehr komisch. 240.000.- für diese Homepage und Interviews (?fernseh tauglich?) (Ich würd' pro Interview 4.000.- für Fernseh taugliches Material verlangen) sind ziemlich viel, da die Homepage mit dem CMS der Fa. lemon42 IT, Web und Software GmbH, aber anscheinend dafür hat niemand bezahlt. Ist ein Profi - CMS bei dem man auch Video, Filme integrieren kann, also wer hat's gekauft? Kostet sicher an die 100.000.- mit allen Servern und Applikationen. Vielleicht wurde es dies als Sachleistung gespendet.

Bobby "Benito" Peru
07.02.2004 17:25

Naja, drehen muss man die Videos ja schliesslich auch. Und wenn das "fernsehtauglich" gemacht wurde, dann bedeutet dies, dass man da einen Kameramann hatte, einen für den Ton und evt. vorher noch eine Beleuchtung arrangiert hat. DAS kann schon sehr viel Geld kosten. Es bleibt halt die Frage, ob dies wirklich notwendig gewesen ist, da die Videos - wie du richtig erwähnt hast - in ein CMS für einen Internet-Auftritt integriert wurde. Und da verwendet man nun mal keine TV-Auflösung und -Qualität.
Verantwortlich für die Geldverschwendung bei den Videos sind jene, die gesagt haben, dass man das in einer fernsehtauglichen Qualität braucht.

don calvo
07.02.2004 15:42
für wie blöd halten die uns eigentlich???

und was wir von wirtschaftsprüfern zu halten haben, erfahren wir von enron, pramalat udgl. deren bilanzen wurden auch jedes jahr von wirtschaftsprüfern für korrekt befunden. bin gpnnt was ernst&young ür auftge demnächst bekommt. vielleicht ein paar beratungsverträge für das finanzministerium.

M Ivan Undso 
07.02.2004 15:31

"Bedürftige Kinder, die keinen Computer haben, können sich an den Sozialfonds wenden."

nochmals pffhahahahahahahahiihihihjhuuhuhuh

M Ivan Undso 
07.02.2004 15:29

240.000 Euro für Homepage von "außerordentlicher Qualität"

pffhahahahahahahhuhuhuhuhuhhihihih tränweinlach

Zorn der Tiefe
08.02.2004 10:46
"Bedürftige Kinder, die keinen Computer haben, können sich an den Sozialfonds wenden."

Ich werde diese Botschaft sofort an einige junge türkische Gastarbeiterkinder in der Wohngegend weiterleiten. Die sind prädestiniert für die Antragstellung.

So was von einer Verarschung!

Dr. Seltsam
07.02.2004 15:05

Das Interessante ist ja, dass die 2x weit überhöhte Preise für die Homepage bezahlt haben. Man muss auch cool sein, um 100.000 auf den Tisch zu legen und dann nicht mehr nachzubohren, wenn der Auftragnehmer in Konkurs geht.

Ich würde jedenfalls in Falle einer Investition von 100.000 € ein Alternativanbot einholen. KHG und Konsorten haben das 2x nicht gemacht. Gibts es nicht so etwas wie eine Sorgfaltspflicht?

hans hinterholzer
07.02.2004 16:20
war ja nicht ihr geld

wetten, dass diese smarten jungs bei ihren putzfrauen jeden cent 2mal umdrehen.

Mario Wunderstürmer Haas
07.02.2004 15:41

Doch, die gibt es, aber ich glaube man wird vergebens einen Kläger suchen, der Willens ist dies durchzuziehen bzw. seinen Freund oder Vorgesetzten ans Bein zu pinkeln.

Tja, das mit der Sorgfaltspflicht ist ein ganz eigenes Kapitel bei so Tochtergesellschaften, Vereinen usw. im Zusammenhang mit der ....... darf leider nichts ausplaudern.

qwert zuiop
07.02.2004 13:43

... jetzt ist aber schluss. der bub kann doch mit seinem schmiergeld machen was er will. und wenn er eben geldsammeln geht, für seinen guten zweck, dann ist das eben so ... ! der klassenprimus, klein wolfgang, will und muss sich auch nicht rechtfertigen – für gar nix. wo kommen wir denn da hin! oder finz ihr nicht ?

josef S
07.02.2004 09:28
240 000

für eine homepage,wer soll das glauben?die ausreden werden immer lächerlicher.das khg interview in der zib 2 gestern hat sich wie ein scherz am faschingsdienstag angehört.traurig das dieser typ noch immer minister ist.

Robert Spoula 
07.02.2004 09:06
Einfach nur lächerlich...

...der Preis für diese HP. Selbst in ÖS wären's noch zu viel. Schlecht gemachte Videos, kaum Inhalte und eine unübersichtliche Navigation. Auch wenn's schon x-mal gepostet wurde, wer hier 24.000.-, nein 240.00.- Euro ausgegeben hat, ist entweder einem Betrug aufgesessen (sollte als FM nicht passieren dürfen) oder besitzt in Wirtschaftsfragen keinerlei Kompetenz (sollte einem Bundeskanzler nicht passieren dürfen). Und soll Grasser nicht BWL studiert haben??? Wundert mich jetzt. Vielleicht mussten da Schulden zurückgezahlt werden...

so what 
07.02.2004 08:12
so weit sind wir gekommen

dass man uns eine homepage um 240.000 euro verkaufen kann.
ein privatmensch wird wohl eingesperrt wenn er vor dem finanzler so etwas behauptet.

GottSeiDank WeitWeg
07.02.2004 05:34
Na wenigstens...

...an die Computer für die bedürftigen Kinder habens gedacht, die Vereinsmeier....mir kommen gleich die Tränen.
*angewidert*

Stefan Mackovik
07.02.2004 01:22
eins muss man auch noch sagen...

...dieser Herr Winkler ist ein schleimiger ehemaliger Jung-ÖVP (und Aktionsgemeinschaft-) Schackel wie er nur im Buche steht - musste nach der ZIB2 den Schleim von meinem Fernseher abputzen.

sokrates1
07.02.2004 12:55
Häfengeschwister

Kommt von dortn nicht auch diese unsägliche Krones???

ernst&young
06.02.2004 23:37
FirstInEx: Phönix aus der YLine-Asche

Der umtriebige Jungmanager Oßberger kaufte nach Ablöse von Dieter Jandl mithilfe der AMIS Beteiligungsgesellschaft das Unternehmen aus der Konkursmasse (AMIS: 85%, Cap Gemini Ernst & Young: 5,63% (!!), Rest: Streubesitz).
FORMAT, Nr.38, 19 September 2003

keppel pepi
06.02.2004 22:50

also KHG hat nichts mit dem verein zu tun, aber eine pressekonferenz zum thema wird in den räumlichkeiten des finanzamtes (sein offizieller arbeitsplatz) abgehalten...

ernst&young
06.02.2004 22:50
schon aufgefallen,

..dass die "unabhängigen" Wirtschaftsprüfer Ernst& Young auf der Seite der angeblich in Konkurs gegangenen FirstInEX Internet Services AG als "Solution(!) Partner" auftauchen??

pyrifer
07.02.2004 00:23
und irgendwie

beisst sich da die Katze in den eigenen Schwanz.

ceterum censeo carolus johaneus grasserus esse delendam

Eduard Hruschetzky
07.02.2004 13:00
Beschäftigen Sie sich

doch ein bißchen mit lateinischer Deklination ....

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