Bekannt durch autobiografischen Roman "Ein
Engel an meiner Tafel" - verfilmt von Jane Campion
Wellington - Janet Frame, eine der bedeutendsten AutorInnen
Neuseelands und im Vorjahr als eine der FavoritInnen auf den
Literaturnobelpreis gehandelt, ist am Donnerstag 79-jährig
an Krebs gestorben. Im deutschsprachigen Raum wurde die
Schriftstellerin vor allem durch ihren autobiografischen Roman "Ein
Engel an meiner Tafel" bekannt, der von Jane Campion ("Das Piano")
1990 mit großem Erfolg verfilmt worden ist.
In der komplexen Trilogie hat Frame auch die Ursachen und den
Verlauf ihrer jahrelangen psychiatrischen Behandlung bearbeitet.
Wegen vermeintlicher Schizophrenie erhielt die Autorin über 200
Elektroschocks. Insgesamt hat Frame Janet Frame elf Romane, fünf
Novellensammlungen und einen Poesieband sowie ihre Autobiografie
verfasste.
Werdegang
Als drittes von fünf Kindern eines Eisenbahnarbeiters wuchs Janet
Frame, die bereits als Schülerin erste Gedichte veröffentlichte, in
Dunedin auf der Südinsel Neuseelands in ärmlichsten Verhältnissen
auf. Nach einer Lehrerausbildung verließ sie schon nach einem Jahr
den Schuldienst und arbeitete als Bedienerin in Vorstadthotels. Nach
einem Selbstmordversuch kam sie in psychiatrische Behandlung. Bis
1947 entstanden die Erzählungen ihres ersten Buchs "The Lagoon" ("Die
Lagune"), das mit dem bedeutendsten neuseeländischen Literaturpreis
ausgezeichnet worden ist.
Immer wieder flüchtete Janet Frame zurück zu ihrer Familie, deren
Drama - zwei ertrunkene Töchter und ein epileptischer Sohn - fast
unerträglich war. Die Jahre von 1947 bis 1954 verbrachte sie in
psychiatrischen Anstalten. Der 1961 erschienene Roman "Faces in the
Water" ("Gesichter im Wasser") diente ihr auch als Therapie und
Bewältigung ihrer Erfahrung in Heilanstalten. "Wenn ich nicht in der
Welt des Bücherschreibens leben könnte, wo sollte ich sonst
überleben", hatte sie sich selbst einmal in einem Zeitungs-Interview
gefragt.
Europa und zurück
Mit Hilfe eines Stipendiums ging die Autorin 1957 nach Europa und
unterzog sich in London einer erneuten Therapie. Nach dem Tode des
Vaters kehrte Janet Frame 1963 nach Neuseeland zurück. Zuvor hatte
sie den Schriftsteller Frank Sargeson kennen gelernt, der an ihr
Talent glaubte und ihr eine kleine Rente besorgte. In dieser Zeit
entstand der Roman "Owls do cry" ("Wenn Eulen schreien"), in dem sie
am Beispiel der Geschichte einer Eisenbahnerfamilie die Probleme von
Frauenleben im nachkolonialistischen Ländern schilderte.
(APA)