Fühlen sich "normale" Passantinnen von Freiern belästigt, können sie Anzeige erstatten - Neues Prostitutionsgesetz beschlossen
Wien - Freier sollten künftig vorsichtiger sein, ob sie wahllos Frauen auf der Straße ansprechen, um Sex gegen Geld zu bekommen. Fühlen sich "normale" Passantinnen von Freiern belästigt, können sie deren Autokennzeichen notieren und dann Anzeige erstatten. Die Herrschaften müssen mit einer Strafe von bis zu 700 Euro rechnen.
Gestern, Freitag, wurde im Landtag die Novelle des Wiener Prostitutionsgesetzes mit den Stimmen von SP, VP und FP beschlossen. Den Grünen gehen die Bestimmungen nicht weit genug. In dem Gesetz ist nun ein Passus enthalten, der die "sexuelle Sphäre" der belästigten Frauen schützt - daher die Anzeigemöglichkeit, wenn sie gegen ihren Willen von Freiern zu sexuellen Handlungen aufgefordert werden.
Hinter der Strafe für lästige Freier steht kalkulierter Druck auf sie. Flattert nach einer Lenkererhebung eine Anzeige ins traute Heim, besteht für viele vermutlich Erklärungsbedarf gegenüber der Lebenspartnerin. Das soll abschreckend wirken. Ob sich tatsächlich Männer auf der Suche nach schnellem Sex davon abhalten lassen, wahllos Frauen anzusprechen, wird die Praxis weisen.
Härtere Strafen für Freier
Ursprünglich hatte SP-Frauenstadträtin Renate Brauner härtere Strafen für Freier angedacht. Erfahrungen in anderen Ländern zeigten aber, dass sich die Szene in den Untergrund verlagerte - und noch brutaler wurde.
Auch Hauseigentümer, in deren Räumlichkeiten illegale Prostitution stattfindet, können mit dem neuen Gesetz leichter zur Verantwortung gezogen werden. Prostituierte können sich in Wien beim Gesundheitsamt kostenlos und anonym untersuchen lassen. Für sie werden künftig auch Aids-Tests angeboten.
Bevorzugte Gegend
Berühmt-berüchtigt für den Straßenstrich sind das Stuwerviertel, die äußere Mariahilfer Straße oder die Gegend rund um Hütteldorfer und Felberstraße im 15. Bezirk. Vor allem im Stuwerviertel sind in ihren Fahrzeugen kreisende Freier zum Verkehrsproblem geworden. Beobachtungen haben ergeben, dass mittags die Nachfrage nach Sex am illegalen Straßenstrich hoch ist. Ein Problem, weil viele Mütter um diese Zeit ihre Kinder von den Schulen abholen. Zweite Stoßzeit, ergab die Verkehrszählung im zweiten Bezirk, ist nach Büroschluss. (aw, DER STANDARD Printausgabe 31.1.2004)