Neue Therapie gibt Morbus Crohn-Patienten Hoffnung

31. Jänner 2004, 13:29
posten

Behandlung mit Antikörpern

München - Eine neue Behandlungsmethode soll Morbus Crohn-Patienten zu mehr Lebensqualität verhelfen und ihnen in manchen Fällen eine Operation ersparen. Die Antikörpertherapie mit dem Wirkstoff Infliximab habe in ersten klinischen Anwendungen vielversprechende Erfolge gebracht, sagte der Gastroenterologe am Klinikum der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU), Thomas Ochsenkühn, am Rande eines internationalen Symposiums zur Behandlung von Morbus Crohn in München. "Es wird die bisherige Therapielandschaft verändern."

Die neue Methode der so genannten Immunmodulation könne insbesondere Patienten helfen, bei denen Kortison und Immunsuppressiva keine ausreichenden Erfolge brachten. Die Antikörpertherapie blockiert den Angaben zufolge die Botenstoffe der Entzündung im Darm. Der Vorteil der Antikörpertherapie, die seit etwa zwei Jahren in Deutschland zugelassen ist, liege darin, dass sie direkt am Entzündungsherd ansetzte, sagte Ochsenkühn. Kortison unterdrückt zwar die Entzündungsreaktion, hat aber in der Langzeittherapie oft schwere Nebenwirkungen. Bei Immunsuppressiva, die auch bei Organtransplantationen eingesetzt werden, wird die Immunreaktion des Körpers unterdrückt.

Bei dem zweitägigen Treffen befassten am Freitag und Samstag sich rund 300 Experten aus aller Welt mit neuen Therapiekonzepten bei der entzündlichen Darmerkrankung. Sie wollten unter anderem Erfahrungen mit der neuen Therapie austauschen, die in Deutschland anders als in den USA derzeit noch relativ selten eingesetzt wird.

Am Samstag wurden mehrere Hundert Patienten zu einer Informationsveranstaltung erwartet. In Deutschland leiden nach Schätzungen bis zu 160.000 Menschen an Morbus Crohn. Besonders gefährdet sind jüngere Menschen im Alter um 25 Jahre, außerdem ist die Altersgruppe um 50 Jahre betroffen. Die Krankheit geht mit Durchfällen, Bauch- und Gelenkschmerzen einher. Die Patienten müssen häufig operiert werden und leiden oft unter Ernährungsproblemen und Mangelerscheinungen. Viele würden arbeitsunfähig, haben einen chronischen Krankheitsverlauf eine verminderte Lebensqualität. (APA/dpa)

Share if you care.