Pakistan: Nuklearchef unter Verdacht des illegalen Atomhandels

31. Jänner 2004, 15:46
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Ermittler: Khan soll Iran und Libyen beliefert haben

Islamabad - Der Chefentwickler des pakistanischen Atomwaffenprogramms ist ersten Ermittlungsergebnissen zufolge persönlich in den illegalen weltweiten Handel mit Nukleartechnik verwickelt. Abdul Qadeer Khan gelte als der Hauptverdächtige in den Ermittlungen über undichte Stellen bei den zuständigen Behörden in Pakistan, erfuhr die Nachrichtenagentur AFP am Freitag aus Regierungs- und Armeekreisen in Islamabad. Die Hinweise hätten sich verdichtet, dass Khan in den späten 80er und den frühen 90er Jahren Kenntnisse und Nukleartechnik an Libyen und den Iran weitergegeben habe.

"Es gibt hinreichende Beweise für Verbindungen zwischen einer Handvoll Personen in Pakistan und der internationalen Schwarzmarktmafia, die mit Nukleartechnologie handelt", sagte ein Regierungsvertreter. Khan sei die "vorderste Figur in diesem dunklen Geschäft". In der Regierung gebe es derzeit Differenzen in der Frage, wie mit Khan umgegangen werden soll. Der 66-jährige Nuklearwissenschaftler wird in Pakistan als eine Art Nationalheld verehrt. Er wurde bisher lediglich befragt, aber nicht festgenommen.

Die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA/IAEO) hatte Pakistan im November über Informationen aus Teheran informiert, wonach namentlich genannte pakistanische Spitzenbeamte aus illegalen Nukleargeschäften persönlichen Profit geschlagen haben sollen. Nach Angaben pakistanischer Ermittler würden derzeit noch sechs Verdächtige befragt, unter ihnen Khan. Bei den anderen fünf handelt es sich um Vertraute Khans, die in Pakistans wichtigster Anlage zur Anreicherung von Uran, A. Q. Khan Research Laboratories, beschäftigt sind. (APA)

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