Die Umwelt leidet, wenn der Tourismus ausbleibt ...

30. Jänner 2004, 15:50
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Auf der indonesischen Insel Bali sorgen Fremde offenbar dafür, dass die Umwelt einigermaßen in Takt bleibt

Denpasar/Bali - Nach dem verheerenden Bombenattentat im Oktober 2002 ist der Fremdenverkehr auf der indonesischen Insel drastisch eingebrochen. Tausende im Tourismus Arbeitende sind ohne Job. Aber auch die Umwelt leidet unter den fehlenden Touristen, berichtet das Environmental News Network. Luft- und Wasserqualität sind auf der Insel extrem schlecht geworden, kritisieren Umweltschützer.

"Es ist, als wäre eine zweite Bombe in Bali hochgegangen", meint Norman van't Hoff, der die Umweltorganisation Gelombang Udara Segar (Wave of Fresh Air) auf der indonesischen Insel leitet. Die Bevölkerung von Bali lebt zu 90 Prozent vom Tourismus, der nach dem Bombenattentat mit 202 Todesopfern quasi zum Erliegen gekommen ist. Die meisten der Opfer waren damals Touristen gewesen. Nach dem Terroranschlag folgte der Irak-Krieg und SARS, beides Faktoren, die die Touristen fernhielten, meinen Fremdenverkehrsexperten.

Abfallberge und ungeklärte Abwässer

Doch Bali braucht die Fremden offensichtlich, denn sie sorgen dafür, dass die Umwelt einigermaßen in Takt bleibt, argumentieren die lokalen Umweltschützer. Auf dem kilometerlangen Strand von Kuta türmt sich Abfall, der von niemandem wegtransportiert wird. Das Wasser ist schmutzig und riecht nach ungeklärten Abwässern. Erst im November waren 25 Touristen aus Taiwan nach dem Besuch eines Restaurants an Ruhr erkrankt. "Das ist eine Warnung", meint Viebeke Lengkong, der für den Tourismus und die Entwicklung in Kuta verantwortlich ist.

Fehlende Sanitäreinrichtungen wie Kläranlagen sorgen immer wieder dafür, dass ungeklärte Abwässer in Flüsse und ins Meer laufen. Besonders kritisch ist die Situation in den dicht besiedelten urbanen Gebieten der Insel während der Regenzeit von Oktober bis Mai. Von einer steigenden Zahl von Durchfallerkrankungen unter Touristen berichtet auch Andre Dita vom lokalen Krankenhaus Sanglah. Kontaminiertes Wasser ist der Hauptgrund für den "Bali Belly", wie die Krankheit unter Reisenden genannt wird. Betroffen sind aber auch Schwimmer und Surfer. Auch die offiziellen Fremdenverkehrsstellen klagen über die mangelnde Hygiene in manchen Gegenden der Insel. "Die Insel ist immer noch wunderschön, doch in manchen Gegenden ist die Umweltzerstörung entsetzlich", so I Gede Pitana von der Bali Tourism Authority. Die meisten Probleme entstünden durch mangelnde Planung und lasche Gesetzgebung.

Spezielle Projekte

Van't Hoffs Gelombang Udara Segar hat öffentliche Toiletten errichtet und sorgt mit speziellen Projekten für die Reinhaltung der Strände. Umweltfragen werden auch als Unterrichtsgegenstand in die Schulen gebracht. Die Umweltorganisation will vor allem wieder die Surfer ins Land holen, denn sie waren neben den Künstlern, die von den besonderen landschaftlichen Reizen und dem erholsamen Lebensstil beeindruckt waren, die ersten Touristen, die Bali erobert haben. "Nach dem furchtbaren Terroranschlag waren es die Surfer, die wieder zurückgekommen sind", so van't Hoff. (pte)

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