USA verringert Truppenstärke in Europa

31. Jänner 2004, 15:46
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Verlegung in osteuropäische Länder - Heer in den USA wird um 30.000 Mann vergrößert

Washington - Bei der Umstrukturierung ihrer Streitkräfte wollen die USA nicht nur aus Deutschland Truppen abziehen, sondern ihre Militärpräsenz in Europa insgesamt verringern. Am Ende werde "eine Nettoverringerung bei der Truppenzahl in Europa und bei der Zahl der Stützpunkte in Europa" stehen, sagte Powell am Donnerstag nach einem Treffen mit NATO-Generalsekretär Jaap de Hoop Scheffer in Washington. Ein Großteil der Standortverlegungen diene dazu, Soldaten in die USA zurückzuholen. De Hoop Scheffer betonte vor seinem Treffen mit US-Präsident George W. Bush, Afghanistan habe für die NATO die höchste Priorität.

Nicht gegen Russland gerichtet

Mit Blick auf Kritik aus Moskau sagte Powell, die geplante Verlegung von US-Streitkräften in osteuropäische Länder sei nicht gegen Russland gerichtet. Vielmehr gehe es den USA darum, in mittel- und osteuropäischen Ländern Stützpunkte einzurichten, von denen aus "potenzielle Krisengebiete" im Nahen Osten und in der Golfregion schnell erreicht werden könnten.

Diese neuen Militärbasen würden jedoch nicht den Umfang der Stützpunkte aus der Zeit des Kalten Krieges erreichen. Russlands Verteidigungsminister Sergej Iwanow hatte die US-Pläne im Dezember als Grund zu "offenkundiger Besorgnis" bezeichnet.

Derzeit haben die USA rund 100.000 Soldaten in Westeuropa stationiert, davon etwa 70.000 in Deutschland. Das Pentagon hatte Anfang Jänner bestätigt, dass Washington den Abzug von Einheiten mit schweren Waffen aus Deutschland plant. Offizielle Zahlen gibt es dazu bisher nicht. Laut Pentagon wurden noch keine endgültigen Entscheidungen getroffen.

Das "Wall Street Journal" hatte zu Jahresbeginn berichtet, dass zwischen 2005 und 2006 bis zu 40.000 Soldaten aus Deutschland in die USA zurückkehren sollen. US-Regierungsvertreter hatten zudem bereits mehrfach durchsickern lassen, dass neue Standorte in Polen, Rumänien und Bulgarien geplant sind.

Die USA haben bereits ihre Truppen aus Saudi-Arabien abgezogen und arbeiten an der Umstrukturierung ihrer Truppenpräsenz im westpazifischen Raum sowie Südkorea und Japan. Nach den Erfahrungen der Kriege am Golf sowie in Afghanistan wollen die USA künftig mehr Gewicht auf militärische Mobilität und die zeitweise Nutzung von Stützpunkten legen als auf feste Truppenkontingente.

Heer in den USA wird aufgestockt

Die größte Teilstreitkraft des US-Militärs, das Heer, soll infolge der besonderen Aufgaben in Afghanistan und dem Irak vorübergehend auf 510.000 Soldaten anwachsen. Wie aus US-Verteidigungskreisen in Washington verlautete, soll im Rahmen einer Umstrukturierung allein die Infanterie um 23.000 Mann erweitert werden. Die Vergrößerung des Heeres noch weiter über die vom Kongress gesetzte Obergrenze von 482.400 Soldaten hinaus sei unter dem Ausnahmezustand erforderlich und rechtlich möglich, den Präsident George W. Bush nach den Anschlägen vom 11. September 2001 erklärt habe. Zur Zeit hat das Heer 493.000 Mann unter Waffen. (APA/AP)

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