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11. Oktober 2004, 11:28
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Wer eine Karriere auf internationalem Parkett anstrebt, sollte tief in die Tasche greifen und ein renommiertes Master-Programm absolvieren - Finanzielle Unterstützung kann man sich beim Bildungsministerium oder bei der Fulbright-Kommission holen

Postgraduate-Studien in International und European Affairs sollen ihren Absolventen ein interdisziplinäres und praxisorientiertes Rüstzeug für eine internationale Karriere in Diplomatie, Wirtschaft und Recht vermitteln. Einmal einen der kompetitiven Studienplätze ergattert, sehen die Zukunftsaussichten meist viel versprechend aus - vorausgesetzt, man treibt zuerst das nötige Kleingeld für die Finanzierung auf.

Für Elsa Küntziger ist der Begriff "globaler Arbeitsmarkt" alltägliche Realität. Seit ein paar Wochen arbeitet die 27-jährige Absolventin des Collège d'Europe in der Vertretung Luxemburgs bei den Vereinten Nationen in New York. Das renommierte "Europa-Kolleg", gelegen im idyllischen Brügge, ist mit seinem Master in European Studies eine der beliebtesten Anlaufstellen, um später einen der begehrten Jobs in den Institutionen der Europäischen Union, bei europäischen Lobbyfirmen und Kanzleien oder in der internationalen Diplomatie zu bekommen.

Großer Zusammenhang

Barbara Lambauer, Studienkoordinatorin am Pariser Institut d'Études Politiques, dessen kürzlich geschaffener Master in International Affairs Studierende aus knapp 40 Ländern zu zukünftigen Entscheidungsträgern mit Weitblick ausbilden soll, sieht das Bildungsziel der Programme auf zwei Ebenen. "Es geht darum, die Studierenden adäquat auf die realen Ver- hältnisse einer flexiblen und international agierenden Arbeitswelt vorzubereiten. Dabei sollen sie auch und gerade fächerübergreifende, lösungsorientierte Ansätze entwickeln und diese in einen größeren Zusammenhang einordnen können", so die gebürtige Steirerin.

Die meist zweijährigen Master-Programme, die einen ersten Studienabschluss voraussetzten (Bachelor oder Magister), beinhalten eine interdisziplinäre Ausbildung in Politik, Wirtschaft und Recht, mit Spezialisierung in einem Bereich, Unterricht in mehreren Sprachen, Praktika, Studienreisen und Soft-Skill-Kurse in Verhandlungs-und Präsentationstechniken. Ein Großteil der Lehrenden kommt aus der Praxis und ist nur für ein, zwei Kurse in der Woche an der Uni. Dies bringt den Studierenden oft nützliche Kontakte für die Jobsuche nach dem Abschluss.

Hilfreich bei der Stellensuche

Aitor Luna, der gerade einen zweijährigen Studiengang in International Affairs an der Johns Hopkins University in Washington D.C. absolviert, dazu: "Wenn dein Professor Abteilungsleiter in der Weltbank oder im Internationalen Währungsfonds ist, ist das natürlich hilfreich bei der späteren Suche nach einer Stelle bei den entsprechenden Institutionen." Gut ein Drittel der Master-Absolventen findet sich in der Wirtschaft wieder, ein weiteres Drittel geht in den nationalen, europäischen oder internationalen öffentlichen Dienst, der Rest arbeitet für Medien, Interessensvertretungen oder wissenschaftliche Einrichtungen.

In Österreich bietet die Diplomatische Akademie mit ihrem einjährigen Diplomlehrgang, ein, den Master-Programmen weit gehend äquivalentes Postgraduate-Studium an. Die Absolvierung des Lehrganges ist darüber hinaus Voraussetzung für Studierende, die kein Studium der Rechts-, Politik- oder Wirtschaftwissenschaften abgeschlossen haben, um bei der Aufnahmeprüfung für den heimischen diplomatischen Dienst antreten zu können.

Finanzierung

Der Weg zu einer internationalen Karriere hat allerdings auch seinen Preis. Studiengebühren von 5000 bis 15.000 Euro pro Studienjahr sind Standard. Dazu kommen noch Reise- und oftmals teure Lebenskosten. Das Bildungsministerium vergibt jährlich Postgraduate-Stipendien für das fremdsprachige Ausland, die Fulbright-Kommission unterstützt speziell Programme in den USA, und kleinere Unterstützungen werden von Landesregierungen, der Wirtschaftskammer oder privaten Stiftungen zur Verfügung gestellt. (Stephan Wabl, DER STANDARD Printausgabe, 24/25.1.2004)

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Grants.at

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    Gut ein Drittel der Master-Absolventen findet sich in der Wirtschaft wieder, ein weiteres Drittel geht in den nationalen, europäischen oder internationalen öffentlichen Dienst

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