Gluck-Zyklus abgesagt

30. Jänner 2004, 14:14
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Theater an der Wien konnte keine fixen Zusagen machen - Aufführungen in der Staatsoper allein ohne Zyklus-Zusammenhang "sinnlos"

Wien - Die Wiener Staatsoper hat den gemeinsam mit dem Theater an der Wien für 2006 und 2007 geplanten Gluck-Zyklus unter der Regie von Peter Konwitschny abgesagt. Während an der Staatsoper für "Alceste" und "Armide" bereits Verträge und fixe Planungen gemacht wurden, könne Intendant Roland Geyer für das Theater an der Wien, wo "Iphigenie in Aulis" und "Iphigenie auf Tauris" herauskommen sollten, auf Grund noch immer ausständiger Budgetbeschlüsse keine fixe Zusagen machen. Die Opern wären jedoch ohne Zyklus-Zusammenhang "sinnlos", versicherte Staatsopern-Direktor Ioan Holender.

Holender: "Die Wiener Staatsoper kann nicht länger warten, weil sie sonst in ein totales Planungsdebakel schlittert. Schon im derzeitigen Planungsstand befinde ich mich erstmals in meiner Direktionszeit in einem Planungsnotstand, der ein sofortiges Handeln notwendig macht. Ich bedaure es unendlich, aber ich konnte nicht anders. Wenn man mich nicht erst nimmt, kann ich nichts machen."

Letzter Versuch

Zuletzt habe er Geyer am Mittwoch in einem Brief auf die prekäre Lage und die unbedingt notwendige fixe Zusage seitens des Theaters an der Wien aufmerksam gemacht, so der Staatsopern-Direktor. Doch gestern Abend habe dieser ihn wissen lassen, dass er auch nach jüngsten Budgetgesprächen noch immer keine Zusage machen könne. "Daher kann der Gluck-Zyklus nicht stattfinden", folgert Holender. "Hier wurde ein europäisches Projekt zu Fall gebracht." Dieses von dem renommierten deutschen Regisseur Peter Konwitschny in der "Gluck-Stadt" (Holender) Wien inszenierte Ereignis hätte großes internationales Interesse hervorgerufen.

Freitag Früh habe er den Regisseur von der Situation informiert, erzählt Holender: "Er kann es nicht fassen." Dieser werde an der Staatsoper wie vorgesehen "Don Carlos" inszenieren, "und sicherlich werde ich mit Konwitschny auch etwas anderes machen." Eine kleine Hintertüre scheint an der Staatsoper für das Gluck-Projekt noch offen zu stehen: "Noch habe ich die Opern nicht ersetzt", sagt Holender, "ich kann ja nicht einfach sagen: Anstelle der 'Armide' spiele ich die 'Gans von Kairo'. Das überlasse ich lieber dem Kollegen Ruzicka in Salzburg."

Der Zyklus

Mit dem vierteiligen Gluck-Zyklus wollte Konwitschny "einen Bogen von Alceste über die beiden Iphigenie-Opern zu Armide schlagen und darin die zunehmende Entfremdung zwischen Mann und Frau thematisieren" (so der Regisseur vor wenigen Monaten in einem "profil"-Interview), ein durchaus Wagners "Ring" vergleichbares Projekt. Die Premieren der Staatsopern-Teile "Alceste" und "Armide" waren für 9.4.2006 bzw. am 4.3.2007 geplant. Danach wären die beiden Opern immer wieder zyklisch gemeinsam mit den beiden anderen Werken angeboten worden.

Roland Geyer war vorerst für eine Stellungnahme nicht erreichbar. Die Sprecherin von Wiens Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny (S) verwies in Sachen Vereinigte Bühnen lediglich auf laufende "gute Gespräche", bei denen nur "noch nicht alle Details" geklärt seien. Für die geplante Umstrukturierung im Theater an der Wien und im Ronacher "besteht keine Gefahr", die künstlerische Planung obliege jedoch allein den zuständigen Intendanten. (APA)

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