Waffenanlagen in Libyen versiegelt

29. Jänner 2004, 19:56
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Washington ließ Ausrüstung in die USA fliegen

Wien/Washington/Tripolis - Nur eine Woche nach Beginn der Abrüstungsarbeiten in Libyen haben Waffeninspektoren der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEO) in Wien in Zusammenarbeit mit amerikanischen und britischen Experten die sicherheitstechnisch sensibelsten Anlagen versiegelt und Teile des Waffenprogrammes außer Landes geschafft. Wie am Dienstag in Washington bekannt wurde, landete bei Knoxville, im Bundesstaat Tennessee, ein US-Militärtransporter mit 25 Tonnen Ausrüstung und Dokumenten des libyschen Waffenprogrammes.

IAEO-Sprecher Mark Gwozdecky trat dem Eindruck entgegen, die US-Regierung hätte wie im Fall des Irak die Atombehörde der UNO beiseite gedrängt. Die Anlagen in Libyen seien von den IAEO-Inspektoren versiegelt worden, und der Prozess der Abrüstung bleibe unter der Aufsicht der Atomenergiebehörde, sagte der Sprecher am Mittwoch gegenüber dem STANDARD. "Wir sind dankbar für die logistische Unterstützung der Amerikaner und Briten."

In dem Militärtransporter, der am Dienstag in den USA eintraf, war nach Aussagen des Sprechers des Weißen Hauses, Scott McClellan, "kritisches Material" in Zusammenhang mit Libyens nuklearem Waffenprogramm und seinen technischen Fähigkeiten bei Raketen. Dieser zweite Transport - ein erster mit "äußerst sensiblen Dokumenten" traf vergangene Woche in den USA ein - soll Teile von Zentrifugen enthalten haben, die zur Uranreicherung benutzt werden können, sowie ein Steuersystem für weiter reichende Raketen. Die Ausrüstung soll im Oak National Laboratorium, einer Einrichtung des US-Energieministeriums in Tennessee, zerstört werden.

Neue Phase

Libyen hat seinerseits nach Angaben Washingtons mit der Zerstörung nicht befüllter chemischer Munition begonnen. Die Abrüstungsarbeiten im Land seien nach der Versiegelung der wichtigsten Anlagen noch lange nicht beendet und treten nun in eine neue Phase, meinte IAEO-Sprecher Gwozdecky. Das IAEO-Team in Libyen ist dabei sehr klein. Weniger als ein halbes Dutzend Mitarbeiter seien vor Ort. (Markus Bernath/DER STANDARD, Printausgabe, 29.1.2004)

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