Neuseeländische Autorin Janet Frame verstorben

Redaktion, 05. Februar 2004 12:46
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    Foto: archiv

Bekannt durch autobiografischen Roman "Ein Engel an meiner Tafel" - verfilmt von Jane Campion

Wellington - Janet Frame, eine der bedeutendsten AutorInnen Neuseelands und im Vorjahr als eine der FavoritInnen auf den Literaturnobelpreis gehandelt, ist am Donnerstag 79-jährig an Krebs gestorben. Im deutschsprachigen Raum wurde die Schriftstellerin vor allem durch ihren autobiografischen Roman "Ein Engel an meiner Tafel" bekannt, der von Jane Campion ("Das Piano") 1990 mit großem Erfolg verfilmt worden ist.

In der komplexen Trilogie hat Frame auch die Ursachen und den Verlauf ihrer jahrelangen psychiatrischen Behandlung bearbeitet. Wegen vermeintlicher Schizophrenie erhielt die Autorin über 200 Elektroschocks. Insgesamt hat Frame Janet Frame elf Romane, fünf Novellensammlungen und einen Poesieband sowie ihre Autobiografie verfasste.

Werdegang

Als drittes von fünf Kindern eines Eisenbahnarbeiters wuchs Janet Frame, die bereits als Schülerin erste Gedichte veröffentlichte, in Dunedin auf der Südinsel Neuseelands in ärmlichsten Verhältnissen auf. Nach einer Lehrerausbildung verließ sie schon nach einem Jahr den Schuldienst und arbeitete als Bedienerin in Vorstadthotels. Nach einem Selbstmordversuch kam sie in psychiatrische Behandlung. Bis 1947 entstanden die Erzählungen ihres ersten Buchs "The Lagoon" ("Die Lagune"), das mit dem bedeutendsten neuseeländischen Literaturpreis ausgezeichnet worden ist.

Immer wieder flüchtete Janet Frame zurück zu ihrer Familie, deren Drama - zwei ertrunkene Töchter und ein epileptischer Sohn - fast unerträglich war. Die Jahre von 1947 bis 1954 verbrachte sie in psychiatrischen Anstalten. Der 1961 erschienene Roman "Faces in the Water" ("Gesichter im Wasser") diente ihr auch als Therapie und Bewältigung ihrer Erfahrung in Heilanstalten. "Wenn ich nicht in der Welt des Bücherschreibens leben könnte, wo sollte ich sonst überleben", hatte sie sich selbst einmal in einem Zeitungs-Interview gefragt.

Europa und zurück

Mit Hilfe eines Stipendiums ging die Autorin 1957 nach Europa und unterzog sich in London einer erneuten Therapie. Nach dem Tode des Vaters kehrte Janet Frame 1963 nach Neuseeland zurück. Zuvor hatte sie den Schriftsteller Frank Sargeson kennen gelernt, der an ihr Talent glaubte und ihr eine kleine Rente besorgte. In dieser Zeit entstand der Roman "Owls do cry" ("Wenn Eulen schreien"), in dem sie am Beispiel der Geschichte einer Eisenbahnerfamilie die Probleme von Frauenleben im nachkolonialistischen Ländern schilderte. (APA)

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