Reaktion auf Anschlag: Israel rückt in Bethlehem ein

31. Jänner 2004, 21:02
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Haus des Selbstmordattentäters gesprengt - Drei Palästinenser bei Hebron und im Gazastreifen erschossen

Jerusalem - Nach dem jüngsten Selbstmordanschlag in Jerusalem sind israelische Truppen am Freitag in Bethlehem eingerückt. Im Flüchtlingslager Aida sprengten Soldaten das Haus des Selbstmordattentäters in die Luft. Der 24-jährige palästinensische Polizist hatte am Donnerstag in einem Bus im Zentrum Jerusalems einen Sprengsatz gezündet und zehn Menschen mit sich in den Tod gerissen. Der Einsatz sei Abschluss einer in der Nacht begonnenen Militärrazzia gewesen, bei der auch mehrere Palästinenser festgenommen worden seien, teilten palästinensische Behördenvertreter mit.

Einmarsch in Bethlehem

Vor Morgengrauen forderten israelische Soldaten laut Augenzeugen palästinensische Sicherheitskräfte auf, ihre Kontrollposten vor Bethlehem zu verlassen. Dann rückte eine Militärkolonne mit mehreren Dutzend Fahrzeugen in die Stadt ein. Beim Vorstoß der Armee nach Bethlehem wurden Augenzeugen zufolge zudem zwölf Palästinenser festgenommen. Eine Militärsprecherin sagte, die Palästinenser seien ihren Verpflichtungen zur Bekämpfung des Terrors nicht nachgekommen. "Das wurde gestern bei dem Bombenanschlag deutlich." Der Vorstoß sei eine Reaktion auf den Selbstmordanschlag.

Verzicht auf harten Gegenschlag

Zuvor hatte die Regierung von Ministerpräsident Ariel Sharon über militärische Vergeltungsaktionen auf den Selbstmordanschlag vom Donnerstag beraten. Nach israelischen Medienberichten sei dabei entschieden worden, nach dem Attentat solle es keinen harten Gegenschlag geben.

Die Offensive ist die erste seit dem israelischen Rückzug aus Bethlehem vor sechs Monaten. Der palästinensische Kabinettsminister Saeb Erekat verurteilte das israelische Vorgehen. "Anstatt Soldaten und Panzer nach Bethlehem zu schicken, hätte die israelische Regierung Unterhändler schicken sollen, um einen sinnvollen Friedensprozess wieder aufzunehmen", sagte Erakat.

Zwei Palästinenser erschossen

Im Gazastreifen wurden laut Angaben der israelischen Armee am Freitag nahe der jüdischen Siedlung Dugit zwei Palästinenser erschossen. Nach Angaben der Streitkräfte trugen die beiden Männer Sprengstoff und Granaten bei sich.

In der Nähe der Stadt Hebron im Westjordanland töteten israelische Truppen ein Mitglied der militanten Organisation Islamischer Dschihad. Laut Militärangaben hatte der Mann zuvor das Feuer eröffnet. Ebenfalls im Westjordanland zerstörten die israelischen Streitkräfte sechs Häuser, darunter ein vierstöckiges Wohnhaus. Mehr als 50 Menschen wurden obdachlos. In Jenin verhafteten die Soldaten den örtlichen Führer des Islamischen Dschihads, Sharif Tahaimeh, der seit mehr als drei Jahren auf der Fahndungsliste stand. (APA/Reuters)

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