Der Hausmeister wird erfunden

29. Jänner 2004, 21:33
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Gewerkschaft will Hausbesorger zu Allroundtechniker aufwerten - Beruf Hausbesorger könnte künftig wieder fix zu jeder Wohnanlage gehören

Wien - Der Mann repariert die Klingel draußen und die Lichtschalter drinnen im Stiegenhaus, schaufelt im Winter den Schnee, im Herbst das Laub vom Gehsteig. Dazwischen nimmt er Pakete für Hausbewohner an und trägt betagten Herrschaften die Einkaufstasche in den zweiten Stock. Dieser "Er" könnte natürlich auch eine engagierte "Sie" sein, den Beruf Hausbesorger gewählt haben und künftig wieder fix zu jeder Wohnanlage gehören.

Über derartige Szenarien denkt man bei der Gewerkschaft nach. Hintergrund der gewerkschaftlichen Pläne ist, dass die Bundesregierung vor zwei Jahren das Hausbesorgergesetz abgeschafft hat. Da es keine einheitliche Arbeitgebervertretung gibt, kann kein Kollektivvertrag für diese Berufsgruppe ausgehandelt werden. Rudolf Kaske und Karl Frint von der Sektion Gewerkschaft Hotel, Gastgewerbe, Persönlicher Dienst (HGPD), wollen bis September ein Konzept erarbeiten, in dem der Hausbesorgerberuf mehr oder weniger neu erfunden wird.

Rundumservice bezahlen

Kaske und Frint versprechen sich davon, dass Genossenschaften oder Hauseigentümer und in weiterer Folge die Mieter bereit sein würden, für ein Rundumservice auch zu bezahlen. Solche Pläne werden gewälzt, um den Stand der Hausbesorger überhaupt zu erhalten. Allein in Wien ist die Zahl der meist guten Geister in Wohnanlagen seit 2000 um 800 Stellen geschrumpft. 3000 Hausbesorger und -besorgerinnen gibt es noch, ein Großteil ist, wie Gewerkschafter Frint, bei "Wiener Wohnen" beschäftigt.

Weil der Beruf stressig sei, und viele Stellen nach Pensionierungen nicht mehr nachbesetzt würden, würden es immer weniger, die für saubere Stiegen und Gehsteige sorgen. Dazu kommt die Konkurrenz: Es gibt Unternehmen, die sich auf die Hausarbeit spezialisiert haben und dieses Service kostengünstiger anbieten.

Eine Kostenfrage

Gerade bei den Kosten, wendet Frint ein, dass der Hausbesorger künftig als handwerklich versierter Allrounder solche sparen helfen könne. Beauftrage man einen Handwerksbetrieb zur Reparatur eines Lichtschalters würde von dem eine Anfahrtspauschale, Arbeitszeit und sonstige Leistungen in Rechnung gestellt. Der Hausmeister würde nur das Material einkaufen und die Arbeit im Rahmen seiner Beschäftigung erledigen. Voraussetzung sei aber, dass die Leute geschult würden.

Wie das Amen im Gebet erinnert man sich der Hausmeister, wenn es geschneit hat. Da werden ungeräumte Gehsteige oder vereiste Hauseingänge beklagt. Je nach Wetterlage verunglücken nach Angaben des Instituts "Sicher Leben" jedes Jahr bis zu 10.000 Personen, die ausrutschen. Gut die Hälfte der Verunfallten landet auf öffentlichen Gehwegen unverhofft auf dem Hintern. Im Garten oder auf der Hauseinfahrt reißt es rund 18 Prozent der Verunfallten die Hax'n auf rutschigem Boden aus. (aw, DER STANDARD Printausgabe 29.1.2004)

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